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„Das kann doch nicht seriös sein!“

Freitag, 24. April 2015 um 08:20

Von Thomas Grüner
Wir erleben derzeit eine kuriose Situation. Die globalen Aktienmärkte haben den sechsten Geburtstag des Bullenmarktes im März 2015 gefeiert. Eigentlich müssten deutsche Anleger auf hohen Kursgewinnen sitzen. Tun sie aber nur sehr selten. In unseren Depotchecks für Interessenten sehen wir nur sehr vereinzelt Positionen mit hohen Gewinnen. Unsere von meinem Unternehmen verwalteten Depots in der Vermögensverwaltung werden dabei von Neukunden und Interessenten fast schon als „unseriös“ angesehen. Reihenweise Aktienpositionen mit Kursgewinnen von mehr als 100 Prozent und viele Werte, die sich vermehrfacht haben. „Das geht nicht mit rechten Dingen zu!“ höre ich oft. Warum finden das nur so viele Anleger – angesichts der Rekordstände vieler Aktienindex – so utopisch und „zu schön um wahr zu sein“? Der globale MSCI World Index (einen geeigneteren Durchschnittsindex werden Sie kaum finden) hat seit dem Tief im Jahr 2009 – in Euro gerechnet – um 157 Prozent zugelegt.

Viele halten uns dabei – ob unserer guten Performance – für wilde Trader. „Kaum zu glauben.“ Da muss „mehr“ dahinterstecken. Ein erstklassiges Portfolio! Wertpapierpositionen, die sich verdoppelt haben. Einige sogar vervielfacht! Das riecht förmlich nach einem ausgeklügelten Trading-System. Eine überlegene Strategie, die auf der Basis zuverlässiger Trading-Signale mehrere Prozent Zuwachs pro Monat sichern kann. Und somit über Jahre hinweg exorbitante Gewinne garantiert. Klingt das noch seriös?

Falsch gedacht! Vergessen Sie alle diese System-Trader und kurzfristigen Zocker. Nachhaltig bringt das nur in den seltensten Ausnahmefällen den angestrebten Erfolg. Es liegt natürlich auch keine spekulative Trading-Strategie bei den verwalteten Portfolios von Grüner Fisher Investments zugrunde. Wir verstehen uns als Investoren im besten Sinne. Unsere Portfolios bestehen zumeist aus Wertpapieren, die oft über Jahre hinweg gehalten wurden. Wir folgen der simplen Regel, dass der Aktienmarkt trotz aller Höhen und Tiefen langfristig die renditestärkste Anlageklasse ist. Aber vor allem in Deutschland partizipieren nur Wenige. Denn die Mehrheit der Anleger schafft es emotional nicht, Aktien auch langfristig zu halten. Man glaubt viel lieber an die Illusion von schnellen Trading-Erfolgen! An das bereits beschriebene „Gewinn-System“.

Passend dazu: Die aktuellen Zahlen zur Eigentümerstruktur der Dax-Unternehmen erschrecken. Die überwiegende Mehrheit der größten deutschen Unternehmen befindet sich in ausländischer Hand. Tendenz seit Jahren steigend! In den USA würden bei einer ähnlichen Situation alle Alarmglocken schrillen. Für Amerikaner wäre alleine die Vorstellung unerträglich, dass ihre besten Unternehmen sich mehrheitlich im Eigentum von Ausländern befinden. In Deutschland wird dies nur am Rande diskutiert. Langfristig ein großes gesellschaftliches und politisches Problem. Unser Wohlstand basiert vor allem auf unseren erstklassigen Unternehmen. Diese gehören aber mehrheitlich nicht mehr den deutschen Anlegern. Dies begrenzt natürlich auch die Einflussnahme. Auch die Erträge fließen ins Ausland. Ein großer Schaden für unsere Volkswirtschaft!

Fehlersammlung

Warum akzeptieren deutsche Anleger diese simplen Zusammenhänge nicht? Warum funktioniert die langfristige Aktienanlage in der Praxis kaum? Warum gibt es keine „vernünftige Mitte“? Warum gibt es fast nur sehr spekulativ orientierte „Zocker“ oder völlig risikoscheue Sparbuch-Fans?

Die Gründe sind vielfältig und vor allem in der fehlenden Ausbildung und praktischer Erfahrung deutscher Anleger begründet. Man redet immer nur von den spektakulären Aktien-Crashs sowie Bärenmärkten und behält folgerichtig auch nur diese in Erinnerung. Der übergeordnete und langfristige Aufwärtstrend wird verdrängt und ignoriert. Ein seltsames Phänomen!

Auch die am Aktienmarkt agierenden deutschen Anleger verhalten sich oft kontraproduktiv. Intuitiv wird meist falsch und emotional gehandelt. In kritischen Phasen verleitet die Angst vor einem Crash zum Ausstieg. Oft propagierte Stop-Loss-Strategien verhindern zwangsläufig, dass Aktien langfristig gehalten werden – dazu ist die natürliche Schwankungsbreite einzelner Aktien einfach zu groß. Auf der anderen Seite ist der innere Drang, Gewinne zu realisieren, sehr stark. Warum nicht einfach prinzipiell 50 Prozent Gewinn bei einer Aktie mitnehmen? „Später kann man sie ja immer nochmal billiger zurück kaufen“ lautet der üble Denkfehler. „Sell high, buy low“ als Idealvorstellung, die in der Realität selten mit Erfolg angewendet wird.

In optimistischen Phasen lauert die nächste Gefahr: Es wird angenommen, dass der Markt ja ohnehin läuft. Anleger überschätzen sich und ihre Fähigkeiten und begeben sich auf die Suche nach einer spekulativen Zusatzrendite. Der Markt ist nicht genug – Aktionismus hilft! „Korrekturen ausklammern, Aufwärtsphasen voll mitnehmen“ ist das Motto dieser Illusion. Viele Aktien „überleben“ diesen Drang nach Aktivität nicht und fliegen in schöner Regelmäßigkeit zu – in Stop-Loss-Strategien per Definition – ungünstigen Zeitpunkten aus dem Portfolio. Emotionen schlagen den Verstand! Aktien langfristig zu halten scheint unabhängig von der Marktphase schwierig zu sein. Bei Anleihen funktioniert dies deutlich besser! Diese werden – auch wenn es nicht immer sinnvoll ist – disziplinierter bis zur Endfälligkeit gehalten. Hier lauert bereits die nächste Falle: Im aktuellen Nullzinsniveau wird das Kursrisiko von Anleihen mit langen Restlaufzeiten drastisch unterschätzt. Der derzeitig vorherrschende Irrglaube an die fortwährende Kurspflege der Notenbanken ist gefährlich!

Fehler, die nicht als solche wahrgenommen werden

In unseren Depotchecks finden wir selten ausgewogene Portfolios, die tatsächlich einer Strategie folgen, welche diesen Namen auch verdient. Meist werden die Depots aus den verschiedensten Aktientips, Börsennewslettern und Medienempfehlungen zusammengebastelt. Patchwork im negativen Sinn. Oft ist keinerlei übergeordnete Strategie zu erkennen. Viele Interessenten zucken auf die Frage nach Ihrer bisher verfolgten Strategie nur mit den Schultern. „Wertpapiere kaufen und verkaufen“ lautet oft die Antwort.

Dies führt zu vielfältigen Anlagefallen: Vor allem mangelnde Diversifikation ist dabei sehr gefährlich. Einzelaktien werden fast immer viel zu hoch gewichtet. „Lieblingsaktien“ sollten Sie dabei IMMER vermeiden. Gehen Sie keine „emotionalen Beziehungen“ mit Ihren Wertpapieren ein. Dies verhindert einen neutralen Blick. Gerne wird auch der deutsche Heimatmarkt überproportional bevorzugt. Man unterliegt auch hierbei der Illusion, sich mit den hiesigen Unternehmen besser auszukennen. Ein echter Wissensvorsprung ist jedoch – nüchtern betrachtet – nicht vorhanden.

Alles gängige Fehler, die in schwierigen Marktphasen zu empfindlichen Verlusten und unüberlegten Handlungen führen. Vor allem deutsche Anleger verzichten gerne auf eine globale Diversifikation. Begründet wird dies vor allem mit der ohnehin „globalen Ausrichtung“ vieler deutscher Konzerne. Aus historischen Studien wissen wir aber, dass diese Aktien – trotz ihrer globalen Aufstellung – verblüffend stark mit den Kursbewegungen ihres Heimatmarktes korrelieren. Der Trend zum Investieren in Indexfonds (ETFs) verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Aber im aktuellen Bullenmarkt ist ja vermeintlich alles gut! Der MDax läuft wie geschmiert, der Dax ebenso. Viele Aktien sind auf Allzeithoch. Ein großes Depot, das lediglich aus beispielsweise SAP, Volkswagen, Continental und BASF besteht? Gute Wahl! Der Erfolg wird dem eigenen Aktionismus, der vortrefflichen Auswahl und den eigenen Fähigkeiten zugeschrieben, nicht der grundlegend positiven Marktentwicklung und dem Faktor Zufall. Hüten Sie sich vor dieser Selbstüberschätzung!

Es fällt in dieser Phase kaum auf, dass die vielfältigen Trading- und Stop-Loss-Strategien tatsächlich überhaupt keinen Mehrwert bringen. Im allgemeinen Aufwärtstrend geht das unter. Wird man tatsächlich mal ausgestoppt, kann man die neue Investition überspitzt gesagt „frei wählen“, sie hat sich mit hoher Wahrscheinlichkeit gut entwickelt. Das gute Gefühl bleibt! Die Selbstüberschätzung verfestigt sich. Ein gefährliches Spiel, wenn der Wind dreht.

Verlieren Sie nie das „Big Picture“ aus den Augen

Immer wieder erleben wir in unserer täglichen Arbeit, dass einzelne Aspekte von Kunden oder Interessenten zu stark und einseitig in den Fokus ihres Interesses gerückt sind. Man sieht dabei oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Das erhöht grundsätzlich immer das Risiko und die Volatilität im Depot. Es werden beispielsweise Verluste gerne in Kauf genommen, um Steuern zu sparen. Man versucht gerne jede kleine Korrektur zu timen – meistens geht das schief. Zugunsten niedrigerer Handelsgebühren wird auf eine vernünftige Diversifikation verzichtet. Aus Angst vor Währungsschwankungen wird lediglich in Euro investiert. Man denkt gerne rückwärtsgewandt: Im Verlauf einer langfristig orientierten Strategie wird immer wieder die Benchmark gewechselt – man will immer im aktuell angesagtesten Markt überdurchschnittlich stark und rückblickend investiert gewesen sein.

„Was Sie hierher gebracht hat, wird Sie nicht weiter bringen“ lautet der Titel des lesenswerten Buches von Marshall Goldsmith, der sich ohne Einschränkungen auf das Geschehen am Aktienmarkt übertragen lässt. Psychologie ist alles! Wer in den vergangenen Jahren am Aktienmarkt aktiv investiert hat und sich diszipliniert verhalten hat, der kann mit hoher Wahrscheinlichkeit auf gewisse Erfolge zurückblicken. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt sich jedoch nicht uneingeschränkt in die Zukunft fortschreiben. Wo kommt der Erfolg der Vergangenheit tatsächlich her? War es ein unschlagbares Trading-System? Erfolgreicher Aktionismus oder überlegene Cleverness? Oder war es am Ende doch nur „der Markt“ selbst? Was ist mit dem Faktor Glück?

Wer es kurzfristig schafft, den Markt sogar deutlich zu übertreffen, dem sei eine detaillierte Analyse der bisher getroffenen Entscheidungen nahegelegt. Mit welchem Risiko wurde diese Rendite erreicht? Fehlende Diversifikation kann sich kurzfristig als positiv herausstellen, birgt langfristig jedoch erhebliche Gefahren. Es ist nicht die Unfehlbarkeit des Anlegers, sondern der positive Markt, der in der Regel für die gute Wertentwicklung verantwortlich ist.

Der Hang zur Selbstüberschätzung ist grundsätzlich immer da. Menschen funktionieren nun einmal nach diesem Muster. Der aktuelle Bullenmarkt läuft seit mehr als sechs Jahren und fördert diese gefährliche Tendenz zusätzlich. Wenn der Markt nicht mehr mitmacht, ist fehlende Diversifikation oft schmerzhaft! Mehr Risiko eröffnet kurzfristig die Chance auf höhere Renditen. Anleger sind geneigt, erfolgreiche Phasen in die Zukunft fortzuschreiben. Dies setzt jedoch voraus, dass fehlende Diversifikation stets positiv wirkt. Die gesetzten Schwerpunkte innerhalb einer Anlageklasse müssen immer punktgenau stimmen. Das Timing muss immer passen. Zu viele Faktoren, die das Prinzip „Zufall“ enthalten.

Buffett als Vorbild

Kaum ein Name wird zum Beweis für vermeintliche „Erfolgsstrategien“ so oft missbraucht wie der von Warren Buffett. Er ist einer der wenigen, der den Markt langfristig deutlich geschlagen hat. Warum ist das so? Hat er ein überlegenes Trading-System in der Hinterhand? Basiert sein Erfolg auf Aktionismus? Hat er Insiderwissen? Nutzt er technische Analysen oder ausgefeilte Chart-Software? Nein! Er verkörpert viele Eigenschaften, die Anleger eher der Kategorie „langweilig“ zuschreiben. Eines seiner ihm zugeschriebene Zitate: „Verrückte Märkte entstehen, weil die Leute verrückt werden, und das wird immer wieder passieren.“ Auch schön: „Unsere bevorzugte Haltedauer ist für immer“. Am schönsten: „Ich habe keinen Masterplan. Wenn Sie einen Masterplan von Berkshire finden, ist er gefälscht“. Er verfolgt keine sture Buy and hold-Strategie, aber er trifft wohlüberlegte und strategisch ausgerichtete Entscheidungen. Er vertraut auf langfristige Aktieninvestments! Kauft nur, was er versteht.

Um an der Börse langfristig erfolgreich zu sein, müssen viele Anleger mit falschen Klischees und unsinnigen Grundannahmen aufräumen. Die langfristige Aktienanlage hat mit Zocken so viel zu tun wie Warren Buffett mit technischen Indikatoren. Das Problem: Viele können an der Börse gar nicht rational denken. Börse wird hierzulande oft mit Spielcasino gleichgesetzt, Spekulation ist Trumpf. Man rennt dem vermeintlich schnellen Geld nach. Dabei wird nur ein sehr geringer Prozentsatz mit kurzfristigen Transaktionen nachhaltig erfolgreich. Viele Trader verlieren innerhalb weniger Monate oder Jahre ihr komplettes Kapital. Simple Wahrscheinlichkeitsrechnung! Bei einer ausreichend großen Menge an Tradern, werden immer einige Gewinner dabei sein. Die große Mehrheit geht aber dabei unter. Der Casinobetreiber wird reich, nicht der Spieler. Buy and hold ist dagegen im direkten Vergleich deutlich erfolgsversprechender. Aber selbst am derzeitigen Allzeithoch wird das nicht anerkannt und verstanden.

Fazit: Bei deutschen Anlegern fehlt einfach die gesunde Mitte, die rational agierenden Investoren: Entweder erzkonservativ oder viel zu spekulativ. Die Börse bestraft tendenziell die Mehrheit der kurzfristig agierenden Trader und Spekulanten. Glück haben mit diesen – oft vom Zufall abhängenden „Strategien“ – nur wenige Gewinner.

Wenn Sie zu den nachhaltigen Profiteuren der Finanzmärkte gehören wollen, sollten Sie viele der von mir beschriebenen Märchen und Illusionen über die Börse ignorieren. Nutzen Sie die zahlreichen Vorteile, die eine langfristige Aktienanlage in erstklassigen Unternehmen und ein guter Vermögensverwalter Ihnen bieten. Nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Realität!

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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