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Überraschende Dax-Rakete

Donnerstag, 19. Mrz 2015 um 07:49

Von Thomas Grüner
Das Börsenjahr 2015 zeichnet sich bereits im ersten Quartal durch einige – den Marktkonsens überraschende – sehr dynamische Entwicklungen aus: Der Euro verliert gegenüber dem US-Dollar signifikant an Wert, die Zinsen fallen rasant weiter und der Dax legt von Jahresbeginn bis zum 16. März um 24 Prozent zu: Eine historische Bestmarke. Was haben diese Entwicklungen nun zu bedeuten – ist die Finanzwelt aus den Fugen geraten? 

Der Kursverlauf des deutschen Aktienmarkts im Jahr 2015 ist in der Tat auf den ersten Blick beeindruckend – allerdings keinesfalls außergewöhnlich. Um diese Entwicklung zu relativieren, muss man nur drei Jahre zurückblicken: Im Jahr 2012 legte der Dax bis zum 16. März ähnlich beeindruckende 21 Prozent zu. Und obwohl er anschließend beinahe auf sein Ausgangsniveau zurückfiel, konnten das Gesamtjahr mit einem Plus von 29 Prozent beendet werden – ja, der Dax ist volatil! Zudem ist die Entwicklung der ersten Monate und Wochen wenig aufschlussreich für das Gesamtjahr: Auch die Jahre 1997, 1998 und 2000 starteten ähnlich dynamisch – und lieferten letztendlich dennoch höchst unterschiedliche Jahresergebnisse.

Die Dax-Entwicklung 2015 ist bisher erfreulich. Die weitläufige Meinung, dass Volatilität „Gefahr“ und „Verluste“ bedeutet, wurde im laufenden Börsenjahr wieder einmal sehr schön widerlegt: Volatilität steht ebenso für Dynamik, schnelle Aufwärtsbewegungen, Kursgewinne!

Gesamtpaket zählt

In unserer Kapitalmarktprognose für das Jahr 2015 schrieben wir: „Einzelne Jahre sollten nicht isoliert, sondern die Jahre 2014, 2015 und 2016 als Gesamtpaket betrachtet werden.“ Ein Gesamtpaket, das für eine positive Wertentwicklung spricht. Und die aktuelle Aufwärtsbewegung weiter relativiert: Seit Beginn des Jahres 2014 bis zum 16. März 2015 steht „nur“ ein Plus von 27 Prozent zu Buche. Im Vergleich dieser „verlängerten“ Zeiträume landet die aktuelle Entwicklung im historischen Vergleich nur im vorderen Mittelfeld. Deutlich höhere Zuwächse wurden zum Ende der Neunziger Jahre erreicht, in der Spitze 69 Prozent vom Jahresbeginn 1997 bis zum 16. März 1998.

Verlängert man diesen Zeitraum um weitere fünf Jahre nach hinten, so ist die Wertentwicklung vom Jahresbeginn 2009 bis zum 16. März 2015 wieder vorne mit dabei –  dieses Intervall beinhaltet immerhin die vollen sechs Jahre des laufenden Bullenmarkts. Im historischen Vergleich verschiedener Zeiträume mit identischer Länge nehmen jedoch erneut die späten 90er Jahre die Spitzenplätze ein. Der Bullenmarkt kann noch viel mehr! Die immer wiederkehrenden Sorgen aus der Kategorie „zu weit, zu hoch, zu schnell“ lassen sich leicht widerlegen. Die Tatsache, dass zeitliche Dauer und Höhe der Anstiege allein keinen Bullenmarkt beenden können, sollten Sie verinnerlichen!

Einhellige Meinungen

Ist das bisherige Marktgeschehen im Jahr 2015 eine Überraschung? Anscheinend nicht, glaubt man Analysten und Medien. Sämtliche Entwicklungen waren doch im hohen Maße vorhersehbar. Die EZB kauft Anleihen, also wird der Euro aufgeweicht, die Aktienmärkte nach oben getrieben und die Zinsen fallen ins Bodenlose. An dieser Stelle erinnern wir gerne an die Prognosen der Banken, die wir zu Jahresbeginn aufbereitet haben: Banken sehen zehnjährige Bundesanleihen zum Jahresende bei 1,18 Prozent (!), den Dax bei 10.627 Punkten und Euro/Dollar bei 1,19. Überraschende Dynamik an vielen Fronten!

Fazit: Der Jahresstart 2015 hat positiv überrascht, insbesondere der deutsche Aktienmarkt. Das Prädikat „außergewöhnlich“ sollte jedoch nicht verliehen werden. Ähnliche Bewegungsmuster lassen sich in der Historie vielfach finden!

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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