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Immer nur die besten Aktien haben?

Donnerstag, 10. Dezember 2020 um 17:39

Von Thomas Grüner
Sehr oft werde ich nach meinen Lieblings-Aktien gefragt? Meine Antwort dazu ist immer gleich: „Ich habe keine – und das sollten Sie auch nicht.“ Grundsätzlich gehört es zu den größten Anlegerfehlern „emotionale Beziehungen“ zu seinen Wertpapieren einzugehen. Zu oft und zu schnell verliert man dabei seinen objektiven Blick.

Autowerte als Beispiel

Viele Deutsche lieben ihre Autos – aber deren Hersteller sind in Ungnade gefallen. Abgasskandal und umweltpolitischer Gegenwind haben die deutschen Autobauer in die Krise gestürzt. Generell wurden die übergeordneten Aufwärtsphasen an der Börse in den vergangenen Jahren kaum von den deutschen Autokonzernen nachvollzogen. Wachstumsorientierte Werte mit hoher Marktkapitalisierung führen den Markt dagegen an. Die große Ausnahme dabei gilt als Wachstumswert und ist in aller Munde: Tesla!

Während sich die Automobilbranche im Wandel hin zur Elektromobilität und zum autonomen Fahren befindet, scheinen die deutschen Hersteller den Anschluss verloren zu haben. Die Corona-Krise verunsichert zusätzlich. Unsicherheiten durch diverse Handelskonflikte belasten ebenfalls. Tesla dagegen scheint sich diesem Trend zu widersetzen und gehört zu den Favoriten auch vieler deutscher Anleger. Ständig machen neue und immer höhere Kursziele die Runde. Droht hier Unheil oder sollte man hier investieren? Grundsätzlich falsche Frage!

Riesige Bewertungsunterschiede an der Börse

Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell rund 510 Milliarden Euro ist das Unternehmen aktuell mehr als zweieinhalb Mal so viel wert wie BMW, Daimler und VW zusammen. Der Weg in den Leitindex S&P 500 ist geebnet und das ambitionierte Ziel, 500.000 Fahrzeuge im Jahr 2020 auszuliefern, ist weiterhin in Reichweite. Zwar haben die drei deutschen Branchengrößen im Jahr 2019 mehr als 11 Millionen (!) Fahrzeuge verkauft, aber das genügt anscheinend nicht, um die Gunst der Anleger zu gewinnen. Kuriose Bewertungsrelationen sind derzeit zu beobachten: Eine normale Tagesschwankung der Tesla-Aktie entspricht aktuell dem kompletten Börsenwert von Porsche.

Die Börse spielt IMMER die Zukunft! Aber hier scheiden sich die Geister. Geht der Höhenflug von Tesla weiter oder schlägt das deutsche Auto-Imperium zurück? Auch ich weiß das natürlich nicht. Tesla polarisiert. In einem grundsätzlich eher skeptischen Börsenumfeld beweisen Anleger einmal mehr, dass sie in Einzelfällen nicht vor grenzenloser Euphorie zurückschrecken. Lassen Sie sich davon nicht anstecken.

Diversifikation ist Trumpf

Der Wandel in der Automobilbranche ist ein – vor allem im Autoland Deutschland - schwieriges Thema, das oft sehr emotional diskutiert wird. Um Tesla hat sich ein regelrechter Fan-Kult gebildet. Emotionen sollten stets außen vor bleiben. Immer dann, wenn einzelne Werte die Performance Ihres gesamten Portfolios zu sehr dominieren, sollten Sie nachprüfen: Unterliege ich einer emotionalen Falle und bin ich eventuell resistent gegen Warnsignale geworden? Mit einer globalen Orientierung und Diversifikation begeht man als Anleger nicht den Fehler, den Fokus auf wenige Einzelwerte zu legen – auch wenn sich das derzeit noch so richtig anfühlen mag.

Fazit: Freuen Sie sich über technischen Fortschritt und Innovationen auf breiter Front. Profitieren Sie davon und stellen Sie sich möglichst breit auf. Wetten auf spektakuläre Einzelwerte und zu hohe Gewichtungen im Depot verursachen fast immer einen hohen emotionalen Druck, der Sie zu Fehlentscheidungen verleitet. Vermeiden Sie das!

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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