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Alternative zur Aktien-Anlage?

Dienstag, 31. Juli 2012 um 12:29

Von Armin Brack

Nach der Leitzinssenkung durch die EZB auf 0,75 Prozent wird es für Anleger, die eine renditestarke Anlage bei kalkulierbarem Risiko suchen, noch schwieriger.

Wer das Risiko von Aktien scheut, mit Immobilienfonds schlechte Erfahrungen gemacht hat und beim Anblick der mickrigen Tages- und Festgeldzinsen die Lust vergeht, der bleibt oft bei Unternehmensanleihen hängen.

Auf Wunsch vieler Leser nachfolgend Pro und Contra am Beispiel der PCC-Anleihe.

Ich gebe zu, als passionierter Aktien-Trader hätte ich mir die insgesamt zehn am Markt befindlichen Unternehmensanleihen der PCC wohl gar nicht angeschaut. Als ich mich ins Thema eingelesen habe, fand ich die Thematik aber dann doch ganz spannend.

Viele werden das Unternehmen nicht kennen, daher zunächst ein paar Worte zur Historie und Philosophie hinter PCC: Der in Polen geborene Selfmade-Millionär Waldemar Preussner hat PCC 1993 in Duisburg als Rohstoffhandelsgesellschaft gegründet. 1994 erzielte man bereits einen Umsatz von 60 Millionen Euro mit dem Handel von Rohstoffen.

Preußner entwickelte das Unternehmen zu einer Erfolgsgeschichte. Heute ist PCC mit rund 8.200 Mitarbeitern in 18 Ländern vertreten. Der Schwerpunkt liegt auf den osteuropäischen Wachstumsmärkten, speziell Polen. Der mit Abstand wichtigste Sektor ist inzwischen die Chemiebranche.

Hier wurden im ersten Quartal 2012 144 Millionen des Gesamtumsatzes von 161 Millionen Euro erwirtschaftet. Das operative Ergebnis (also der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, genannt EBITDA) betrug 11 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis lag bei 2,4 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2011 wurden 615 Millionen Euro umgesetzt und dabei ein Vorsteuergewinn von 14 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die wichtigste Tochtergesellschaft der Holding ist die PCC Rokita SA aus Brzeg Dolny in Polen mit den drei Kerngeschäftsfeldern Polyole (Grundstoff zur Herstellung von weichen und harten Schaumstoffen), Tenside (oberflächenaktive Stoffe zur Herstellung von Reinigungsmitteln und Waschmitteln) und Chlor (wird in der Zellstoff- und Papierindustrie verwendet).

In der noch kleinen Energiesparte konzentrieren sich die Duisburger auf die Entwicklung, den Bau und den Betrieb von Wasserkraftwerken, speziell in Südosteuropa.

Drittes Standbein ist der Transportsektor. Hier geht es vor allem um die Zustellung von Gütern und Containern zum Kunden. Beim sogenannten intermodalen Transport organisiert PCC Kombiverkehre auf der Basis von Eisenbahn-Linienverbindungen zwischen Umschlagterminals in Polen und dem Ausland sowie von LKW-Verkehr, der mit den Bahnverbindungen synchronisiert ist. Mit mehr als 84 eigenen Lokomotiven und rund 2.800 Waggons, Kessel- und Tanklastwagen geht das Unternehmen auch hier "in die Vollen" und gehört zu den größten privaten Bahnbetreibern in Polen.

Alleine diese Beschreibung lässt schon Rückschlüsse auf Preussner zu: Er ist ein Macher und Arbeiter, der es handfest mag und im wahrsten Sinne des Wortes etwas bewegt. Er akquiriert neue Projekte, entwickelt diese und verkauft sie dann auch gerne profitabel an andere Investoren weiter.

Er betreibt Geschäfte zum Anfassen. Die Investoren verstehen, was PCC macht. Gerade Anleger, die im Zuge des Internetbooms und des Neuen Marktes schlechte Erfahrungen mit "Pie in the sky"-Geschäftsmodellen gemacht haben, wo oft wenig mehr als ein wohlklingender Business-Plan existierte, wissen das zu schätzen.

Stärkere Unabhängigkeit von Banken und Börse

In dieses Bild passt auch das Credo von Preussner: Die Abhängigkeit von Banken möglichst gering halten und sich nicht dem kurzfristigen Erfolgsdruck von Analysten und Aktionären aussetzen, die oft nur von Quartal zu Quartal denken. Auch das ist im Hinblick auf die Ereignisse in den vergangenen Jahren (Hypothekenkrise mit anschließender Wirtschaftskrise und der Sozialisierung der Milliardenverluste vieler Banken) sympathisch. Auch mir. So können Preussner und seine Mitarbeiter die Projekte mit Ruhe und Weitsicht entwickeln.

Andererseits ist das Geschäft von PCC sehr kapitalintensiv. Der Aufbau der Projekte, zum Beispiel der Erwerb von Wasserkraftwerken, ist mit hohen Vorlaufkosten verbunden. Und irgendwo muss auch bei PCC das Geld kommen. Weil auch das Kerngeschäft Chemie immer wieder Ersatzinvestitionen erfordert, benötigt man auch immer wieder externes Kapital.

Auch das nimmt Preussner am liebsten selbst in die Hand: Das Unternehmen organisiert Investorenveranstaltungen, in deren Rahmen das Geschäft vorgestellt wird und die selber aufgelegten Anleihen vertrieben werden. Dort tritt dann im Rahmenprogramm auch schon mal Schlagerbarde Roland Kaiser auf, so wie in diesem Jahr.

Das passt in die eher konservative Ausrichtung. Die Historie spricht für das Unternehmen:

Bereits 1998 begab PCC die erste Anleihe, aktuell befinden sich zehn Anleihen (und darüber hinaus auch noch ein Genussschein) im Umlauf. Bisher wurden sämtliche Anleihen nach Ende der Laufzeit vollständig an die Investoren zurückbezahlt.

Nochmal kurz zur Erklärung am Beispiel der neuesten Anleihe: Diese hat einen Gesamtnennwert von 20 Millionen Euro, eingeteilt in 20.000 auf den Inhaber lautende Teilschuldverschreibungen im Nennwert von je 1.000 Euro. Mindestanlage sind 5.000 Euro.

Für Neulinge: Wenn Sie eine solche Schuldverschreibung zeichnen, werden Sie Gläubiger des Unternehmens. Sie springen dabei quasi an Stelle der Bank als Kreditgeber ein. Im Gegensatz zu Aktien, wo Sie beim Kauf Miteigentümer des Unternehmens werden (Eigenkapitalgeber), sind Sie bei Anleihen Fremdkapitalgeber.

Dafür bekommen Sie quasi als Entschädigung einen vorher festgelegten Zins, der bei der neuen Anleihe bei 7,25 Prozent per anno liegt. Sie wissen also genau, wieviel Ertrag ihr Investment abwirft, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens.

Risiken der Anlage

Der Vorteil einer solchen Anlage gegenüber einer festverzinslichen Anlage ist offensichtlich: Sie bekommen wesentlich mehr Rendite. Die Anleihe läuft bis 01.07.2016, also rund vier Jahre. Die Zinszahlung erfolgt vierteljährlich, so dass sie durch den Zinseszinseffekt effektiv sogar noch eine leicht höhere Jahresrendite als die 7,25 Prozent erzielen können.

Aus 10.000 Euro werden so bis 2016 (ohne Zinseszinseffekt) immerhin 13.231 Euro. Lassen Sie ihr Geld mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 1,5 Prozent auf dem Tagesgeldkonto liegen, werden es nur magere 10.614 Euro.

Allerdings ist die Anlage in eine PCC-Anleihe natürlich nicht ohne Risiko. Das Unternehmen arbeitet mit einem relativ hohen Fremdkapitaleinsatz. 115 Millionen Euro Eigenkapital standen Ende 2011 Verbindlichkeiten von 320 Millionen Euro gegenüber. Die Eigenkapitalquote lag bei 29,8 Prozent. Das ist historisch betrachtet für PCC-Verhältnisse solide (d.h. das Unternehmen steht aktuell relativ gut da), kann sich aber auch schnell mal ändern.

Als es 2006 und 2007 nicht so gut lief, sank die Eigenkapitalquote auf bedenklich niedrige 16,3 beziehungsweise 12,7 Prozent. Das sind Niveaus, wo Investoren dann schon etwas unruhig werden und wo nicht mehr viel schief laufen darf, um eine Überschuldung zu vermeiden. Das PCC-Schiff segelt immer hart am Wind. Preussner ist ein Vollblutunternehmer, der immer wieder bewusst ins Risiko geht, um hohe Renditen zu erwirtschaften.

Im Chemiesektor werden aktuell vier neue Anlagen gebaut und zwei bestehende Anlagen ausgebaut. Im Energiebereich sind mehrere Kleinwasserkraftwerke in Bosnien-Herzegowina, Bulgarien und Mazedonien geplant. Bei der polnischen Intermodaltochter schließlich sind neue Kombiverkehrsterminals geplant.

Wer die PCC-Anleihen zeichnet oder an der Börse kauft, muss sich also bewusst sein, dass er hier nicht in einen Selbstläufer investiert, wo die Cash-Flows quasi automatisch sprudeln. Hier kann es immer wieder zu Komplikationen kommen. Bei der Handelsgesellschaft, dem alten Kerngeschäft von PCC, konnten im Februar 2012 Lieferungen aus Russland, der Ukraine und Polen beispielsweise nicht rechtzeitig beziehungsweise vollständig ausgeführt werden. Auf Grund eines plötzlichen und extremen Kälteeinbruchs war die Ware in den Kesselwagen zum Teil eingefroren.

Bisher gelang es PCC immer gut, Schwierigkeiten im einen durch gute Ergebnisse im anderen Segment auszugleichen. Zugleich wurden neue Anleiheemissionen zur Kapitalzuführung immer recht problemlos bei Investoren platziert. Hier ist es von Vorteil, dass man über viele treue Investoren verfügt, die schon lange dabei sind und bisher immer gute Erfahrungen gemacht haben.

Was wäre, wenn...

Die Frage ist: Was passiert, wenn das Unternehmen in echte Schwierigkeiten kommen sollte und die Platzierung einer Folgeanleihe nicht mehr oder nur zu wesentlich höheren Zinsen gelingen könnte? Dann könnte das Unternehmens-Konglomerat auch schnell mal ins Wanken kommen. Das Eigenkapitalpolster ist zur Abfederung von Schwierigkeiten nicht allzu dick. Das ist eindeutig die Achillesferse des Geschäftsmodells.

Andererseits hat PCC die Möglichkeit, die Eigenkapitalquote bis zu einem gewissen Grad durch Desinvestitionen und Investitionen zu steuern. So schrumpften die Umsätze beispielsweise durch Beteiligungsverkäufe von 2008 auf 2009 von 913 auf 652 Millionen Euro. Gleichzeitig erholte sich so die wirtschaftliche Eigenkapitalquote aber wieder auf 43,8 Prozent.

Einige potentielle Investoren empfinden es auch als Nachteil, dass PCC nicht an der Börse notiert. So gibt es keinen aktuellen Aktienkurs, den man als Indikator für die aktuelle Verfassung des Unternehmens heranziehen könnte. Inzwischen wird immerhin die Transporttochter PCC Intermodal an der Warschauer Wertpapierbörse gehandelt.

Potentielle Anleihekäufer sollten auch Bedenken, dass am deutschen Aktienmarkt einige Blue Chips aus dem Industriesektor mit einer hohen Dividendenrendite aufwarten. Bei Siemens und BASF winken aktuell immerhin 4,5 Prozent. Bei der Deutschen Telekom liegt die Dividendenrendite sogar bei 7,7 Prozent bei einer gleichzeitig in den vergangenen Jahren relativ geringen Schwankungsbreite des Aktienkurses. Anleger haben hier den Vorteil, dass sie die Aktien jederzeit kaufen und verkaufen können.

Das ist theoretisch zwar auch bei den PCC-Anleihen möglich, die aber bei weitem nicht so liquide sind. Die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs (Spread) kann beim Börsenhandel via Frankfurt schnell sehr hoch werden, was somit beträchtliche Renditeeinbußen zur Folge haben kann.

Anleger sollten also, wenn möglich, die Papiere direkt bei der Emission zeichnen und möglichst bis zum Ende der Laufzeit halten.

Fazit: PCC geht seinen eigenen Weg und profitiert vom Know-how, dem Netzwerk und dem Unternehmergeist des Gründers Waldemar Preussner. Viele Anleger, die keine Lust mehr auf die Machenschaften vieler Banken oder unseriöse börsennotierte Unternehmen haben oder einfach eine attraktive Rendite bei begrenztem Risiko suchen, finden mit den PCC-Anleihen eine interessante Anlagealternative.

Die Jahresrendite von 7,25 Prozent geht aus meiner Sicht im Verhältnis zu den Risiken in Ordnung. Diese Risiken sollten Anleger allerdings nicht außer Acht lassen. PCC operiert mit hohem Fremdkapitaleinsatz. Zudem ist man darauf angewiesen, konstant Folgeanleihen am Markt platzieren zu können, da das operative Geschäft nicht genug Cash-Flow abwirft. Die Gewinnmargen sind relativ dünn.

Interessante Anlagealternative für Anleger, die eine gewisse Risikotoleranz mitbringen.

Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Report.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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