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Neue Biederkeit

Freitag, 19. Juli 2013 um 22:33

Von Bernd Niquet

Vor zwei Wochen war ich bei einer ganz speziellen Veranstaltung, einem Musikfest an einem besonders alternativen Ort in Berlin, dem “Down by the River-Festival” im „//about blank“ im Markgrafendamm am S-Bahn Ostkreuz.

Das ist so ungefähr der letzte Ort in Berlin, der noch nicht vom Mainstream breitgetrampelt ist, ein Innenhof von Fabrikanlagen, in dem sich ein wild wuchernder Urwald ergeben hat.

Eigentlich muss das ziemlich szenemäßig gewesen sein, aber so genau kenne ich mich da nicht aus. Auf jeden Fall wirkte es so. Was ich dort jedoch erlebt habe, hat mich mächtig stutzig gemacht.

Lange habe ich gebraucht, um das irgendwie einordnen zu können. Zuerst wusste ich nicht, ob ich lachen, stauen oder mich ärgern soll, doch dann ist es zumindest erkenntnisreich gewesen.

Das Festival begann bei bestem Wetter am Samstag um 15 Uhr – ich bin um 16 Uhr dort gewesen. Am Eingang steht eine lange Schlange. Wie das? Ich gehe nach vorne und frage. Man mache gerade Schichtwechsel, erfahre ich. „Nach einer Stunde schon?“, sage ich fragend zu meinem Nachbar.

Warten wegen Schichtwechsel? Wann habe ich das zum letzten Mal vorher erlebt?, grübele ich. Dann weiß ich es. An der Grenze auf der Transitstrecke, da musste man auch immer auf den Schichtwechsel der Grenzer warten.

Als es dann wieder losgeht am Eingang, wird gleichsam jeder der Anstehenden einzeln hineingebeten wie bei der Passkontrolle. Und gefragt, ob man eine Kamera dabei habe. Aber wer hat heute kein Handy dabei?

Als ich dann endlich drinnen bin, ist das Bild durchaus imposant. Überall unter den Bäumen Sitzgelegenheiten, auf denen sich Leute lümmeln, die auf den ersten Blick sonderbar aussehen, auf den zweiten sich jedoch allesamt sehr gleichen.

Da laufen auch Kinder durcheinander und es sitzen ergraute Hippies herum. Das alles ist von einer Spießigkeit und Piefigkeit gekennzeichnet, dass es mich an die sonntäglichen Kaffeekränzchen meiner Großeltern erinnert.

Als ich zwischenzeitlich einmal draußen war, um etwas zu essen, und anschließend wieder hinein möchte, muss ich erneut einzeln vortreten und die Frage nach der Kamera über mich ergehen lassen. Drinnen lauscht das Publikum andächtig den Bands. Vorne sitzen die Leute auf dem Boden, um den dahinter Stehenden den Blick nicht zu versperren.

Die Menschen sind so brav, wie ich das noch niemals erlebt habe. Ist das die neue Jugend, jedenfalls diejenige in ihrer alternativen Ausprägung? Irgendwie logisch wäre es ja schon, denn mit Protest ist ja heute nichts mehr. So, wie wir alle großgeworden sind, mit unserem Protest gegen die etablierten Strukturen, ist heute nichts mehr zu gewinnen.

Das ultimative Dagegensein gegen den Mainstream scheint heute darin zu bestehen, möglichst bieder, piefig und verstaubt zu sein.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

*********************** UND DENKEN SIE DARAN: DIE WIRKLICHE WAHRHEIT LIEGT JENSEITS DES GELDES!

Bernd Niquet, "Jenseits des Geldes, Zweiter Teil", Leipzig 2012, 570 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-873-9.

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