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Panik als Renditekiller

Donnerstag, 18. Juli 2019 um 07:35

Von Thomas Grüner
Stellen Sie sich vor, Sie hätten vom 30. September 2018 bis zum 30. Juni 2019 das Geschehen an den Börsen komplett ignoriert und neun Monate später einen neugierigen Blick auf die globalen Aktienmärkte geworfen. Globale Aktien, gemessen am MSCI World Index inklusive Netto-Dividenden, legten in diesem Zeitraum 1,3 Prozent zu. Nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut – klingt eher nach Langeweile. Wer das Geschehen jedoch tagtäglich mitverfolgt hat, wird viel eher von einer heißen Phase sprechen.

Bis zur Weihnachtszeit fiel besagter MSCI World Index um 17,5 Prozent, der S&P 500 inklusive Dividenden sogar um 18,9 Prozent. Unzählige Experten äußerten in dieser Phase die Sorge, dass wir es mit einem waschechten Bärenmarkt zu tun haben könnten. Bekanntlich konnte die hervorragende Entwicklung im ersten Quartal 2019 den Spieß schnell wieder umdrehen, doch die Anlegerstimmung musste einiges erleiden – nicht zum ersten Mal im laufenden Bullenmarkt.

In der Ruhe liegt fast immer die Kraft

Zum einen zeigen die vergangenen neun Monate eindrucksvoll auf, dass die Wertentwicklung der unmittelbaren Vergangenheit keine Hinweise auf die Entwicklung der nahen Zukunft liefert. Stimmungsgetriebene Korrekturen verlaufen oftmals V-förmig und führen zahlreiche Anleger auf die falsche Fährte. Zum anderen wird deutlich, dass die mittel- oder langfristige Rendite der Aktienmärkte nicht das Problem ist. Wer sich einfach monatelang weigert, auf die Aktienkurse zu schauen, spart Zeit und Nerven. Der Weg selbst ist das Problem – auch wenn sich Anleger bewusst sind, dass die unangenehme Volatilität eben der Preis ist, den man für die hohen langfristigen Aktiengewinne bezahlen muss.

Das erste Quartal 2019 belohnte investierte Anleger für ihre Geduld im negativen Jahr 2018. Doch gerade als sich die Stimmungskurve wieder gefangen hatte, sorgte der schlechte Börsenmonat Mai für neue Misstöne: Globale Aktien fielen im Mai um 5,8 Prozent. Der schlechteste Mai seit 2010 und der zweitschlechteste seit 1962 – wieder flippten die Schlagzeilen aus, die Mittelabflüsse aus Aktien stiegen sprunghaft an. Inmitten dieser neuen Skepsis überzeugte der Börsenmonat Juni mit einem Zuwachs von 6,6 Prozent bei globalen Aktien.

Sind diese Schwankungen ungewöhnlich?

Das klingt nach einer wilden Fahrt, aber so ungewöhnlich waren die vergangenen neun Monate eigentlich gar nicht. Kurzfristig neigen Aktienmärkte zu hoher Volatilität, einzelne Monate können positiv oder negativ überraschen. Insbesondere in der reifen Phase eines Bullenmarkts entspricht dies der Normalität. Unter dem Strich kann man feststellen, dass es auch die vergangenen Monate nicht geschafft haben, die Anlegerstimmung merklich zu verbessern. Die Suche nach negativen Einflussfaktoren geht weiter, mit einem derartigen Fokus, dass die positiven Rahmenbedingungen auf globaler Ebene nur wenig zur Kenntnis genommen werden.

Fazit: Die vergangenen neun Monate verdeutlichen, wie schwierig es sein kann, in turbulenten Zeiten wie ein disziplinierter Investor aufzutreten. Wer bereit ist, in volatilen Phasen den Blick zu heben, vermeidet emotionale Fehlentscheidungen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, seine langfristig gesetzten Anlageziele zu erreichen. Dieser Bullenmarkt verfügt über ausreichend Kraft, um weiterhin positiv zu überraschen. Der besorgte Blick auf die Kurse von morgen ist aus diesem Blickwinkel nicht zielführend – das Gesamtergebnis zählt.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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