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Albtraum Trump?

Donnerstag, 10. November 2016 um 10:24

Von Thomas Grüner
In einem bis zuletzt spannenden Wahlkampfrennen konnte sich Donald Trump letztendlich knapp gegen Hillary Clinton durchsetzen und wird ins Weiße Haus einziehen. Der Wahlzirkus ist zu Ende! Trump triumphiert, im demokratischen Lager herrscht ungläubige Bestürzung. Viele Anleger nehmen dieses Wahlergebnis im ersten Impuls mit großer Sorge zur Kenntnis. Von „Brexit 2.0“ und großen Verwerfungen für die Kapitalmärkte ist die Rede.

Wilde Sprünge kennzeichneten den Handelstag nach der Wahl. Der befürchtete große Knall blieb jedoch aus. Die Devise lautet: Keine Panik! Märkte bewegen sich vor allem, um Diskrepanzen zwischen Erwartungen und Realität auszugleichen. Trumps Kampagnen-Inhalte haben Anleger zwar teilweise das Fürchten gelehrt, allerdings kommen Wahlkampagnen nun mal selten in der Realität an. Sobald Trump weniger tut, als alle befürchten, werden die Märkte Erleichterung erfahren. Ein Präsident der Kategorie „nicht so schlimm wie befürchtet“ kann im Börsenjahr 2017 zum positiven Faktor werden.

Wird Donald Trump zum Diplomat?

Der US-Wahlkampf hat sich besonders in der heißen Endphase zu einer wahren Schlammschlacht entwickelt. Beide Kandidaten haben die Massen polarisiert. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit ist allerdings das Phänomen zu beachten, dass der Wahlkämpfer sofort eine diplomatischere Haltung einnimmt, sobald er tatsächlich gewählt wird. Viele Befürchtungen im Zusammenhang mit der Person Donald Trump können sich deshalb als unbegründet herausstellen. Erste Indizien: Bereits in seiner ersten Antrittsrede schlägt Trump tatsächlich gemäßigte Töne an und hat lobende Worte für seine Rivalin Clinton übrig – Worte, die der „Wahlkämpfer Trump“ nie geäußert hätte. Doch die Welt bleibt – vor allem in Deutschland – skeptisch.

Politisches Patt voraus

Da die Republikaner auch im Kongress eine starke Rolle spielen, erscheint es auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar, von einem fortgeführten politischen Patt zu sprechen. Allerdings ist im Fall Donald Trump eine besondere Art des sogenannten „Gridlocks“ zu beobachten: Eine innerparteiliche Pattsituation. Ein nicht unerheblicher Teil der republikanischen Kongressabgeordneten hat bereits im Vorfeld signalisiert, die Vorhaben Trumps mehrheitlich nicht zu unterstützen. Der ohnehin schon dünne Vorsprung der Republikaner steht somit auf äußerst wackligen Beinen. Trump wird viele Kompromisse eingehen müssen.

Für Anleger bleibt festzuhalten, dass die Bedeutung dieser Präsidentschaft für die übergeordnete Marktentwicklung nicht überschätzt werden sollte. Politische Treiber sind nicht der einzige Einflussfaktor für die Nachfrage nach Aktien. Zudem stellen die USA nur 25 Prozent des weltweiten BIP – Maßnahmen der US-Regierung wirken sich nicht unmittelbar auf die gesamte Weltwirtschaft aus. Wichtig ist zudem, dass der Handlungsspielraum des US-Präsidenten in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich überschätzt wird. Die Macht des Präsidenten Trump ist durch die Verfassung limitiert! Wie sämtliche US-Präsidenten vor ihm wird er sich im Laufe seiner Legislaturperiode in die politische Mitte bewegen, weil jeder US-Präsident nach seiner Wahl auch ein ganz persönliches neues Ziel verfolgt: Seine Wiederwahl.

Fazit: Der große Zirkus ist erst einmal vorüber, allerdings sollten Sie in der nächsten Zeit über volatile Märkte nicht überrascht sein. Die Skepsis gegenüber dem neuen Präsidenten ist extrem hoch. Für die Märkte gilt jedoch: Eine niedrige Erwartungshaltung ist nicht die schlechteste Grundvoraussetzung für eine nachhaltig positive Entwicklung.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per -Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Chief Investment Officer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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