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Extreme Meinungen sind meist teuer

Mittwoch, 27. November 2019 um 18:44

Von Thomas Grüner
Im täglichen Mediengetrommel bleiben vernünftige Anlageentscheidungen oft auf der Strecke. Entgehen Sie dieser bösen Anlegerfalle und halten Sie einen „emotionalen Abstand“ zum täglichen Marktgeschehen. Vorherrschende Meinungen verstellen Ihnen fast immer den Blick auf die wesentlichen Faktoren.

Teure Meinung Nummer 1: Akute Crashgefahr!

Die Aktienmärkte spielen völlig verrückt! Wir sind Zeuge eines einzigartigen Notenbankexperiments. Diese fluten seit Jahren die Märkte mit billigem Geld, manipulieren das Zinsniveau und treiben die Aktienkurse künstlich nach oben. Auch die Unternehmen selbst sind an dieser ungerechtfertigten Kurskosmetik beteiligt, indem sie den eigenen Kurs durch Aktienrückkäufe manipulieren. In Wirklichkeit ist es um die Weltwirtschaft extrem schlecht bestellt, zudem existieren politische Risiken von nie dagewesenem Ausmaß. Die Überschuldung der Staaten ist irreparabel, dementsprechend bricht das Kartenhaus irgendwann unweigerlich zusammen.

Teure Meinung Nummer 2: Börse ist ja einfach!

Aktienmärkte sind mittlerweile zum Selbstläufer geworden. Negativzinsen verschärfen den Anlagenotstand und treiben Marktteilnehmer in Aktien. Unter den börsennotierten Unternehmen befinden sich unangreifbare Cash-Maschinen und vor allem interessant sind die heißen Themen, die viele Anleger noch nicht auf dem Schirm haben. Wer schnell ist, macht fette Gewinne. Gute Chancen bieten „zukunftsweisende Märkte“ wie Cannabis, Wasserstoff und Blockchain. So maximiert man die Chancen auf eine kräftige Outperformance – denn der breite Markt steigt in diesem Umfeld ja sowieso.

Glauben Sie das wirklich?

Welche Meinung trifft eher Ihren Geschmack? Hoffentlich finden Sie sich in beiden Fällen nicht exakt wieder. Denn extreme Meinungen bergen nun mal extreme Risiken. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte. Genau deshalb ist eine rationale Standortbestimmung zum Jahresende 2019 wichtig.

Fakten schlagen Ihre Meinung

Treffen Sie ausschließlich faktenbasierte Anlageentscheidungen. Medien überzeichnen gerne, sprechen in Superlativen und wollen dadurch die emotionale Komponente Ihrer Leser aktivieren. Reduzieren Sie diesen Lärm auf die entscheidenden Fakten, die für Ihre Anlagestrategie ausschlaggebend sind. Darüber hinaus ist es essentiell wichtig, die mediale Berichterstattung im Hinblick auf den „Mehrwert“ für Ihre Geldanlage zu überprüfen. Das Ergebnis der vergangenen zehn Jahre dürfte erschreckend sein: Kaum Zuspruch für den laufenden Bullenmarkt, viel Schwarzseherei.

An den Aktienmärkten herrscht eine besondere Form der Normalität. Unzählige Male wurde in den vergangenen Jahren das Außergewöhnliche propagiert, von der Euro-Krise bis zum Handelskrieg. Unter dem Strich haben sich die Aktienmärkte aber „normal“ entwickelt und unbeirrt das globale Wirtschaftswachstum abgebildet. Zur Normalität gehört es leider auch, dass Anleger emotional anstrengende Phasen überstehen müssen – sonst wird das langfristig nix!

Fazit: Der Bullenmarkt ist unbeliebt – und wohl gerade deshalb so widerstandsfähig und robust. Allen kurzfristigen Stimmungsschwankungen, innerzyklischen Schwächephasen und sogar regionalen Bärenmärkten zum Trotz lebt er weiter. Und was die aktuelle Marktstimmung angeht: Es gilt, sich emotional in der „gesunden Mitte“ zu plazieren, sobald das sehr gute Jahr 2019 in die Bücher eingegangen ist. In der Lücke zwischen den Crash-Propheten und sorglosen Renditejägern war schon immer genug Platz für vernünftige und langfristig erfolgreiche Investoren.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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