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Schon wieder eine „Woche der Entscheidung“?

Donnerstag, 16. Mrz 2017 um 13:04

Von Thomas Grüner
Die aktuellen Schlagzeilen bleiben weiterhin politisch geprägt. In dieser Woche erhitzen die niederländischen Parlamentswahlen die Gemüter der Anleger. Wird der Rechtspopulist Geert Wilders wie erwartet eine starke Rolle spielen und europafeindliche Politik noch salonfähiger machen? Schließlich ist der Brexit bereits beschlossene Sache, in Frankreich und Deutschland wird in 2017 ebenfalls gewählt!

Keine Angst: Es wird keinen unmittelbaren politischen Umbruch in Europa geben. Eine Regierungsbildung unter Wilders erscheint kurz vor der Wahl als sehr unwahrscheinlich und so wird die eurokritische Partei PVV aller Voraussicht nach ihren Platz in der Opposition einnehmen. Allein schon die zerklüftete Parteienlandschaft in den Niederlanden spricht für schwierige Koalitionsverhandlungen und die Aussicht auf eine große politische Uneinigkeit in der gesamten Legislaturperiode. Für die Märkte gilt wie immer: Ein politisches Patt ist tendenziell positiv! Das von uns zu Beginn 2017 titulierte „Jahr der schwindenden Unsicherheit in Europa“ kann seinen Lauf nehmen.

Alter Bekannter

In den USA steht wieder einmal die Anhebung der Schuldenobergrenze an. Seit diese Schuldenobergrenze im Jahr 1917 in den USA eingeführt wurde, wurde sie in gewissem Sinne „automatisch“ an die Staatsverschuldung angepasst. Dementsprechend wurde sie in den vergangenen 100 Jahren auch rund 100 Mal angehoben. Wie groß das Medienecho ist, hängt stark von der wirtschaftlichen Situation und Marktstimmung ab. Während die letzte Erhöhung im März 2015 völlig geräuschlos über die Bühne ging, ist in kritischeren Marktphasen die Verunsicherung ungleich größer. Wie beispielsweise im Jahr 2011, als die europäische Schuldenkrise und die Bonitätsabstufung der USA dem Thema Staatsverschuldung eine enorme Brisanz verliehen haben.

Aktuell deuten die wirtschaftliche Stärke der USA und das niedrige Zinsniveau im Allgemeinen auf eine sehr gute Schuldentragfähigkeit der USA hin. Der politische Gegenwind, den Donald Trump verspürt, nährt jedoch die Sorge, dass die Anhebung nicht ganz so reibungslos wie im März 2015 über die Bühne gehen wird. Am Ende gilt es allerdings nüchtern festzuhalten: Die Staatsverschuldung diktiert die Schuldenobergrenze, nicht umgekehrt. Selbst ein erneuter „Government Shutdown“ sollte temporär bleiben, die Märkte würde dies nicht nachhaltig beeindrucken.

Für Anleger bleibt es empfehlenswert, das eigene Portfolio nachhaltig zu strukturieren. Vergessen Sie das „Trump-Portfolio“ und alle weiteren „situationsbedingten“ Investment-Ideen. Wer stets versucht ist, sich für den Augenblick „optimal“ aufzustellen, der verliert das wichtige Thema „Nachhaltigkeit“ zunehmend aus dem Fokus. Nach acht Jahren im laufenden Bullenmarkt ist es mehr als fraglich, ob eine Aneinanderreihung von „kurzfristig optimal aufgestellten Investments“ auch nur annähernd an die kumulierte Rendite des Gesamtmarkts herankommen würde. Denn vermeintlich optimal aufgestellte Portfolios orientieren sich sehr stark an den Ergebnissen der Vergangenheit und sind selten zukunftsgerichtet.

Fazit: Vergessen Sie das Mediengetöse von vermeintlichen „Wochen der Entscheidung“. Entscheidend ist auch nicht der laufende Monat oder sogar das laufende Jahr. Eine nachhaltige und strategische Vorgehensweise bleibt gefragt. Orientieren Sie sich nicht bevorzugt an tagesaktuellen Themen, ansonsten verlieren Sie das große und übergeordnete Bild aus den Augen.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Chief Investment Officer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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