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Nur ein Strohfeuer oder mehr?

Montag, 9. Juli 2012 um 08:04

Von Stefan Böhm
Der EU-Gipfel hat den Dampf aus dem „Druckkessel Eurokrise“ etwas abgelassen – das gestehen selbst die Skeptiker zu. Und daher kann sich der Blick an den Märkten nun wieder mehr auf die Konjunkturaussichten und auf die Geldpolitik richten. Viele hoffen darauf, dass die Notenbanken weitere Liquidität in die Märkte pumpen, um die Konjunktur zu stützen. Und auch das ließ die Kurse steigen. Die EZB lieferte am vergangenen Donnerstag die erwartete Leitzinssenkung auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent. Insgesamt reagierten die Börsen, besonders die in Südeuropa, aber doch enttäuscht: Es waren auch unkonventionelle Maßnahmen, Liquiditätsspritzen, erhofft worden. Zudem zeigte sich EZB-Chef Draghi hinsichtlich der Konjunkturaussichten ziemlich skeptisch. So oder so: Sie sollten die Möglichkeiten der Notenbanken nicht überschätzen!

Wenig Einfluss

Die Notenbanken haben tatsächlich kaum noch Möglichkeiten, die Konjunktur anzukurbeln. Immerhin können sie aber einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass das Vertrauen an die Märkte zurückkehrt und sich die Stimmung in der realen Wirtschaft nicht noch weiter verschlechtert. Denn immer noch ist es so: Auch wenn einige Teile Europas eine schwere Rezession erleben, global gesehen ist die Wirtschaftslage besser als die Stimmung. Die Konjunkturaussichten werden zu schlecht gesehen. Das zeigten zuletzt einige überraschend positive Konjunkturdaten aus China, Japan und den USA. Charttechnisch gesehen hat der Kursanstieg nach dem EU-Gipfel an vielen Börsen den Negativtrend durchbrochen, soviel ist sicher. Viele Indizes stiegen auf den höchsten Stand seit Anfang Mai. Das muss nicht der Beginn eines neuen Aufwärtstrends sein, aber es ist das Ende der scharfen Abwärtsbewegung, die noch Anfang Juni manche Aktienmärkte auf die Tiefs vom Herbst 2011 zu drücken drohte.

Auch der Dax hat durch den Kursanstieg nicht nur den Widerstand bei 6.435 Punkten, sondern auch den seit Ende März bestehenden kurzfristigen Abwärtstrend gebrochen. Das ist ein positives Zeichen und spricht für eine anhaltende Stabilisierung des Index. Vom Kursanstieg der vergangenen Tage profitierten im Dax neben den Finanzwerten vor allem die klassischen Dividendenpapiere wie die Versorger Eon und RWE sowie die Telekom. Konjunktursensible Aktien wie zum Beispiel BASF und BMW erholten sich zwar, bleiben aber immer noch auf gedrücktem Kursniveau.

Fazit: Die Chance auf eine weitere Kurserholung besteht zwar, denn Aktien sind trotz der Konjunkturschwäche günstig, doch dafür braucht es weitere positive Nachrichten. Doch die Eurokrise kann jederzeit zurück auf die Tagesordnung kommen.

Stefan Böhm ist Chefredakteur des DaxVestor.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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