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Deutsche Skandale sind besonders schlimm

Donnerstag, 12. November 2015 um 13:10

Von Thomas Grüner
Volkswagen gerät durch den Abgasskandal immer stärker unter Druck. Der wirtschaftliche Schaden ist milliardenschwer, der Imageschaden beträchtlich. Die Behörden in den USA – seit jeher nicht unbedingt als „Klimaretter“ bekannt – klagen den Übeltäter an. Feuer frei!

Nicht nur in der Wirtschaft hagelt es Skandale. Auch die WM-Vergabe 2006 nach Deutschland ist offensichtlich „unsauber“ verlaufen. Der Deutsche Fußball-Bund versinkt im Chaos – Niersbach verliert seinen Job, Beckenbauer seinen Nimbus als Lichtgestalt. Beobachter aus Russland und Katar dürften diese deutsche Selbstzerfleischung mit einer Mischung aus Erstaunen und purer Belustigung verfolgen.

Objektivität ist gefragt

Welche Lehren können Anleger aus diesen Skandalen ziehen? Zuerst einmal gilt es festzustellen, dass Medien gerne bereit sind, Objektivität gegen Aufmerksamkeit und Marktanteile zu tauschen. Für den langfristigen Anlageerfolg ist allerdings gerade diese Objektivität unverzichtbar. Es ist zwingend notwendig, Informationen nicht unreflektiert in Anlageentscheidungen umzuwandeln. Denn die riesige Flut an öffentlich zugänglichen Informationen wird nur dann zu einem echten Mehrwert, wenn sie kritisch hinterfragt und sorgfältig ausgewertet wird.

Tagesaktuelle Ereignisse müssen – jeder persönlichen Meinung zum Trotz – stets nüchtern betrachtet und relativiert werden. Beachten Sie die Fakten! Vor allem sollte man stets zwei oder drei Schritte weiter denken! Volkswagen und der DFB – sind das aktuell wirklich unsere größten Sorgen? Das klingt nach guten Zeiten. Weitere Beispiele? Im Jahr 2010 explodierte die BP-Ölbohrplattform „Deepwater Horizon“ und bescherte dem Golf von Mexiko eine gigantische Ölpest. 2011 sorgte die Nuklearkatastrophe von Fukushima für einen weltweiten Schockeffekt. Das interessiert aber seit Jahren kaum noch jemanden – selbst „hochkarätige“ Katastrophen besitzen eine erstaunlich geringe Halbwertszeit in den Medien und Köpfen der Menschen.

Böse Welt?

Lassen wir uns einmal auf das Spielchen ein und verzichten darauf, die aktuellen Schlagzeilen kritisch zu hinterfragen. Dann sieht es ganz schön düster aus! Durch den VW-Skandal wird das Gütesiegel „Made in Germany“ wertlos. Eine schwächelnde deutsche Konjunktur ist Gift für die Stabilität der Eurozone und der Zusammenbruch rückt näher. Parallel dazu knickt die Wirtschaft in den USA ein, sobald die Notenbank die Zinsen erhöht. Zudem wird die „Harte Landung“ in China zur baldigen Realität.

Wie sollte man sich als Investor in dieser „bösen Welt“ verhalten? Wegrennen! Den verschuldeten Staaten keinen Cent mehr leihen, das heißt keine Anleihen kaufen. Den Wirtschafts-Crash umgehen, das heißt keine Aktien. Den verlogenen Banken kein Geld mehr zur Verfügung stellen, das heißt kein Sparbuch und kein Festgeld. Immobilien? Nur Ärger mit Mietern, durch den Staat droht Zwangsbesteuerung bis zur Enteignung. Vergessen Sie die Flüchtlingskrise nicht! Gold und Silber? Manipuliert von den Big Playern am Markt. Geldbündel unter die Matratze legen? Hilft bei einer Währungsreform auch wenig. Wir stellen fest: Erfolgreich investieren ist ganz schön schwierig, wenn man Informationen nicht kritisch hinterfragt und jeder üblen Theorie und Meinung Glauben schenkt.

Fazit: Werden Informationen unreflektiert in Anlageentscheidungen umgewandelt, ist Ihr Vermögen in wirklicher Gefahr. Denn gerade in pessimistischen und skeptischen Phasen neigen die Märkte dazu, positiv zu überraschen. Nicht die Skandale von heute zählen, sondern der rationale, objektive Blick in die Zukunft. Genau hinschauen und hinterfragen lohnt sich!

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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