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Versicherungs-Aktien unter der Lupe

Dienstag, 10. Juli 2012 um 10:17

Von Armin Brack

Vor gut einem Jahr warnte ich davor, dass angesichts fehlender Anlage-Alternativen die deutschen Versicherer in der Zinsfalle stecken und sowohl Kunden als auch Anleger ihnen davon laufen. Vor allem die Lebensversicherer waren betroffen und sind es immer noch, denn seitdem ist keine Trendwende erkennbar.

Im Gegenteil: Die Zinsen sind weiter gefallen – die Europäische Zentralbank hat am vergangenen Donnerstag ihren Leitzins von 1,00 auf 0,75 Prozent gesenkt – für Allianz & Co. wird es zunehmend schwieriger, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Bei einem als „risikolos“ definierten Zins von 1,5 Prozent, gemessen an der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, kann aktuell noch nicht einmal der gesetzlich festgelegte Garantiezins von derzeit 1,75 Prozent erzielt werden. Von einer darüber hinaus gehenden attraktiven Überschussbeteiligung, stets ein zentrales Wettbewerbskriterium in der Branche, muss man da gar nicht erst reden.

Ein Blick zurück zeigt, wie rasant die Talfahrt an den Zinsmärkten in den vergangenen gut zwei Jahrzehnten war. 1990 lagen die langfristigen Zinsen in Deutschland bei etwa 8 Prozent. Zehn Jahre später hat sich das Zinsniveau auf 4 Prozent halbiert. Und heute werfen zehnjährige Staatsanleihen nur noch gut 1 Prozent Zinsen ab.

Sinkende Verzinsung der Policen

Die Kunden bekommen das schon jetzt zu spüren. Seit Jahren sinkt die Verzinsung ihrer Policen. In diesem Jahr liegt sie bei 3,87 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 schrieben die Versicherer ihren Kunden noch 7,15 Prozent als Überschussbeteiligung gut.

Wer ab jetzt 30 Jahre jährlich 1.200 Euro (also insgesamt 36.000 Euro) in eine Lebensversicherung einzahlt, kann im Marktdurchschnitt – auf Basis der aktuellen Überschussbeteiligung – am Ende mit einer Auszahlung von 64.375 Euro rechnen. Das sind rund 38 Prozent weniger im Vergleich zu einem identischen Vertrag, der bereits im Jahr 2002 zur Auszahlung kam.

Und die Probleme werden größer statt kleiner: Die Politik der kriseninduzierten und politisch gewollten Niedrigzinsen geht weltweit in eine neue Runde. Die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (und das damit verbundene anhaltende Niedrigzinsumfeld) macht der Branche deutlich zu schaffen, warnte GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen.

Immer mehr ältere, vergleichsweise hoch verzinste Papiere laufen aus, Neuanlagen werden aber fast immer niedriger verzinst. Das geht direkt an die Gewinne und an die Substanz. Dabei ist eigentlich noch Geld genug da.

Tatsache ist: An jedem Börsentag müssen die Lebensversicherer etwa 1 Milliarde Euro neu investieren. Das sind laufende Beitragseinnahmen und ausgelaufene Kapitalanlagen. Doch wohin mit den vielen Euro?

Zinsverfall überall

Deutsche Staatsanleihen bringen fast keine Zinsen mehr. Spanische und italienische Papiere sind mit hohen Ausfallrisiken behaftet. Bisher investiert die Assekuranz darum lieber in Pfandbriefe und Unternehmensanleihen, doch auch bei diesen Papieren zeigt sich der rapide Zinsverfall. Ein zehnjähriger Pfandbrief bringt gerade noch 2,25 Prozent Rendite.

Viele Versicherer beschreiten jetzt neue (alte) Wege: Aktien und Sachwerte, die eine höhere Rendite von bis zu 8 Prozent bringen, sollen jetzt die Lösung sein. Beispiele: Die Debeka investierte gerade 100 Millionen Euro in Solarparks und Windkraftanlagen. Der Hamburger Versicherer Signal Iduna will 2 bis 3 Prozent seiner 54 Milliarden Euro an Kapitalanlagen in Infrastrukturprojekte stecken.

Allianz hat sich an dem norwegischen Gastransportnetzwerk Gassled beteiligt und bereits stärker diversifiziert als die Konkurrenz: 20 Prozent der Anlagen sind keine Zinspapiere mehr. Die Münchener Rück, zu der der Versicherer Ergo Leben gehört, will mittelfristig 2,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien und 1,5 Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte stecken.

Andere Unternehmen wie die Alte Leipziger greifen seit kurzem wieder verstärkt zu Dividendenpapieren. Seit Jahresende 2011 hat der Konzern seine Aktienquote bereits von 0 auf 5 Prozent der Kapitalanlagen erhöht. In den kommenden Jahren soll sich die Quote verdoppeln – auf 10 Prozent.

Solvency II bremst Wachstum aus

Zusätzlich will die Alte Leipziger auch Immobilien aufkaufen. Der Lebensversicherer hält Kapitalanlagen im Wert von 16,4 Milliarden Euro. Andere Versicherer dürften dem Beispiel folgen. Die Aktienquote von Marktführer Allianz beträgt 7,2 Prozent, die von Münchener Rück 3,1 Prozent. Beide denken öffentlich über einen vorsichtigen Ausbau nach. Bis 2001 hatten die meisten Versicherer mehr als 20 Prozent ihrer Kapitalanlagen in Aktien, stiegen dann jedoch wegen der Krise am Markt aus.

Seither dümpelt die Quote branchenweit auch wegen der neuen Eigenkapitalrichtlinien Solvency II bei deutlich unter 5 Prozent. Laut Solvency II müssen Versicherer für Anlagen in Aktien weitere 40 Prozent der Anlagesumme als Eigenkapital vorhalten – bei Staatsanleihen wird kein Eigenkapital benötigt.

In einer aktuellen Sigma-Studie prognostiziert die Swiss Re, dass die Nachfrage nach Lebensversicherungen bis Ende 2012 verhalten bleibt. Besondere Risiken sieht die Swiss Re in der ungelösten Schuldenkrise in Europa. Sollte diese zu einer weiteren Bankenkrise führen, bestehe die große Gefahr, dass diese auf die Versicherungswirtschaft übergreife.

Insgesamt positiver wird das Nichtleben-Geschäft beurteilt. Während Deutschland (plus 1,2 Prozent), Frankreich (plus 1,8 Prozent) und Großbritannien (plus 1,4 Prozent) bei den Prämieneinnahmen leicht zulegen konnten, schrumpfte das Geschäft in Krisenländern wie Spanien (minus 3,4 Prozent) und Italien (minus 1,8 Prozent). Wesentlich dynamischer entwickelte sich das Prämienaufkommen im Nichtleben-Bereich in den Schwellenländern.

Trotz der geschilderten Zinsmisere: Noch lässt sich das Ruder herumreißen, denn die zuletzt erwirtschafteten Renditen auf die Kapitalanlagen der drei großen börsennotierten deutschen Versicherungsgesellschaften lesen sich gar nicht mal schlecht.

Marktführer Allianz, der Vermögenswerte im Gesamtvolumen von rund 475 Milliarden Euro verwaltet, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr immerhin eine Rendite auf das Gesamtportfolio von 4,2 Prozent erwirtschaftet, genau so viel wie in der Lebensversicherung. Ähnliche Renditen erwirtschaftete die Münchener Rück mit 4,3 Prozent.

Die Hannover Rück erzielte sogar glatt 5 Prozent auf seine Kapitalanlagen von rund 29 Milliarden Euro. Doch lange können die Versicherer dieses nicht mehr durchhalten und werden reagieren müssen. Eventuell wird das Garantiezinsmodell sogar ganz gekippt. Überlegungen gibt es schon. Ein neues Modell empfiehlt einen zweistufigen Höchstrechnungszins, der nach 15 Jahren neu festgelegt werden kann, ähnlich der Zinsfestsetzung für Hypotheken.

Bisher ist noch kein Versicherer darauf eingestiegen. Sie fürchten vermutlich nicht zu Unrecht, das ohnehin schwächelnde Geschäft damit weiter zu beeinträchtigen.

Fazit: Bisher kam die Branche noch relativ unbeschadet durch die jüngsten Finanzkrisen. Ob das aber so bleiben wird, ist keineswegs sicher. Denn die anhaltenden Niedrigzinsen beginnen an den Rücklagen der Versicherer zu nagen.

Zwar liegen die Solvabilitätsquoten – die Kennzahl für die Kapitalausstattung in der Branche – der größten 20 europäischen Versicherer noch immer bei mehr als dem Doppelten des geforderten Minimums. Doch ihre Quoten hätten laut Versicherungsaufsicht EIOPA „leicht zu sinken begonnen“.

Wenn die Regierungen in Europa daran scheitern, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen und dies die Konjunktur weiter so stark belastet wie bisher, leiden darunter zunächst kleinere, nationale Versicherer.

Wenn die Lage in Griechenland unsteuerbar wird beziehungsweise sich zu einer reinen Währungskrise auswächst und die Märkte erschüttert, sind auch die Großen der Branche betroffen. Zu ihnen gehören die deutsche Allianz, aber auch die französische AXA und die italienische Generali.

Solange die Finanzkrise nicht ausgestanden ist, rate ich, die Finger von den Assekuranz-Aktien zu lassen. Trotz der objektiv sehr niedrigen Bewertung.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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