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Gute Daten, schlechte Daten

Donnerstag, 14. Februar 2019 um 08:42

Von Thomas Grüner
Mit einem Rückgang um 0,2 Prozent im vierten Quartal 2018 verzeichnete das italienische BIP den zweiten Rückgang in Folge. Mit dieser Nachricht gehen Ängste einher, dass die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wieder einmal eine Gefahr für die konjunkturelle Entwicklung des gesamten Währungsraums darstellt.

Schaut man genauer hin, sind sowohl überregionale als auch landesspezifische Gründe für den Rückgang verantwortlich. Fehlende Dynamik in China als globaler Einflussfaktor, neue Emissionsstandards als europäisches Problem Deutschland bekam dies durch seine Branchenschwerpunkte im Automobilsektor im dritten Quartal 2018 deutlich zu spüren und die italienische Zuliefererindustrie gleichermaßen. Zusätzlich belasteten die Kurskapriolen italienischer Staatsanleihen.

Wechselhafte Zinsen

Im September 2018 rentierten italienische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bei 2,8 Prozent, im Oktober stiegen sie auf 3,6 Prozent an. Der Streit mit der EU um die italienischen Haushaltspläne sorgte für umgehende Risikoaufschläge. Im historischen Vergleich stellt ein Zinsniveau von 3,6 Prozent keine schwindelerregende Höhe dar, dennoch veranlasste der rasche Zinsanstieg einige Investoren, eine abwartende Haltung einzunehmen. Vorübergehend sorgten höhere Zinsen für eine verringerte Kreditaufnahme und somit wurde die wirtschaftliche Entwicklung, welche maßgeblich von einer gesunden Kreditvergabe beeinflusst wird, temporär ausgebremst. Mit der Einigung im Haushaltsstreit kehrten die Zinsen auf ein niedrigeres Niveau zurück und die Unternehmen legten ihre Zurückhaltung schnell wieder ab. Diese neue Aktivität sollte sich in der nächsten BIP-Betrachtung positiv niederschlagen.

So schlecht sind die Daten nicht

Nur die italienischen Schwachstellen schaffen es in die Schlagzeilen aber es ist natürlich nicht alles schlecht. Stabile Konsumausgaben und ein guter Ausblick für überwiegende Teile des Dienstleistungssektors dem dominierenden Einflussfaktor im italienischen BIP legen keinen fortgeführten, substantiellen Abwärtstrend nahe. Es ist im Rahmen einer durchweg kritischen Berichterstattung allerdings üblich, den schädlichen Einfluss negativer Daten auf positive Bereiche zu vermuten.

Man kann den Spieß auch umdrehen: Große Teile der Eurozone wachsen und diese positive Dynamik kann auch auf das „schwache Glied“ Italien abfärben. Die europäischen Länder sind auf vielfältige Art und Weise wirtschaftlich vernetzt und die positiven Einflussfaktoren dominieren: Deutschland hat sich nach dem Rücksetzer im dritten Quartal 2018 schnell wieder stabilisiert, die Einkaufsmanagerindizes zeigen nach oben, das französische BIP hat positiv überrascht. Gerade im Hinblick auf die Stabilität der gesamten Eurozone wird deutlich, dass die guten Daten überwiegen und die Realität keine Probleme haben dürfte, die geringe Erwartungshaltung der Marktteilnehmer zu übertreffen.

Fazit: Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die italienische Wirtschaft im europäischen Vergleich über mehrere landesspezifische Probleme verfügt. Im Rahmen konjunktureller Durststrecken wird Italien immer besonders verwundbar bleiben. Wichtig ist an dieser Stelle, dass die Anzeichen für einen fortgeführten, substantiellen Abschwung nur spärlich gesät sind. Positive Daten überwiegen, auch wenn ihnen weniger Beachtung geschenkt wird als den schwachen Teilbereichen. Eine niedrige Erwartungshaltung lässt die Wahrscheinlichkeit für positive Überraschungen in 2019 definitiv ansteigen.

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Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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