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Mit Selbstkritik zum Erfolg

Donnerstag, 7. Januar 2021 um 21:05

Von Thomas Grüner
Viele Anleger nutzen den Jahreswechsel, um das eigene Portfolio in der Rückschau zu bewerten. Dabei gilt es, hilfreiche Selbstreflektionen von typischen Fehlerquellen für zukünftige Anlageentscheidungen zu unterscheiden.

Tip 1 – Vergleichsgröße wählen

Hilfreich ist es, die eigene Rendite anhand eines vergleichbaren Marktindex zu bewerten. Welcher Index dazu geeignet ist – oder ob eine Kombination aus verschiedenen Indizes sinnvoller ist – hängt natürlich vom gewählten Anlagemix ab. Für globale Aktienportfolios bietet sich der marktbreite MSCI World als Vergleichsgröße an, im Anleihebereich existieren ebenso breit aufgestellte, global orientierte Indizes. Zeigt das eigene Portfolio eine deutlich bessere oder schlechtere Performance als die Vergleichsgröße, ist eine tiefergehende Analyse aufschlussreich. Häufig tritt der Fall auf, dass diese hohen Abweichungen durch erhöhtes Risiko entstehen, beispielsweise durch eine erhebliche Konzentration auf bestimmte Sektoren oder einzelne Unternehmen. Im Hinblick auf 2021 gilt es dann gegebenenfalls, ungewollt eingegangene Risiken zu minimieren.

Tip 2 – Überprüfen Sie Ihre Thesen

Überprüfen Sie, ob Ihre Investmentthesen zu Beginn des Jahres 2020 richtig waren. Sind die Resultate im Portfolio im Einklang mit Ihrer Erwartungshaltung für 2020? Was hierbei besonders wichtig ist: Waren die Gründe für Ihren Pessimismus oder Optimismus berechtigt? Diese Art der Selbstreflektion ist sehr hilfreich, um den eigenen Anlageprozess ständig zu verbessern und zukünftige Fehleinschätzungen zu reduzieren. Zu Beginn des Jahres 2020 konnte nicht vorhergesagt werden, dass eine pandemiebedingte Stillegung der Weltwirtschaft einen heftigen Einschlag an den Börsen erzwingen würde. Wie robust haben sich Ihre Investmentthesen behauptet? Negative Überraschungen sind ein fester Bestandteil des langfristigen Börsengeschehens, deshalb kann sich das Jahr 2020 als durchaus hilfreich erweisen, um den langfristigen Anlageprozess auf eventuelle Schwachstellen zu untersuchen.

Tip 3 – Vermeiden Sie emotionale Reaktionen

Sind Sie mit dem Verlauf Ihres Portfolios nicht zufrieden? Vermeiden Sie emotionale Reaktionen und hinterfragen Sie nicht alles auf einmal. Kein Investmentmanager, egal ob Profi oder Privatanleger, wird jedes einzelne Jahr eine glänzende Performance abliefern, relativ wie absolut betrachtet. Wichtig ist, dass Sie über einen rationalen Entscheidungsprozess verfügen und jeden Fehler zur Selbstreflektion nutzen. Konzentrieren Sie sich auf dieses übergeordnete Bild, denn die reine Analyse von Erfolgen und Misserfolgen kann schnell dazu führen, dass der Fokus auf die „Gewinner der Vergangenheit“ wandert und nicht wirklich ergründet wird, wo der Erfolg überhaupt herkommt. Gerade wenn Sie in Ihren komfortablen Ruhestand investieren wollen, sollten die Faktoren „Glück“ und „Zufall“ keine Rolle in Ihrem Portfolio spielen dürfen.

Fazit: Langfristig erfolgreiches Investieren läuft über einen permanenten Lernprozess, unabhängig von Ihren Vorkenntnissen. Der Aktienmarkt ist ein teurer Ort, um sich selbst kennenzulernen – verlieren Sie deshalb niemals Ihre Demut beim Investieren, nach schlechten wie nach guten Jahren. Um Selbstüberschätzung zu vermeiden, sollten Sie stets mehr über Ihre Fehler als über Ihre gelungenen Investments nachdenken. Dann erreichen Sie als gelungenes Endergebnis, dass Ihr eigener Investmentprozess frei von Glück und Zufall ist und Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Ihren Anlagezielen führt.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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