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Ein verlorenes Jahrzehnt wiederholt sich nicht

Donnerstag, 18. Oktober 2012 um 08:10

Von Thomas Grüner
Nüchtern betrachtet kann man bei der Entwicklung der Aktienmärkte der Jahre 2000 bis 2010 zweifelsohne von einem „verlorenen“ Jahrzehnt sprechen. US-Aktien brachten es auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von -1 Prozent, auch der deutsche Aktienindex Dax weist per Saldo im selben Betrachtungszeitraum eine negative Rendite aus. Diese Entwicklung hat bei vielen Investoren Spuren hinterlassen – zu heftig waren die Kurseinbrüche im Rahmen der Weltwirtschaftskrise des Jahres 2008. Die Enttäuschung scheint auch heute noch in den Köpfen zahlreicher Anleger festzusitzen – obwohl mittlerweile mehr als drei Jahre seit dem Ende der Rezession vergangen sind. Viele erachten die globalen Aktienmärkte als wenig lohnenswert und riskant. Die Medien neigen im Rahmen der negativen Stimmung dazu, ein weiteres verlorenes Jahrzehnt an den Aktienmärkten zu prophezeien. Irrglaube oder gerechtfertigte Prognose?

Historischer Vorteil

Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass Zehnjahreszeiträume mit einer negativen Rendite äußerst selten sind. Einer Studie von Fisher Investments zufolge ist dies bei einer monatlichen Betrachtung der US-Aktienmärkte seit 1926 nur zu 6,3 Prozent der Fall. Interessant ist hierbei die Entwicklung der Aktienmärkte in der sich jeweils anschließenden Dekade: Der durchschnittliche Zuwachs beträgt erstaunliche 156,2 Prozent. Und es bleibt festzuhalten, dass noch niemals (!) in der Geschichte eine negative Dekade von einer weiteren Dekade mit negativer Wertentwicklung gefolgt wurde. Doch woher dann die düsteren Prognosen für das laufende Jahrzehnt?

Mathematische Denkfalle

Menschen neigen dazu, vorhandene Trends einfach fortschreiben zu wollen – ganz besonders wenn die Vergangenheit schlecht war. Bei positiven Entwicklungen ergibt sich ein gegensätzliches Bild: Eine gute Dekade sorgt selten für Euphorie, was die zukünftige Wertentwicklung angeht. Meistens überwiegt dann schon wieder die Sorge vor einer Korrektur. Ein psychologisches Phänomen. Zudem gilt es, den Begriff „Dekade“ zu relativieren. Der Mensch bevorzugt runde Zahlen. Die Entwicklung der ersten zehn Jahre des neuen Jahrtausends ist dabei vor allem von zwei Tatsachen geprägt: Im Jahr 2000 ging ein historischer Bullenmarkt zu Ende und im Jahr 2009 hatte der Markt wenig Zeit, sich von einer der schlimmsten Krisen überhaupt zu erholen. Keine Überraschung deshalb, dass im gesamten Betrachtungszeitraum keine ordentliche Rendite erwirtschaftet werden konnte. Doch betrachten Sie einmal nicht die Wertentwicklung von 2000 bis 2010, sondern blicken Sie ausgehend vom Beginn des Oktobers 2012 genau zehn Jahre zurück: Hier beträgt die kumulierte Rendite der US-Aktienmärkte 117 Prozent, der deutsche Aktienindex Dax kann enorme 156 Prozent Zuwachs verzeichnen. Keinesfalls ein verlorenes Jahrzehnt!

Fazit: Auch mittelfristige Performancedaten müssen relativiert werden. Bereits eine kleine Verschiebung des betrachteten Zeitfensters kann die Ergebnisse auf den Kopf stellen. Aktien haben zudem keine serielle Korrelation – der Nutzen historischer Daten für eine korrekte Standortbestimmung ist daher begrenzt. Unerlässlich bleibt dagegen der Blick in die Zukunft: Wir befinden uns inmitten eines mächtigen Bullenmarkts. Die Weltwirtschaft wächst, Aktien sind immer noch günstig bewertet. Die Vorzeichen für eine hervorragende Dekade am Aktienmarkt sind nicht nur gegeben – wir befinden uns bereits mittendrin!

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per eMail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter
www.gruener-fisher.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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