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Die Bedeutung der Berichtssaison

Donnerstag, 18. August 2022 um 23:00

Von Thomas Grüner
Die US-Berichtssaison für das zweite Quartal neigt sich dem Ende zu und das Zahlenwerk der Unternehmen im Aktienindex S&P 500 liegt mehrheitlich vor. Rund drei Viertel der Unternehmen konnten die Gewinnerwartungen übertreffen, im Jahresvergleich stiegen die Gewinne um 6,7 Prozent an. Maßgeblich ist dieses Ergebnis auf den Energiesektor zurückzuführen, welcher einen Anstieg von 299 Prozent vermeldete. Ohne Energie verzeichneten die S&P 500-Gewinne einen Rückgang von 3,7 Prozent.

Wie immer gilt es zu beachten, dass aus rückwärtsgerichteten Zahlen keine unreflektierten Prognosen für die zukünftige Entwicklung der Märkte entstehen sollten. Aktienmärkte blicken in die Zukunft, die Zahlen folgen nach. Im Grunde sind die Gewinn- und Umsatzzahlen der US-Berichtssaison eine Bestätigung für die vorangegangene Entwicklung des S&P 500. Hier konnte der Energiesektor die anderen zehn Sektoren um Längen schlagen und selbst im krisenbehafteten zweiten Quartal eine positive Performance erzielen. Die Aktienmärkte haben frühzeitig die Auswirkungen der hohen Ölpreise auf die Gewinne im Energiesektor antizipiert.

Gewinne auch außerhalb des Energiesektors

Die Ergebnisse außerhalb des Energiesektors sollten ebenfalls differenziert betrachtet werden. Es ist nicht so, dass die Gewinne der Nicht-Energiesektoren durchweg gefallen sind und negativ überrascht haben. In fünf von zehn Sektoren stiegen die Gewinne an, negative Überraschungen konzentrierten sich vor allem auf Finanzwerte, zyklische Konsumgüter und Kommunikationsdienstleistungen. Und auch diese Unterkategorien sollten gründlich analysiert werden. Beispielsweise haben US-Finanzunternehmen aufgrund neuer Vorschriften zur Rechnungslegung Rückstellungen für Kreditausfälle gebildet, was sich negativ auf die Gewinne ausgewirkt hat. Dabei handelt es sich jedoch in erster Linie um Vorsichtsmaßnahmen – ob es tatsächlich zu Kreditausfällen kommt, ist fraglich. Löst sich diese Problematik auf, entstehen Chancen für nachgelagerte Gewinnsteigerungen im Finanzsektor. Aktuell ist die Belastung jedoch deutlich spürbar, ohne Finanzwerte würde das Gewinnwachstum im S&P 500 bei 14,2 Prozent im Jahresvergleich liegen.

Was zyklische Konsumgüter und Kommunikationsdienstleistungen betrifft, so ist es kein Geheimnis, dass verschiedene Kategorien aus diesen Sektoren an Dynamik verloren haben, als verschiedene Dienstleistungsbranchen wie Hotels, Restaurants und Freizeiteinrichtungen ihren normalen Betrieb nach der Pandemie wieder aufnehmen konnten.

Starke Umsätze

Ebenfalls bemerkenswert und entgegen der weit verbreiteten, durch Inflation und Energiepreise geschürten Rezessionsängste: Die Umsätze aller Sektoren stiegen im zweiten Quartal an. Der S&P 500 verzeichnete ein Umsatzwachstum von 13,6 Prozent im Jahresvergleich und selbst ohne den Energiesektor stiegen die Umsätze um 8,8 Prozent. Die Preisgestaltungsmacht der amerikanischen Unternehmen ist unterschiedlich stark ausgeprägt, doch wir sind der Meinung, dass dies ein Beweis für ihre allgemeine Widerstandsfähigkeit ist.

Fazit: Seit dem Tiefpunkt am 16. Juni im S&P 500 tendiert der Energiesektor leicht negativ, zyklische Konsumgüter und Technologie gehen dynamisch voran. Im Vergleich zur aktuellen Berichtssaison ein umgekehrtes Bild! Für die Entwicklung der Aktienmärkte ist es eben entscheidend, wie sich die zukünftigen Gewinne im Verhältnis zur Erwartungshaltung entwickeln. Und wenn die Latte nicht besonders hoch angesetzt wird, entsteht mehr Raum für positive Überraschungen.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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