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Ohne Aktienrückkäufe keine Erholung?

Mittwoch, 8. April 2020 um 20:26

Von Thomas Grüner
Wenn die Weltwirtschaft für einen gewissen Zeitraum zum Erliegen kommt und die Berichtssaison vor der Tür steht, ist die Marschroute für Unternehmen klar. Sie schlagen defensivere Töne an, um die Erwartungshaltung an kommende Zahlen zu dämpfen. Es dürfte klar sein, dass das breite Zahlenwerk in der Berichtssaison nicht viel Anlass zur Freude geben wird. Unternehmen überprüfen ihre Dividendenzahlungen und überdenken ihre Aktienrückkaufprogramme. Wenn Unternehmen keine eigenen Aktien mehr kaufen, vermeintlich eine Hauptquelle für die Nachfrageseite im Aktienmarkt, wie soll dann die Erholung aus dieser schwierigen Situation gelingen?

Nicht nur Unternehmen sind aktiv

Aktienrückkaufprogramme werden oftmals als wichtige und unersetzliche Stütze eines Bullenmarkts wahrgenommen. In einer Zusammenfassung des „Wall Street Journals“ heißt es: „Nach Analystenschätzungen haben Rückkaufprogramme seit Anfang 2009 dem US-Aktienmarkt 4 Billionen US-Dollar netto hinzugefügt. Die Beiträge aus allen anderen Quellen – einschließlich börsengehandelter Fonds, Käufer außerhalb der USA, Versicherungsgesellschaften, Investmentfonds, Brokern, Pensionen, Hedgefonds und Haushalten – wurden auf der Grundlage der vierteljährlichen Fed-Berichte zu den Mittelflüssen auf ungefähr Null saldiert.“ Wenn die Unternehmen also nicht selbst auf der Käuferseite in Erscheinung treten, wer tut es dann?

Allerdings betrug die Marktkapitalisierung des S&P 500 zum Jahresende 2008 etwa 7,9 Billionen US-Dollar. Zum Jahresende 2019 waren es 26,8 Billionen US-Dollar. Wenn der Marktwert des Index um fast 20 Billionen US-Dollar ansteigt, die Unternehmen jedoch nur 4 Billionen US-Dollar „beisteuern“, müssen offensichtlich noch andere Kräfte wirken. Zumal die Höhe der Aktienrückkäufe offensichtlich nicht die Index-Bewegung diktieren kann. In den Jahren 2009 und 2010 sanken die Rückkäufe auf ein Rekordtief, der S&P 500 legte trotzdem einen dynamischen Aufschwung hin. Im Jahr 2018 dagegen stehen rekordhohe Rückkäufe und ein negatives Aktienjahr zu Buche. Wie passt das zusammen?

Aktienbewegungen richtig interpretieren

Hinter den Bewegungen am Aktienmarkt steckt das Konzept von Angebot und Nachfrage. Es kommt vor allem auf die Bereitschaft der Käufer an, mehr für die zukünftigen Gewinne eines Unternehmens zu bezahlen. Für jede Transaktion braucht es zwei Seiten, Käufer und Verkäufer. Geld fließt hinein, Geld fließt hinaus – es regnet nicht vom Himmel auf die Aktienmärkte herab. Ein Marktteilnehmer könnte Cash abbauen und in die Aktienmärkte investieren. Diese Ressourcen könnten aber auch aus Anleihen stammen oder nur Umschichtungen aus anderen Aktien bedeuten.

Aktienrückkäufe haben sehr wohl einen Einfluss. Allerdings nicht auf der Nachfrageseite, sondern auf der Angebotsseite! Ein sinkendes Angebot ist in erster Linie gut für die Aktienmärkte. Andererseits ist es auch nicht so, dass Unternehmen hier radikal den eigenen Bestand reduzieren. Ein Großteil der Rückkäufe ist im Endeffekt nur ein Ausgleich für die Ausgabe neuer Aktien, die in den USA großflächig für die Mitarbeitervergütung Anwendung finden.

Fazit: Aktienrückkäufe können für Rückenwind sorgen, wenn es um die Erholung aus der aktuellen Krise geht. Nicht aber, weil sie für einen neuen Bullenmarkt unersetzlich wären, sondern weil sie auf der Angebotsseite positiv wirken. Die Preisbildung am Aktienmarkt läuft über Angebot und Nachfrage – und das haben die Unternehmen nun mal nicht selbst in der Hand.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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