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Heute in Russland

Samstag, 22. Februar 2014 um 09:07

Von Bernd Niquet

Eigentlich wollte ich in dieser Kolumne darüber schreiben, wie ernüchternd ich es finde, dass auch heute noch nahezu alle Konflikte auf der Welt religiöse Gründe haben und es dabei letztlich hauptsächlich um den richtigen Weg geht, in den Himmel zu kommen.

Doch der Dienstagabend hat mich vollkommen umgeworfen, hat alle meine Gedanken umgelenkt und mich an gar nichts anderes mehr denken lassen als an das, was ich da gesehen haben. An diesem Abend lief auf Arte die Dokumentation „Enteignung auf Russisch“.

Ich habe ja schon vieles gehört, gelesen, gesehen, gedacht und vermutet über Russland, habe mich erregt über das, was im Vorfeld der Olympischen Spiele in Sotschi unternommen worden ist, und auch deshalb bisher keine einzige Übertragung dieser Wiederkehr von 1936 angeschaut. Doch was die mutigen Autoren da am Dienstagabend gezeigt haben, übertrifft das alles bei Weitem.

Stellen Sie sich die folgende Situation vor: Sie sitzen gemütlich in Ihrer Wohnung, die sie gekauft haben, da klingelt es. Sie machen auf und es steht eine Horde großgewachsener Männer vor der Tür, die Ihnen ein Schriftstück mit amtlichem Siegel präsentiert, dass Ihre Wohnung jemand anderem gehört und Sie diese jetzt zu verlassen haben.

Glauben Sie, das ist ein Scherz? Ich habe das zuerst auch geglaubt, habe mich gekniffen und auf den Kalender geschaut. Das muss eine Satire sein, habe ich gedacht. Doch es ist keine Satire, es ist die Realität in einem europäischen Land im Jahr 2013. Und es betrifft nicht nur Wohnungen, es betrifft alle Lebensbereiche, von einfachen Verträgen wie die Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio bis hin zu den Eigentumsrechten an ganzen Unternehmen.

Die Enteignungen auf russisch gehen so: Als „Raider“ bezeichnete Leute kaufen sich einen Beamten im Innenministerium, einen Staatsanwalt und ein von einem Amtsrichter ausgefertigtes falsches Gerichtsurteil. Dann schreiten sie zur Tat. Wehrt sich das Opfer, wird die Polizei eingesetzt, die gegen ein Aufgeld die Durchsetzung der gekauften Gerichtsurteile bewerkstelligt.

Wenn der Betroffene dann immer noch nicht aufgibt, wird er eben weggesperrt. Dann sagt die Polizei: „Wir bringen Sie in ein Lager, und dort werden Sie bleiben, bis Sie sterben.“ Und was kann man dagegen tun? Mauern und Stacheldraht um das Unternehmensgelände ziehen und den Wachschutz wie eine Armee hochrüsten. Privatleuten hingegen bleibt nur das Beten oder Auswandern.

Und warum ist das so? Der Film erklärt es folgendermaßen: Als Putin im Jahr 2000 an die Macht kam, herrschten die Oligarchen. Deshalb hat er zu allererst den reichsten und mächtigsten von ihnen eingesperrt, Michael Chodorkowski. Diese Abschreckung gelang und die Oligarchen kamen an und fragten, was sie für Putin tun könnten. So wurde Putin zum reichsten Mann Europas und zum Alleinherrscher in Russland. Und im Gegenzug ließ der seinen Günstlingen freie Hand, zu tun und zu lassen, was sie wollen.

Das alles ist keine Geschichte aus fernen Ländern oder vergangenen Jahrhunderten, sondern aus dem Europa der Jetztzeit. Und das sollte man auch stets im Hinterkopf behalten, wenn man heute den nahezu unfassbar mutigen Kampf der Menschen für eine freie Ukraine betrachtet. Ihnen habe ich mein Herz geschenkt. Und endlich, endlich, endlich scheint auch der Westen aufzuwachen.

In diesem Sinne wünsche ich noch viel Vergnügen bei der Hofberichterstattung von ARD und ZDF über die Olympischen Spiele in Sotschi. Das macht doch alles viel mehr Spaß als die Wirklichkeit.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

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Bernd Niquet, "Jenseits des Geldes, Dritter Teil", Leipzig 2013, 607 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-95488-235-9.

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