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Aufruhr in Berlin

Freitag, 9. Januar 2015 um 22:44

Von Bernd Niquet

Noch vor dem schrecklichen Attentat von Paris habe ich mir am vergangenen Montag einmal die Demonstration der Pegida-Ableger in Berlin, Bärgida, angeschaut. Und ich bringe davon für mich zwei gute und zwei schlechte Nachrichten mit.

Die guten Nachrichten lauten: Ich denke, unsere Demokratie funktioniert ganz gut, sowohl parlamentarisch als auch außerparlamentarisch, und die Polizei macht einen guten Job. Und zweitens: Ich bin mir ganz sicher, dass wir in absehbarer Zeit nichts mit einem Rechtsfaschismus zu tun haben werden.

Das bringt mich zu den schlechten Nachrichten, die da lauten: Erstens, wenn wir eine pluralitätsfeindliche Bewegung und eine Meinungsdiktatur bekommen sollten, wird sie ganz gewiss von links kommen. Und zweitens: Vielleicht sind wir ja fast schon so weit.

Er war einiges los in Berlin an diesem Montag. 400 Bärgida-Protestler und 6.000 Gegendemonstranten. Wobei die Bärgida-Zahl mir weit übertrieben schien, schließlich hatten sich dort überall Gegner der Bewegung eingeschlichen. Außerdem kam auf jeden einzelnen Protestler gefühlt etwa zwei Fernsehteams.

Doch es ist friedlich geblieben. Ich konnte mich problemlos durch die Gegendemonstranten durchschleichen, um zu den Bärgida-Leuten zu kommen. Nirgendwo gab es eine gefährliche Situation und die Polizei hat sich hervorragend verhalten. An mir war aber natürlich auch nicht zu ersehen, zu welchem Lager ich gehöre.

Und zu welchem gehöre ich überhaupt: Ich selbst habe kein Problem mit Ausländern. Und die Religionen finde ich alle gleich entsetzlich. Ich habe aber auch kein Problem damit, wenn in einer Demokratie Menschen ihre Sorgen und Befindlichkeiten artikulieren.

Über die Initiatoren der Pegida kann ich nichts sagen, nur über die in Berlin. Und da habe ich wirklich selten in meinem Leben größere Dummbeutel gesehen. Da wird doch den Leuten im Ernst gesagt, sie müssten damit rechnen, dass bald bei uns die Scharia eingeführt werde und sie das mit ihren Steuern auch noch bezahlen müssten.

Bei den Teilnehmern hatte ich hingegen ein positives Gefühl, da waren viele Bürger aus der Mitte der Gesellschaft dabei, sehr sympathische und nette Leute. Die Gegendemonstranten haben mir hingegen Angst gemacht. Es war nicht nur der Hass in ihren Gesichtern, sondern auch die Abgerissenheit dieser Leute. Ich glaube nicht, dass auch nur einige von ihnen jemals mehr in das Staatsbudget eingezahlt als sie aus ihm bezogen haben.

Im Grunde genommen entzieht sich mir, worum es in dieser Auseinandersetzung überhaupt geht. Das Positionspapier der Pegida würde ich selbst unterschreiben. Denn ich glaube durchaus, dass unser Umgang mit Einwanderung und unsere Flüchtlingshilfe keineswegs optimal sind.

Was ist so provokativ daran, wenn man Kriegsflüchtlingen das Vorrecht gegenüber Asylanten geben will, wenn man für eine dezentrale Unterbringung plädiert und Asylverfahren wie die Holländer und ein Einwanderungsgesetz wie die Kanadier fordert? Warum meint die Mehrheit, dies niederschreien zu müssen?

Als ich am nächsten Tag die Zeitung lese, habe ich allerdings ein mulmiges Gefühl. Das ist wirklich Meinungsmache. Denn da steht bei den Teilnehmern etwas von „NPD-Leuten und kräftigen Hauertypen“. Ich habe nichts davon gesehen – und ich war dabei. Aber vielleicht haben die sich vor mir versteckt. Und ich erschrecke, dass es anscheinend den Gegenprotestlern tatsächlich gelungen ist, den Start des Demonstrationszuges zu unterbinden.

Vielleicht ist es aber auch gut so gewesen. Denn es hätte sicherlich durchaus Tote oder Verletzte geben können, wenn Bärgida tatsächlich bis zum Brandenburger Tor marschiert wäre.

Als jemand, der gerade dabei ist, die Werke von Sigmund Freud im Original zu lesen, beschäftigt es mich sehr, warum so viele Leute wegen ein paar Hanseln mit Deutschlandfahnen Berlin fast in den Kriegszustand versetzen. Da muss also etwas Entscheidendes passiert sein.

Und das kann nur sein: Pegida hat an einem Tabu gerüttelt. Und so werden bei den Gutmenschen jetzt der Widerstand und die Verdrängung immer weiter hochgefahren. Denn es darf alles passieren, nur eines nicht, nämlich dass das Verdrängte hochkommt, dass möglicherweise das eigene Weltbild in entscheidenden Bereichen gescheitert ist.

Und so kommen dann auch Sätze wie der unseres Innenministers zustande, dass der Anschlag von Paris nichts mit dem Islam zu tun hat. Natürlich nicht! Wie könnte er auch?

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

****************** ACHTUNG! Neues Buch: **********************

Bernd Niquet, „Die bewusst herbeigeführte Naivität“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2014, 265 Seiten, 14 Euro, ISBN 978-3-95744-306-9.

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: www.engelsdorfer-verlag.de/db/autorwerke.php

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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