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Keine Vorurteile

Donnerstag, 12. Februar 2015 um 08:41

Von Thomas Grüner
Die Toleranzgrenze der deutschen Anleger gegenüber dem Aktienmarkt ist – allen langfristigen Renditevorteilen zum Trotz – erstaunlich niedrig. In Abwärtsphasen lähmt die Angst vor weiteren Verlusten, in Aufwärtsphasen schlägt die Höhenangst zu. Wenige Anleger profitieren tatsächlich von der historisch überlegenen Rendite der Aktienmärkte, da der Wohlfühlfaktor gleich Null ist. Auf der Suche nach „sicheren“ und „wertbeständigen“ Alternativen rücken Immobilien als Geldanlage immer wieder verstärkt in den Fokus. 

Sind die gängigen Probleme der deutschen Anleger – Angst vor Wertschwankungen und Verlusten – durch den Kauf einer Immobilie gelöst? Nein, denn Immobilien sind ebenso von gewissen Kosten- und Risikofaktoren betroffen wie andere Anlageklassen auch – auf eine gar nicht unähnliche Art und Weise.

Kosten und Risiken

Die Grunderwerbsteuer beträgt in manchen Bundesländern mittlerweile 6,5 Prozent, vergleichbar mit einem saftigen Ausgabeaufschlag beim Kauf eines Investmentfonds. Für nichts und wieder nichts! Anleger stören sich zudem an den hohen laufenden Kosten der Investmentfonds – zu Recht! Allerdings wäre diese Kritik in demselben Maße auch bei Immobilien angebracht. Denn die Liste ist lang: Nebenkosten, Instandhaltung und Modernisierung, Schadensbehebung und zu guter Letzt noch die Grundsteuer auf kommunaler Ebene.

Parallelen auch auf der Risiko-Ebene: An den Kapitalmärkten kann die falsche Anlageklasse gewählt werden, bei Immobilien die falsche Region. So manche vielversprechende Investition (wie z. B. Ost-Immobilien) schlug aufgrund einer schlagartig verringerten Nachfrage fehl. Einzelne Aktien können zum Totalverlust werden, Anleihen können ausfallen – auf der Immobilienseite sind Mietausfälle ebenso jederzeit möglich, welche die Mietrendite schwer kalkulierbar machen. Erhebliche Schwankungen der Häuserpreise sind kaum im Bewusstsein der Anleger vorhanden, weil die Transparenz auf dem Immobilienmarkt ebenso wie die Liquidität mangelhaft ist.

Bleiben Sie flexibel

Immobilien erfreuen sich dennoch einer weitaus größeren Akzeptanz bei deutschen Anlegern als Aktienmärkte. Neue Rekordmarken in den Aktienindizes veranlassen Anleger zur Sorge – das ist nicht gerechtfertigt! Die Aktienmärkte haben immer wieder bewiesen, dass sie vorangegangene Höchststände nachhaltig übertreffen können. Bei Immobilienpreisen wird diese Höhenangst dagegen komplett ausgeblendet. In Top-Lagen werden mittlerweile „absurde“ Häuserpreise und Mieten abgerufen – die Anleger gerne bereit sind zu bezahlen. Noch! Denn auch für Immobilien gilt: Die Preisentwicklung ist keine Einbahnstraße.

Legen Sie Wert auf Flexibilität bei Ihren Kapitalanlagen? Dann ist die Immobilie (im wahrsten Sinne des Wortes „unbeweglich“) nicht das Investment, das Ihren Bedürfnissen entspricht. Ein breit aufgestelltes und globales Aktienportfolio ist die Lösung. Sie sind von einem Unternehmen nicht mehr überzeugt? Verkaufen Sie die Aktie und holen Sie eine neue. Eines Tages erben Ihre Kinder Ihr aufgebautes Vermögen: Die anfallende Steuerbelastung kann durch gezielte Aktienverkäufe ausgeglichen werden. Mit Immobilien ist das alles nicht so einfach – wo kein Käufer, da kein Preis. Wenn sich die Lebensumstände ändern, sollten sich Ihre Kapitalanlagen ebenso schnell anpassen können!

Fazit: Analysieren Sie jede Anlageklasse mit derselben Objektivität, um ein passgenaues Portfolio für Ihre Bedürfnisse zu finden. Vielleicht brauchen Sie überhaupt keine Immobilie, sondern ein global aufgestelltes Aktiendepot.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner
ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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