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Zeit zum Einstieg?

Dienstag, 24. Juli 2012 um 10:05

Von Armin Brack

Es ist die große Lokomotive der Weltkonjunktur: China hat in den vergangenen Jahren die Weltwirtschaft fast im Alleingang aus der Krise gerettet. Doch jetzt kühlt die Konjunktur im Reich der Mitte immer mehr ab und zeigt sich so schwach wie zuletzt Anfang 2009. Um 7,6 Prozent kletterte Chinas Wirtschaft im 2. Quartal 2012 (1. Quartal: 8,1 Prozent). Das sechste Quartal hintereinander mit rückgehenden Wachstumszahlen.

Folge einer gesunkenen Nachfrage nach „Made in China“ im überschuldeten Europa, einer Stagnation des heimischen Immobilienmarktes, Überkapazitäten in einigen Sektoren und der Konsumzurückhaltung der Bevölkerung. Erstmals unterschreitet das gigantische Entwicklungsland damit wieder die zur Beschäftigung seiner mehr als 1,3 Milliarden Menschen wichtige Acht-Prozent-Marke.

Kein Grund zur Panik

Aber ist das gleich ein Anlass zur Panik? Lassen wir die Kirche im Dorf. 7,6 Prozent sind, mit anderen Regionen in der Welt verglichen, immer noch ein absoluter Traumwert. Russland und Indien kämpfen um 5 Prozent Wachstum, Brasilien kommt gerade mal auf 1,6 Prozent, ebenso wie die US-Wirtschaft.

Europa stellt sich sogar auf Negativwachstum ein. Chinas oberster Statistikchef Sheng Laiyun warb bei der Vorlage der neuen Zahlen darum auch um Zuversicht: „Ich selbst habe vollstes Vertrauen in unsere Wirtschaftsaussichten“ und in ein „stetiges Wachstum“ auch im zweiten Halbjahr 2012.

Nun muss man einem chinesischen Funktionär nicht jedes Wort abnehmen und wenn dieser um Vertrauen wirbt, indem er selbst Vertrauen vorgibt, dann sollte man doppelt vorsichtig sein. Auch den von Peking vorgelegten Zahlen kann man nicht einfach so trauen.

Sie werden im Zweifel geschönt, um die unangenehme Wahrheit eines stärkeren Einbruchs der Wirtschaft zu kaschieren. Dass jedoch die Daten aus den USA und Europa im Einklang mit den offiziellen chinesischen Zahlen stehen, erhöht den Wahrheitsgehalt und lässt den Schluss zu: Die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt wankt, doch sie fällt nicht. Jedenfalls noch nicht.

Gegen akute Absturzsorgen spricht beispielsweise die aktuelle Entwicklung der saisonbereinigten Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Demnach beschleunigte sich das Wachstumstempo im Frühjahr sogar wieder leicht: Nach einem Plus von 1,6 Prozent zu Jahresbeginn legte das BIP im zweiten Quartal um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu.

Auch die realen Einzelhandelsumsätze haben im Juni leicht zugelegt. Im verarbeitenden Gewerbe stieg die Produktion zum Vorjahr um 9,5 Prozent. Mehr als von Volkswirten erwartet, wenn auch erstmals unter der Zehn-Prozent-Marke.

Weitere Milliarden-Investitionen Pekings

Zudem handelt die Zentralregierung entschlossen, um eine harte konjunkturelle Landung zu vermeiden. Premier Wen Jiabao erklärte, dass es wichtiger sei, die Wirtschaft im Falle einer konjunkturellen Abschwächung mit weiteren Investitionen zu stützen, als die Rebalancierung – also eine weniger starke Exportorientierung als in der Vergangenheit – voranzutreiben.

Unter anderem wurden die Mindestreserveanforderungen für Banken nach unten geschraubt und erstmals seit vier Jahren die Zinsen bis Juni in zwei Schritten gesenkt. Noch lange nicht das Ende der Fahnenstange: China wird meines Erachtens den Geldhahn soweit aufdrehen wie es nötig ist, um sich gegen den Abschwung zu stemmen. Nicht zuletzt mit Blick auf den bevorstehenden Führungswechsel im Oktober, der sicherlich nicht in einem konjunkturellen Krisen-Umfeld stattfinden soll.

Peking interveniert jedoch keineswegs nur geldpolitisch: Die Zentralregierung zog die Genehmigung einiger Infrastrukturprojekte vor, um der lahmenden Industrie auf die Beine zu helfen. Vor allem die Stahlbranche, die mit Gewinneinbußen zu kämpfen hat, wird gestützt. Das spiegelt sich in den Anlageinvestitionen, die im Juni um geschätzt 1,8 Prozent zum Vormonat zulegten. Für eine stärkere Investitionsentwicklung spricht auch die spürbare Belebung der Kreditvergabe im Juni.

Deutsche Unternehmen gut aufgestellt

Noch profitiert die deutsche Exportwirtschaft von den guten Beziehungen zu China. Im Jahr 2011 betrug das deutsch-chinesische Handelsvolumen 144 Milliarden Euro – nach aktuellen Kursen etwa 190 Milliarden Dollar. 2015 sollen es auch nach dem Willen der dortigen Regierung über 200 Milliarden Euro sein.

Von der Abkühlung der chinesischen Konjunktur ist bisher nichts zu spüren. Volkswagen konnte beispielsweise gerade ein Rekordergebnis verkünden. Im ersten Halbjahr 2012 hat der Konzern 1,3 Millionen Wagen und damit 17,2 Prozent mehr Autos als im Vergleichszeitraum 2011 verkauft, darunter 982.600 Pkw der Marke VW, 193.900 Audi und 120.700 Skoda.

Auch BMW treibt sein Engagement in China voran. Die Marke ist bei wohlhabenden Chinesen begehrt. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres verkauften die Münchener in China fast 160.000 Fahrzeuge, was einem Zuwachs von 31 Prozent entspricht.

Daimler fällt im wichtigsten Automarkt der Welt etwas ab. In der ersten Jahreshälfte verkaufte Daimler zwar 8 Prozent mehr Autos in China. Aber das waren gerade einmal 99.400 Stück, also nur halb so viele wie beispielsweise Audi. Doch man bleibt optimistisch bei den Schwaben: Der Ausbau der Produktion in China ist geplant. Schon 2013 soll ein Motorenwerk dazukommen, bis 2015 will Mercedes 200.000 Fahrzeuge im Jahr in China fertigen können.

Neben der Autoindustrie setzt der Maschinenbau große Hoffnungen in eine weiter prosperierende Entwicklung in China. Das Reich der Mitte war im vergangenen Jahr mit Lieferungen von 18,9 Milliarden Euro Exportland Nummer eins. Für 2012 wird mit einem zweistelligen Plus gerechnet.

Gefragt sind derzeit vor allem Werkzeugmaschinen, Antriebstechnik, Druck- und Papieranlagen, Fördertechnik und Textilmaschinen. Wegen der hohen Nachfrage sieht die Branche, zu der neben Mittelständlern Konzerne wie ThyssenKrupp, Gildemeister und Gea gehören, ihre Position gefestigt.

Auch Siemens scheint es jedes Jahr spielend zu gelingen, zweistellige Wachstumsraten in China zu erzielen.

Doch wie lange noch? Peking hat hohe Ziele: Das quantitative Wachstum soll einem qualitativen Wachstum weichen.

Das bedeutet: Das Land will Milliarden in Forschung und Entwicklung investieren, um künftig Hightech-Produkte zu liefern und in einigen Bereichen Weltmarktführer zu werden. Umgerechnet 1,2 Billionen Euro sollen in sieben verschiedene Bereiche, darunter umweltfreundliche Fahrzeuge, neue Materialien und Energieeffizienz fließen.

Dies wird letztlich auch die deutschen Schlüsselindustrien beziehungsweise die in China engagierten schwer treffen. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber eine reale Bedrohung. Weitaus realer als der nahende Absturz der chinesischen Konjunktur.

Fazit: Chinas Wirtschaft wird umgebaut. Die Zeit des grenzenlosen, „rücksichtslosen“ Wachstums ist definitiv vorbei. Die Chinesen selbst haben das auch längst erkannt: Premier Wen Jiabao reduzierte bei der Vorstellung des Fünfjahresplans 2011 bis 2015 das Tempo des chinesischen Wachstums von acht auf durchschnittlich 7,5 Prozent.

Das heißt jetzt aber nicht, dass China sofort als Motor der Weltkonjunktur ausfällt. Allerdings wird China allein größere ökonomische Verwerfungen beispielsweise durch eine sich weiter ausbreitende Schuldenkrise in Europa nicht kompensieren können.

Die Führung in Peking versucht derzeit zweierlei: Das Wirtschaftswachstum auf einem möglichst hohen Niveau zu halten, weil sonst nicht ausreichend Arbeitsplätze geschaffen, soziale Spannungen und andere Probleme bewältigt werden können. Parallel dazu soll die heimische Industrielandschaft weiter entwickelt werden, um sie fit zu machen für den Angriff auf die internationalen Konzerne (auch die deutschen), die derzeit im Land gute Geschäfte machen. Einseitige Geschäfte, wie die Chinesen meinen.

In naher Zukunft rechne ich mit weiteren Zinsschritten der People's Bank of China (PBC). Aktuell beträgt der Leitzins für Ausleihungen von einem Jahr 6,0 Prozent. Die chinesische Zentralbank hat also noch viel Spielraum nach unten – ganz im Gegensatz zur EZB und FED: Im Euroraum wurden die Zinsen jüngst auf 0,75 Prozent herabgesetzt, in den USA dümpeln sie seit einer gefühlten Ewigkeit bei 0,0 bis 0,25 Prozent.

Besonders wichtig ist für Peking, den überhitzten Immobilienmarkt in den Griff zu bekommen. Trotz der Lockerung der Geldpolitik müssen die Vorschriften für Kredite und unterschiedliche Zinsen für Immobilienprojekte streng eingehalten werden. Gelingt dies, sollte das Wirtschaftswachstum in China in der zweiten Jahreshälfte wieder auf mehr als 8 Prozent klettern.

Wer antizyklisch in Chinas Wachstumsunternehmen investieren möchte, dem empfehlen wir das China Domestic Growth Basket der UBS (WKN UU1ENZ; ISIN CH0184337795). Nähere Infos hierzu erhalten Sie im Geldanlage-Report vom 12. Mai 2012.

Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Report.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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