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Warum steigende Zinsen schlecht sind


Donnerstag, 12. September 2013 um 10:49

Von Jochen Steffens
Die Ankündigung der US-Notenbank Fed, das Anleihekaufprogramm vorsichtig zurückzufahren, hat nicht nur Auswirkungen auf die Zinsen von US-Staatsanleihen. Am Mittwoch bekamen Anleger für zehnjährige Bundesanleihen wieder 2,06 Prozent Zinsen. Das ist der höchste Stand seit Oktober 2011, also dem Zeitpunkt, an dem die Schuldenkrise in der EU eskalierte. Im August dieses Jahres waren es bei einer ähnlichen Auktion lediglich 1,8 Prozent gewesen. Anfang des Jahres lag der Zins für zehnjährige deutsche Staatsanleihen sogar bei 1,56 Prozent.

Jetzt müssen Sie als Anleger aufpassen. Warum? Steigende Zinsen sind gefährlich für die Märkte und zwar aus mehreren Gründen. Hier einmal die vielleicht drei wichtigsten Faktoren:

1. Um abschätzen zu können, welche Anlageklasse aktuell vom großen Geld favorisiert wird, stellt sich die Frage, welche Anlageklasse die höchste Rendite bei geringem Risiko bringt. Stellen Sie sich vor, Sie müssen ein großes Vermögen anlegen. Natürlich werden Sie Anlageklassen suchen, die sicher sind und Anlagen, die spekulativ sind, um den schwachen Renditen der sicheren Anlagen den nötigen Schub zu geben.
Je niedriger die Zinsen sind und insbesondere, wenn die Zinsen unterhalb der Inflationsrate liegen, desto eher werden Sie das Geld in anderen Anlageklassen wie Aktienmärkte, Immobilien, Rohstoffe etc. investieren. Steigen die Zinsen jedoch und notieren deutlich über der Inflationsrate, werden Sie wiederum Geld aus den anderen Anlageklassen in die Anleihemärkte umschichten.
Aus diesem Grund führen steigende Zinsen dazu, dass Geld aus den Aktienmärkten in die Anleihemärkte fließt – und das kann eine Rallye ausbremsen.

2. Hinzu kommt, dass es Unternehmen bei stark steigenden Zinsen schwerer haben, über Kredite lohnenswerte Investitionen zu tätigen. Steigende Zinsen führen also dazu, dass die Investitionsbereitschaft der Unternehmen sinkt. Eine sinkende Investitionsbereitschaft kann sich wiederum auf das zukünftige Umsatz- / Gewinnwachstum negativ auswirken. Da die Börse Zukunft spielt, kann das den Aktienkurs beeinträchtigen.

3. Steigende Zinsen führen dazu, dass weniger Immobilien gekauft und auch gebaut werden. Der Immobilienmarkt ist allerdings ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor. Einerseits im Bereich Dienstleistung (Verkauf), aber besonders auch im Bereich Erstellung, da bei Bau und Einrichtung eines Hauses eine Vielzahl von Wirtschaftsunternehmen und Handwerkern beteiligt sind. Bricht der Immobilienmarkt weg, hat das zumeist fatale Folgen für die Gesamtwirtschaft.

Diese drei Punkte sind der Grund, warum Sie bei steigenden Zinsen vorsichtig werden müssen. Sofern sich der Aktienmarkt in einer Rallye befindet, können steigenden Zinsen dazu führen, dass diese abgewürgt wird. Manchmal geschieht das stark zeitversetzt und zwar erst dann, wenn eine Rallye durch Euphorie noch weiter getragen wird, während die fundamentalen Rahmenbedingungen sich schon deutlich verschlechtert haben. Da man aber von einer großen Euphorie zur Zeit nicht sprechen kann, ist zu befürchten, dass der Markt vergleichsweise zeitnahe reagiert.

Ab wann reagiert der Markt?

Allerdings müssen die Zinsen dafür ein gewisses Niveau erreichen. Dieses Niveau wurde in der jüngeren Vergangenheit normalerweise erreicht, wenn die Leitzinsen (!) in den Bereich von 5 Prozent vorgedrungen sind. Bei einer sehr starken Boomphase können aus den oben genannten Gründen sogar deutlich höhere Werte erreicht werden, ehe eine Reaktion an den Aktienmärkten erfolgt.

Und davon sind wir natürlich weit entfernt. Die Leitzinsen in den USA liegen noch bei 0 bis 0,25 Prozent. Doch trotzdem muss man vorsichtig werden. Zudem treffen die steigenden Zinsen nicht auf eine starke, boomende Wirtschaft, sondern auf eine immer noch eher schwache und daher anfällige Wirtschaft in den USA.

Wie ich hier schon geschrieben habe, der Markt überschätzt meines Erachtens die Auswirkung der Rückführung der Anleihekäufe durch die Fed. Und aus diesem Grund gehe ich auch nicht davon aus, dass die langfristigen Zinsen großartig weiter steigen. Eher sogar, dass sie sich wieder beruhigen. Zumal die Fed bisher noch nichts verändert hat.

Sollten die Zinsen jedoch tatsächlich weiter steigen, wird die Fed, und da würde ich jede Wette eingehen, reagieren – und zwar, indem sie mit der Rückführung der Käufe eben doch noch wartet. Sie hat nun einmal überdeutlich gemacht, dass sie auf die Entwicklung der Wirtschaft, des Immobilienmarktes und des Arbeitsmarktes reagiert. Sollten die Zinsen also weiter steigen, wird der US-Immobilienmarkt weiter einbrechen, dann wird die Arbeitslosenquote wieder steigen und das zarte Wirtschaftswachstum in den USA zurückgehen – das weiß auch die Fed. Wenn die Fed sich an das hält, was sie die ganze Zeit über kundtut, dann wird sie bei verschlechternden Rahmenbedingungen eben nicht reagieren. Oder lediglich in homöopathischen Dosen, um nicht zugeben zu müssen, dass ihre Einschätzung der weiteren Entwicklung falsch gewesen ist.

Beruhigt sich der Anleihemarkt wieder?

In jedem Fall wird sie abwarten und beobachten, ob sich der Anleihemarkt an die neue Situation gewöhnt. Handelte es sich bei dem jüngsten starken Renditeanstieg tatsächlich um eine Überreaktion der Investoren, dann sollten wir in den kommenden Wochen eine Beruhigung sehen, selbst wenn die Fed bei ihrer bevorstehenden Sitzung wie erwartet mit ihrem Ausstieg beginnt.

Ab welchem Zinssatz der langfristigen Anleihen es problematisch für die US-Wirtschaft werden könnte, ist angesichts der großen Probleme in den USA für mich nicht abzuschätzen. Wir wissen leider auch nicht, welchen Zinssatz die Fed für riskant hält. Wir wissen nur, dass allein aufgrund der Ankündigung der Fed dieser Marktzins für zehnjährige Anleihen in den vergangenen vier Monaten bereits um 1,4 Prozentpunkte auf knapp 3 Prozent geklettert ist.

Die Fed-Sitzung am 17./18. September wird also richtig spannend. Sollte die Fed nicht oder nur „symbolisch“ reagieren, könnte der Markt noch einen schönen Schub erleben. Allerdings wartet dann schon wieder im Oktober mit der Schuldenobergrenze der USA bereits das nächste Problem auf die Anleger.

Jochen Steffens ist Chefredakteur des kostenlosen Newsletters "Steffens Daily". Weitere Informationen finden sie hier.

 

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