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Abschied von einer Illusion


Freitag, 29. August 2014 um 20:46

Von Jochen Steffens
Als ich mit der Börse anfing, war ich wohl wie jeder andere Börsenneuling. Ich stürzte mich auf jede Nachricht, jede Empfehlung, suchte nach dem richtigen „Guru“. Ich tummelte mich in Foren, las Börsenzeitschriften und wusste nicht, wie wenig ich eigentlich verstand, von dem was ich da machte. Aber ich hatte Glück. Schnell merkte ich, dass ich ein sehr kurzfristiger Anleger war, und als Daytrader blieben mir die schmerzhaften, immensen Verluste in den großen Crashs erspart, die so viele Neulinge im Neuen Markt ruiniert haben. Lediglich drei kleinere Aktienpositionen schleppte ich durch die 2000-2003 Krise und entschloss mich dann, irgendwann 2004 dem Leiden ein Ende zu machen und das verbliebene Geld besser zu investieren.

Aus heutiger Sicht hatte dies alles in meinen Anfangsjahren auf der einen Seite etwas Kindliches, Naives. Es war aber gleichzeitig ohne Frage auch eine höchst aufregende Zeit – vielleicht die aufregendste in meinem Leben bisher. Es gab so viele Dinge zu entdecken und zu verstehen, so viele verschiedene Analysemöglichkeiten und Ansätze, so viele Gurus und Helden – offenbar Menschen, die schnell reich geworden waren. Und hinter all dem stand dieses scheinbare Versprechen der Börse, sehr bald einen einfachen Weg zu finden, schnell wohlhabend zu werden und dann keine Sorgen mehr zu haben. Aber ohne diese Hoffnung hat man wohl auch nicht die Kraft, sich durch dieses Dickicht der Börsen zu schlagen.

Typische Fehler

Und ich machte alle die Fehler, die wohl jeder Anleger und Trader an den Börsen macht – jeden einzelnen. Einige auch mehrmals, manche sogar noch heute. Keiner sagte mir, dass ich damals einfach nur Glück hatte, wenn ein Trade aufging. Nein, es euphorisierte mich, ich fühlte mich kurz davor, jetzt endlich den Durchbruch zu schaffen. Jeder gute Trade war für mich der mögliche Anfang einer unglaublichen Trader-Karriere.

Und keiner half mir zu verstehen, dass – wenn die Verluste mir meinen Schlaf raubten und mich an mir selbst zweifeln ließen – sie ebenso wenig meiner Unfähigkeit geschuldet waren, wie die Treffer meinen Fähigkeiten. Keiner sagte mir damals, dass ich mich eigentlich nur über Glück und Unglück, sprich Zufälligkeiten, aufregte – und selbst wenn, was hätte es gebracht?

Aber es gibt sie doch, die Trader, die schnell reich werden, oder? Ja, sicher gibt es sie. Aber es ist wie beim Lotto, mit einer gefährlichen Komponente. Wer an den Börsen mit wenig Einsatz sehr schnell reich wird, muss ein unglaublich hohes Risiko fahren. Die meisten, die das tun, haben dann ein Problem. Sie wissen meist nicht, dass sie mit ihren Trades ein viel zu hohes Risiko eingehen. Sie wissen aufgrund fehlender schlechter Erfahrungen auch nicht, wovor sie sich schützen müssen. Und das rächt sich in den allermeisten Fällen.

Da es einfach innerhalb ganz normaler Wahrscheinlichkeiten liegt, dass von den vielen Millionen Anleger, die sich weltweit im Traden üben, einige wenige Trader auch mit einem hohen Risiko eine lange Zeit einfach nur Glück haben werden, gibt es sie tatsächlich. Es sind die Geschichten, von denen man in den Börsenzeitschriften und den Internetportalen liest. Aber genauso gibt es tatsächlich Menschen, die im Lotto Millionen gewinnen – und dabei ist die Wahrscheinlichkeit, beim Lotto Millionär zu werden, höher als beim Traden mit extremen Risiko an den Börsen.

Der Trader, der dieses Glück erlebt, ist eigentlich zu bedauern. Denn im Gegensatz zum Lotto-Gewinn – bei dem jeder weiß, dass er quasi einmalig ist – glaubt dieser Trader, es läge an seinen Fähigkeiten und wird somit nicht aufhören und einen Teil des Geldes anderweitig anlegen, sondern an den Börsen weiter machen. Aufgrund des hohen Risikos, welches diese Trader somit weiterhin eingeht, wird aber genau das irgendwann schief gehen MÜSSEN (während ein Lotto-Millionär, der einfach weiter Lotto spielt sich dadurch kaum ruinieren dürfte).

Und tatsächlich, nahezu alle, die schnell reich wurden, und das Geld weiter mit hohem Risiko an den Börsen investierten, sind irgendwann auch sehr schnell wieder arm geworden. Dafür gibt es ebenfalls viele Beispiele.

Die großen Jungs

Doch was ist mit den Buffetts, den Kostolanys, den Lynchs und anderen? Gibt es nicht doch auch Möglichkeiten, die Börse wirklich zu „beherrschen“? Ein tiefgehendes Research, ein gutes Näschen – das scheint doch einer der Garanten für den Börsenerfolg zu sein?

Aber auch hier, und ich weiß, jetzt werden mir viele widersprechen, gehört viel Glück dazu. Das ist ebenfalls eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Denn Warren Buffett beispielsweise war nicht der einzige Schüler des „legendären“ Benjamin Graham. Was ist mit all den anderen? Vielleicht hatten sie einfach nur nicht das Glück, so wie Buffet die richtigen Dinge zur richtigen Zeit zu tun. Vielleicht waren sie nicht gut genug. Wie auch immer – von ihnen hört man natürlich heute nichts. Sie sind entweder pleite, haben sich irgendwie ein erträgliches Einkommen verschafft oder machen etwas anderes. Und auch Buffett hat Fehler gemacht, die ihn beinahe ruiniert hätten – aber eben nur beinahe. Wäre das jedoch geschehen, würde heute niemand Warren Buffett kennen.

Über die vielen anderen Menschen, die weniger Glück hatten, werden keine Bücher geschrieben und selbst wenn, wer sollte sie lesen. Auch werden diese Menschen nicht nach ihrer Strategie gefragt. Und wenn sie diese trotzdem veröffentlichen würden, würde sie nicht als der heilige Gral der erfolgreichen Geldanlage gehandelt – selbst wenn sie mit der von Warren Buffett identisch wäre.

Aber die Börsenwelt will solche Dinge nicht hören. Menschen, die sich mit Börsen beschäftigen, wollen einfach nicht ihre Hoffnung verlieren, dass all die Arbeit und Mühe sich doch irgendwann noch auszahlen wird.

Langfristige Anleger und Trader

Keine Sorge, es kann sich auszahlen. Die langfristig orientierten Anleger können, wenn sie eine der langjährigen Boom-Phasen erwischen, durchaus auch ohne größeres Können einigen Wohlstand erzielen. Und einige, die mit den Börsen sehr reich wurden, haben einfach nur mit der richtigen Strategie die richtige Phase erwischt – auch das darf man nicht außer Acht lassen.

Bei den kurzfristigen Tradern ist das aber komplett anders. Sie müssen, um langfristig erfolgreich zu werden, besser werden als all die anderen. Werden sie aber dann schnell reich? Nein. Denn als erstes lernen sie, das Risiko ihrem Einsatz anzupassen. Und wenn man das tut, ist der Traum vom schnellen Reichtum ausgeträumt. Die Performance an der Börse steht immer in einem linearen Verhältnis zum Risiko. Davon gibt es keine Ausnahme. Allein an dieser Erkenntnis scheitern bereits weit über 50 Prozent aller Menschen, die es versuchen.

Und dann geht es letztlich nur noch darum, die Performance um ein paar Prozentpunkte zu verbessern. Es wird gute und schlechte Jahre geben, Monate in denen man nur Geld verliert und nicht einmal weiß warum (Pech eben) und Monate, in denen man plötzlich sehr viel Geld verdient und eigentlich auch nicht weiß, warum (Glück eben). Das gehört alles zu den normalen Wahrscheinlichkeiten. Und wenn man sich genau auf diese Wahrscheinlichkeiten konzentriert und die Risiken im Auge behält, kann man nach vielen Jahren des Lernens tatsächlich langfristig erfolgreich bleiben (wie Sie hier bei Stockstreet in den Trader-Diensten, die seit vielen Jahren trotz aller Krisen bereits jedes Jahr erfolgreich arbeiten, live miterleben konnten und können).

Doch wenn man dieses Ziel erreicht hat, hat man sich als Trader stark verändert: Die Euphorie ist weg, die Illusion des schnellen Geldes vorbei und aus diesem scheinbaren „Traumjob Trader“ ist ein Beruf mit all den bekannten Höhen und Tiefen geworden. Aber man kann davon leben. Das tun allerdings nur diejenigen, die es geschafft haben, immer weiter zu lernen und bis zum Schluss durchzuhalten. Und diese wenigen machen nur ein paar Prozent von denen aus, die damit anfingen. Über 95 Prozent der Menschen, die mit kurzfristigen Traden ihren Lebensunterhalt verdienen wollen, scheitern hingegen.

Ich hoffe, ich habe Sie jetzt nicht desillusioniert. Aber das sind einfach Fakten. Fakten, die allerdings nur sehr selten in den Börsenmedien zu lesen sind. Und ich kann das Geschriebene auch aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung bestätigen. Von der „Tradergruppe“ (ca. 12 Leute), mit der ich angefangen habe, ist nur einer übrig, der überhaupt noch etwas mit Börse zu tun hat – das bin ich. Im Laufe der Jahre habe ich viele weitere Trader kennengelernt und auch hier bleibt der Eindruck, dass nur ein verschwindend kleiner Teil langfristig erfolgreich bleibt. Ich weiß, wenn man die Werbung und die Börsenmedien liest, könnte ein anderer Eindruck entstehen. Doch nirgends wird mehr gelogen, als beim Angeln und den eigenen Erfolgen an der Börse… .

Jochen Steffens ist Chefredakteur des kostenlosen Newsletters "Steffens Daily". Weitere Informationen finden sie hier.

 

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