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Stürmische Zeiten

Donnerstag, 1. November 2012 um 08:49

Von Thomas Grüner
Aus Sicherheitsgründen blieben die US-Börsen zwei Tage wegen des Hurrikans Sandy geschlossen. Die Auswirkungen des Wirbelsturms sind weitreichend: Milliardenschäden an der US-Ostküste, Alarm im ältesten US-Atomkraftwerk Oyster Creek, Millionen Menschen im Ausnahmezustand. Eine Katastrophe, gleichwohl ohne negativen Überraschungseffekt – die US-Behörden und die Bewohner zeigten sich bestmöglich vorbereitet, so dass größere Verwerfungen an der Börse – ähnlich zur Katastrophe in Fukushima im Jahr 2011 – bei Wiedereröffnung auszuschließen sind. Eher können die zerstörerischen Auswirkungen des Sturms mittelfristig als Konjunkturspritze betrachtet werden: Umfangreiche Reparaturen werden das Baugewerbe ankurbeln – ein kleiner, dennoch positiver Nebeneffekt dieser Naturkatastrophe. Stillstand an den US-Börsen – Zeit, um Luft zu holen und die Geschehnisse in Europa wieder in den Fokus zu rücken.

Fortschritte in Griechenland?

Auszüge des angekündigten Berichts der Troika über den Fortschritt Griechenlands wurden bereits im Vorfeld von einem deutschen Nachrichtenmagazin veröffentlicht: Demnach gilt es als „fast sicher“, dass Griechenland über eine erneute Hilfszahlung von 31,5 Milliarden Euro verfügen kann, zusätzlich wird ein Zeitfenster von zwei Jahren eingeräumt, um die Auflagen von IWF, EZB und Europäischer Kommission zu erfüllen. Die Reformpolitik schreitet jedoch langsamer voran als von der Troika gewünscht. Weitere Reformen – insbesondere für den Arbeitsmarkt – werden unumgänglich sein und den Druck auf die griechische Regierung weiter erhöhen. Der Ausweg aus der Schuldenkrise bleibt lang und steinig, stets umrahmt von politischen Querelen. Insofern nichts Neues aus Griechenland – trotz kurzfristiger Verwerfungen würde selbst ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone langfristig keinen negativen Einfluss auf die Märkte haben. Diese vermeintliche Schockwirkung ist längst eingepreist.

Fortschritte in Spanien?

Viel Lob vom IWF ernteten die Spanier für ihre Bemühungen, den maroden Bankensektor zu reformieren. Einem Bericht des IWF zufolge sind die Restrukturierungspläne für den Bankensektor aussichtsreich, ebenso die Entwicklung des neuen regulatorischen Rahmens. Sobald Spanien erste Kapitalspritzen aus den zugesagten – und letztendlich akzeptierten – Bankenrettungspaketen erhält, dürfte sich auch die Lage für die spanischen Banken deutlich entspannen. Alle Fristen der Reformvorhaben wurden eingehalten. Diese positive Entwicklung deutet darauf hin, dass Spanien die Chance ergreifen will, die Europa durch seine Unterstützung bietet – und somit langfristig betrachtet der Weg zurück in die Konkurrenzfähigkeit geebnet ist. Im selben Verhältnis wird der weltweite Konjunkturaufschwung dazu führen, dass Europa in dieser schwierigen Phase „mitgezogen“ wird.

Fazit: Nie ruhige Zeiten – das Geschehen an den Märkten wird stets begleitet von externen Schocks und politischen Machtkämpfen. Letztendlich zählt jedoch die langfristige Betrachtung. Das verlässlichste Konjunkturbarometer ist dabei die Börse selbst: Märkte blicken stets in die Zukunft. Der gegenwärtige Bullenmarkt ist intakt, die fundamentalen Daten der weltweiten Unternehmen sprechen eine positive Sprache – diesen langfristigen Trend vermag auch ein Hurrikan nicht zu durchbrechen.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per eMail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter
www.gruener-fisher.de

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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