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Was keiner beachtet

Donnerstag, 2. August 2018 um 10:55

Von Thomas Grüner
Der globale Bullenmarkt feierte bereits im März seinen neunten Geburtstag. Wer dauerhaft und breit diversifiziert am Aktienmarkt investiert war, kann nun, unabhängig davon, ob er im vorangegangenen Bärenmarkt möglicherweise viel Geld verloren hat, in jedem Fall auf stabile Gewinne in seinem Depot blicken.

Zur Gewohnheit ist jedoch nicht nur der Bullenmarkt geworden, sondern auch die Ankündigung von so genannten Marktexperten, die der Aufwärtsphase ein jähes Ende durch ein bestimmtes Ereignis, einen „Schicksalstag“ prophezeien. Hierbei wird dauerhaft und konsequent die laufende, aufwärtsgerichtete Marktentwicklung ignoriert, im Nachhinein jedoch keiner für seine düsteren Aussichten abgestraft. Der einzige Effekt: Das Sentiment leidet! Beispiele gefällig?

Wahlen, Referenda und Co.

Ob Wahlen in den Niederlanden und Frankreich mit Geert Wilders beziehungsweise Marie Le Pen 2017, Brexit-Votum im Jahr 2016, oder auch das griechische Referendum über das Verhandlungsergebnis mit der Troika im Jahr 2015, eines haben diese Ereignisse alle gemeinsam: Sie wurden im Vorfeld und teilweise sogar im Nachhinein noch zu Schicksalstagen für eine Fortsetzung des laufenden, globalen Bullenmarkts erklärt. Doch auch auf der anderen Seite des großen Teichs findet man schnell ähnliche Botschaften. Sei es der Regierungs-Shutdown der USA 2013 oder der Tag der Bonitäts-Abstufung der USA durch die Rating-Agentur Standard & Poors 2011 – die Ereignisse fallen alle in dasselbe Muster und zeitlich in die aktuelle Hausse.

Auch die Zentralbankpolitik rückt immer wieder in den Fokus. Nachdem jahrelang der Tag der Umkehr der Fed von der Niedrigzinspolitik befürchtet wurde, hat sich inzwischen, vor allem auf Grund der Marktentwicklung, die Ansicht durchgesetzt, dass eine restriktivere Zentralbankpolitik positiv für die Märkte sein wird. Trotzdem entstehen neue Ängste und jede weitere, angekündigte Zentralbankentscheidung wird zum Schicksalstag hochstilisiert. Zu schnelle Zinserhöhung für die Dollarverschuldung der Schwellenländer oder eine steigende, relative Attraktivität der Anlageklasse „Anleihen“ – Begründungen findet man immer.

Stimmung zerstört Rendite

Doch was ist das Ergebnis in der Realität? Wer sich immer von der Stimmung beeinflussen lässt, sein Depot gegen alle möglichen Risiken absichert und aussteigt, wenn die mediale Landschaft den „größten Crash aller Zeiten“ prophezeit, der wird niemals nachhaltig Geld an den Aktienmärkten verdienen. Der sentimentgetriebene Anleger erzeugt Kosten, verhindert den Zinseszinseffekt, kauft hoch und verkauft niedrig. Und wer verdient daran? Auf jeden Fall die Depotbanken, aber auch der Crashprophet profitiert durch hohe Klickzahlen und Abonnenten. Für die Vorhersage an sich muss er jedoch im Nachhinein nicht gerade stehen. Und wenn dann doch irgendwann eine Abwärtsbewegung entsteht, kann er auch noch mit der dann zufälligen „Richtigkeit“ seiner alten Prophezeiungen prahlen. Wer immer wieder den nächsten Bärenmarkt vorhersagt, wird irgendwann den Tag erleben, an dem er „Recht hatte“. Eine wunderbare Welt – nur für Anleger nicht!

Fazit: Crashpropheten haben wieder Konjunktur. Mit ihren Vorhersagen treffen sie in den seltensten Fällen den tatsächlichen Zusammenbruch. Das Ergebnis ist ein leidendes Sentiment, was wiederum dem Bullenmarkt die Möglichkeit gibt, weiter an der „Mauer der Angst“ emporzuklettern. Prüfen Sie stets diese so genannten „Schicksalstage“ auf ihre Auswirkungen. Denn erst wenn ein Ereignis in der Lage ist, das globale BIP um mehrere Billionen Euro zu erleichtern, wird das einen Bärenmarkt auslösen können.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist
Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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