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Gefürchtete Normalität

Donnerstag, 16. Oktober 2014 um 08:31

Von Thomas Grüner
Die Angst der Anleger steigt mit jedem Tag, an dem die Börse einen negativen Tagesverlauf aufweist. Umfragewerte und Konjunkturaussichten sind im Keller, geopolitische Risiken dominieren die täglichen Nachrichten, die Nervosität der Anleger steigt. Schwierige Zeiten für Aktienanleger? Das Urteil der Medien ist bereits gefällt: Ja. Die Vorteile einer Aktienanlage werden wieder grundsätzlich in Frage gestellt. Typisch!

Die aktuelle Abwärtsbewegung könnte erst der Anfang einer ausgewachsenen Korrektur sein! Es droht die Rezession in Deutschland, das Marktumfeld für zahlreiche Unternehmen wird schwieriger. Für die Aktienanleger bedeutet das: Die Gewinne der vergangenen Jahre könnten vernichtet werden. Eine kurzfristig ausgelegte Analyse der Märkte führt in der aktuellen Phase zweifelsohne zu negativem Denken. Diese „Methode“, selbst kurzfristigste Marktbewegungen interpretieren zu wollen, ist allerdings für den langfristigen Anlageerfolg nicht gerade förderlich. Denn nur wer die Märkte nicht durch das Mikroskop, sondern mit Weitsicht betrachtet, bewahrt sich die notwendige Rationalität auch in einem „schwierigen“ Marktumfeld.

Nichts als Normalität

Nach unten korrigierte BIP-Zahlen, Konjunkturdellen, pessimistische Umfragewerte und gedämpfte Konjunkturerwartungen – vielfältige Faktoren haben ihren Beitrag zur aktuellen Abwärtsbewegung beigetragen, die alles andere als außergewöhnlich ist – selbst wenn die negative Phase noch weitergeht. Korrekturen in dieser Größenordnung gehören gerade für „kleine“ Indizes wie den Dax zum Alltagsgeschäft. In der gesamten Historie des deutschen Leitindex ist in mehr als 80 Prozent der Jahre ein zwischenzeitlicher Kursrückgang von mindestens 10 Prozent zu beobachten. In einem Drittel der Fälle treten unterjährige Kursrückgänge von mindestens 20 Prozent auf!

Ein Rückgang von 20 Prozent ist eine harte Geduldsprobe für Aktienanleger. Kein Wunder, dass die Aktienanlage für deutsche Anleger irgendwann „unerträglich“ wird – sind Rückgänge dieser Art durchschnittlich in jedem dritten Jahr enthalten! Aktuell fehlen dem Dax rund 15 Prozent zu seinem Jahreshoch. Es wäre nicht unrealistisch – und alles andere als außergewöhnlich! – wenn der Dax im Jahr 2014 in die Negativseite dieser Statistik eingeht. Ein wirkungsvolles Heilmittel: Globale Diversifikation und eine „erweiterte“ Perspektive.

Blick über den berühmten Tellerrand

Wer die Betrachtungsweise und damit das eigene Portfolio auf spezielle Märkte oder gewisse zeitliche Komponenten beschränkt, muss auf viele Vorteile der globalen Diversifikation verzichten. Das Jahr 2014 ist für viele Investoren schwierig – insbesondere für deutsche Anleger, die vornehmlich dem Heimatmarkt vertrauen. Allerdings sollte dieses Jahr auch nicht isoliert betrachtet werden, sondern eher im Gesamtpaket mit den Jahren 2015 und 2016! Denn der Bullenmarkt ist glücklicherweise in der Lage, auch scharfe Korrekturen, schlechte Monate, sogar schlechte Jahre (!) schadlos zu überstehen. In der aktuellen Marktphase ist wichtig zu beobachten, dass der übergeordnete Bullenmarkt intakt ist. Doch nur wer über den Tellerrand hinausschaut, erkennt, dass die globale Wirtschaft wächst!

Fazit: Die Stimmung ist durch die aktuellen Kursrückgänge spürbar negativer geworden. Einstiegschance oder Warnsignal? Wer seine Strategie nicht auf kurzfristiges Markttiming auslegt, der ist auf jeden Fall im Vorteil. Denn in dieser Phase ist es einmal mehr wichtig, langfristig und global zu denken. Es ist nicht die erste und nicht die letzte Korrektur dieser Art, die der Bullenmarkt zu verkraften hat.

Fragen zum Beitrag beantworte ich gerne per E-Mail an feedback@gruener-fisher.de.

Thomas Grüner i
st Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Weitere Informationen unter www.gruener-fisher.de.


Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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