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Tyrannei des Glücklichseins

Samstag, 29. Juni 2013 um 11:49

Von Bernd Niquet

Ich stehe vor dem Laden eines Pizza-Service, habe eine Bierflasche in der Hand und warte darauf, dass meine Pizza fertig wird. Es ist warm draußen, vielleicht der letzte schöne Abend für längere Zeit, und ich fühle mich richtig wohl.

Vor dem Pizza-Service kommt eine schwarze Limousine mit Berliner Kennzeichen an. Es steigt ein hagerer Mann aus, gut gekleidet, mit teuren braunen Lederschuhen. Er geht hinein und kommt mit etwas in Silberfolie Eingepacktem heraus. Anschließend parkt auf dem freigewordenen Parkplatz erneut ein großer schwarzer Wagen ein, dieses Mal mit Düsseldorfer Nummer. Der Mann, der jetzt ausstiegt, ähnelt dem ersten sehr. Auch er scheint vorbestelltes Essen abzuholen. Als er weggefahren ist und nun erneut ein schwarzer Wagen, dieses Mal mit einer Nummer aus dem Berliner Umland dort hält, ein Mann aussteigt, der auch nicht anders ausschaut, gucke ich auf meine Bierflasche. Doch sie ist erst zur Hälfte leer.

Jetzt fällt mir das Interview mit Renata Selecl ein, das ich gerade vorher am Nachmittag gelesen hatte. Frau Salecl ist eine slowenische Philosophin und Soziologin und gilt anscheinend als führende Expertin für den Freiheitsbegriff im modernen Kapitalismus.

In dem Interview erzählt sie von einer Frau, die eine gute Schul- und Universitätsausbildung besitzt, einen guten Job hat, ein Haus und einen liebevollen Ehemann. Die Frau sagt: „Ich habe alles in meinem Leben richtig gemacht, aber ich bin immer noch nicht glücklich.“ Und Frau Salecl kommentiert: Die Frau hat nie das gemacht, was SIE will, sondern immer nur das, von dem sie glaubte, dass die Gesellschaft es von ihr erwartet.

Tja, die Schwarzlimousinen-Pizzamänner wirkten allesamt ebenfalls nicht glücklich. Wobei man sich natürlich fragt, ob beim Abholen vom Pizza-Service überhaupt jemand glücklich aussieht. Doch ich denke an etwas anders: Diese drei Männer sahen als, als kämen sie alle aus dem gleichen Reagenzglas. Als seien sie künstliche Züchtungen der Auto- und Modeindustrie.

Wie kann es sein, dass drei Männer hintereinander sich so stark gleichen können? Es mag Zufall sein, doch ich denke, es hat viel mit Fremdsteuerung zu tun. So richtig SIE SELBST waren sie alle drei nicht.

Zu Hause lese ich noch einmal das Interview mit Frau Selecl. Sie ist bei weitem keine Kapitalismus-Kritikerin, denn sie sagt: „Eine der größten Errungenschaften des Kapitalismus ist gerade, dass sich selbst der proletarische Sklave wie ein Meister fühlt. Dass selbst er glaubt, er habe die Wahl, sein Leben zu ändern.“

Doch das hat natürlich auch seine Kehrseite. Denn: „Die Ideologie des Selfmademan treibt uns an, wir arbeiten mehr, konsumieren mehr, am Ende konsumieren wir uns selbst. Die Folgen sind Burnout, Bulimie und andere Zivilisationskrankheiten.“

Und jetzt überlege ich mir natürlich, was sich hinter der Metapher verbirgt, dass wir uns selbst konsumieren. Bulimie ist doch das genaue Gegenteil davon, da fressen wir uns selbst nicht auf, sondern speien uns vielmehr aus. Was ja auch viel zeitgemäßer ist. Doch wahrscheinlich kann man eben einfach nicht alles verstehen.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

*********************** UND DENKEN SIE DARAN: DIE WIRKLICHE WAHRHEIT LIEGT JENSEITS DES GELDES!

Bernd Niquet, "Jenseits des Geldes, Zweiter Teil", Leipzig 2012, 570 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-873-9.

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