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Die Wutökonomen

Mittwoch, 18. Juli 2012 um 13:17

Von Thomas Grüner
Die Fortdauer der Eurokrise ist eine zähe Belastungsprobe für das Nervenkostüm aller Beteiligten. Die aktuellen Beschlüsse des EU-Gipfels hin zu einer europäischen Bankenunion haben für eine deutliche Reaktion aus den Reihen der Ökonomen gesorgt. In einem offenen Brief hatten deutschsprachige Wirtschaftsökonomen – darunter Ifo-Chef Hans-Werner Sinn als prominentester Vertreter – die EU-Gipfelbeschlüsse als falsch bezeichnet und vor nicht zu kontrollierenden Risiken für den deutschen Steuerzahler gewarnt. In der Folge entwickelte sich eine hitzige Debatte zwischen den einzelnen Strömungen der Ökonomen und Politikern. Die verschiedenen Lager sind tief gespalten und ein regelrechter Glaubenskrieg ist voll entbrannt. Die Nerven liegen blank.

Kritik aus eigenem Lager

Das ursprüngliche Ziel dieses Aufrufs war es sicherlich, das Volk in gewissem Sinne wachzurütteln und an demokratische Grundsätze zu erinnern. So manchem Bürger werden die Ökonomen aus der Seele gesprochen haben. Die unnötige Dramatisierung und Überzeichnung sorgt jedoch für einen bitteren Beigeschmack und entlarvt die eigentlichen Motive. Selbstdarstellung war Trumpf. Die Kritik aus dem Lager anders argumentierender Ökonomen ist massiv und größtenteils nachvollziehbar.

Die Gegenposition – angeführt vom ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup – bemängelt, dass der Aufruf in erster Linie zur weiteren Verunsicherung des Volkes beiträgt und die Äußerungen in Form und Ausführung eines Wirtschaftswissenschaftlers unwürdig sind: Zu populistisch, die Argumentation fragwürdig, Auslassung wichtiger Fakten. Im Gipfelbeschluss sei lediglich von der Möglichkeit der Rekapitalisierung der Banken die Rede – geknüpft an angemessene Auflagen – und keinesfalls von einer kollektiven Haftung für die Schulden der Banken des Eurosystems.

Die Emotionen kochen hoch und sind im Sinne einer zeitnahen Lösung grundsätzlicher Probleme keinesfalls zielführend. Auch im Kreise renommierter Ökonomen aus dem Ausland stößt der Aufruf auf wenig Gegenliebe. Es fehle an jeglicher Art von Pragmatismus, der gerade bei Wissenschaftlern wünschenswert wäre – konstruktive Lösungsvorschläge sind ebenfalls nicht vorhanden. Nur dagegen zu sein ist eben keine Lösung. Die Wirtschaftswissenschaftler begreifen die Welt zunehmend als Testlabor für ihre völlig konträren Ansätze. Die Menschen und ihre Interessen werden dabei völlig vergessen.

Einfache Antworten gibt es nicht

Eine Beibehaltung des Euro ohne Zugeständnisse in Richtung Bankenunion ist ein Irrglaube – so lässt sich der Tenor der internationalen Ökonomen treffend zusammenfassen. Die beiden Hauptprobleme der Europäischen Krise – Staatsverschuldung und unterkapitalisierte Banken – im Kern zu bekämpfen, ist beileibe keine einfache Aufgabe und erfordert bei einer derartigen Meinungsvielfalt ohne Zweifel Kompromisse. Dass es jedoch möglich ist, eine Rekapitalisierung der Banken durchzuführen, ohne die Allgemeinheit zu belasten, haben die USA im Herbst 2008 mit dem Rettungsprogramm TARP bereits bewiesen.

Fazit: Die Riege der renommierten Ökonomen hat es nicht geschafft, den nötigen Pragmatismus zu wahren. Wohl dem, der in dieser Situation einen kühlen Kopf bewahren kann. Die Wutökonomen haben sich in diesen Tagen disqualifiziert und man kann – im Sinne aller Beteiligten – froh sein, dass diese Theoretiker nicht die jetzt anstehenden Entscheidungen zu treffen haben. Unser Land und die Zukunft unserer Kinder sind zu wertvoll, um als Testlabor der Wutökonomen missbraucht zu werden.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per eMail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter
www.gruener-fisher.de

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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