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Wird die Bankenregulierung zur Gefahr?

Donnerstag, 10. September 2015 um 13:20

Von Thomas Grüner
Die Finanzkrise vor sieben Jahren ist schon fast wieder vergessen. Die Lehman-Pleite im September 2008 nur noch ein böser Schatten der Vergangenheit. Doch deren Folgen holen die Märkte jetzt wieder ein. Der Ruf nach mehr Regulierung der „wildgewordenen“ Investmentbanken hat einige bedrohliche Fehlentwicklungen ausgelöst. Die Welt ist zu komplex für vordergründig einfache Rezepte.

Die Globalisierung hat die Finanzmärkte nachhaltig verändert. Besorgnis um das Weltwirtschaftswachstum, das in diesem und im nächsten Jahr wohl geringer ausfallen wird, als zunächst angenommen. Schwache Konjunkturdaten aus China und anderen Schwellenländer beunruhigen zunehmend die globalen Märkte. Auch die Zinswende in den USA droht. Die größere Bedrohung wird dabei übersehen.

Die Finanzwelt liegt unter Dauerbeschuss: Regulatorische Standards auf nationaler und internationaler Ebene, wie Basel III, Solvency II oder MiFID, verstärken diese Komplexität und schützen damit nicht vor Risiken oder erhöhter Volatilität. Die Grundidee mag plausibel klingen, aber die gute Absicht allein reicht nicht aus. Zwar sollen diese Regeln Banken, Finanz- und Versicherungsunternehmen vor allem durch striktere Eigenkapitalmaßnahmen für zukünftige Stressphasen besser vorbereiten, aber der komplexe regulatorische Aufwand legt vielen Banken Handschellen an. Ob es um Informationspflichten, Verbraucherschutz oder Risikomanagement geht – die Anforderungen an Banken sind enorm. Der böse Nebeneffekt: Der Kunde wird dabei zum Verlierer!

Böse Banken müssen an die Kette gelegt werden

Ich selbst stehe Banken sehr kritisch gegenüber, vermeintliche „Zockerbanken“ zur Ursache aller Börsenturbulenzen zu machen, ist jedoch grober Unfug! Eher das Gegenteil ist richtig. Regulatorische Vorschriften erschweren es Banken, Wertpapierbestände auf ihre eigenen Bilanzen zu nehmen, weshalb Regulierer solche Marktschwankungen – zwar ungewollt – womöglich selbst verschärft haben. Banken stellen nicht mehr genug Liquiditätspuffer bereit, um den Märkten in volatilen Phasen entgegenzuwirken. Wie Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen und Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon beide jüngst betonten, dürfe man Banken keine Handschellen anlegen und gleichzeitig erwarten, dass diese mit ihren eigenen Mitteln zur Hilfe schreiten, wenn es an den Märkten rau aussieht! Das ist wohl richtig.

Natürlich ist eine verstärkte Bankenregulierung nicht grundsätzlich schlecht – die Rettung der Banken darf künftig nicht mehr vom Steuerzahler abgefangen werden. Aber die Kreditvergabe als Kerngeschäft der Banken bleibt eben mit Risiken behaftet. Wenn solche Risiken nicht eingegangen werden, kann weder der private Konsum noch das unternehmerische Handeln gefördert werden. Erhöhte Kosten zur Umsetzung regulatorischer Vorschriften behindern das Geschäft. Überspitzt gesagt: Statt guter Berater stellen viele Banken nur noch Anwälte, Compliance-Experten und Controller ein. Die Kunden haben nichts davon.

Fazit: Zu viele Regeln schaden immer mehr als sie nützen. Während man über das Freistoß-Spray beim Fußball noch schmunzeln kann, stellt eine übertriebene Bankenregulierung die Finanzwelt vor komplexe Probleme. Ungewünschte Effekte drohen: Mehr Marktenge durch weniger Liquidität führt zu erhöhter Volatilität! Den freien Handel an Finanzmärkten einzuschränken, macht Kurssprünge größer und unberechenbarer. Die Erwartung immer neuer Regeln sorgt bei Banken und Anlegern für Zurückhaltung. Eine „regulatorische Pause“ käme Banken und der Realwirtschaft – und damit auch Ihnen – zugute!

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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