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Hoeneß verstehen

Freitag, 26. April 2013 um 23:34

Von Bernd Niquet

Ich kann mich nicht erinnern, so eine Fußballwoche schon jemals in meinem Leben erlebt zu haben. Da schlagen zwei deutsche Mannschaften zwei spanische im Halbfinale der Champions League insgesamt 8:1, da wechselt ein 20-Jähriger für 37 Millionen Euro von einem Verein zum anderen und gleichzeitig steht der Patriarch des deutschen Fußballs im Zentrum einer beispiellosen Steuerhinterziehungsaffäre.

Es ist, als ob sich die gesamte Welt in diesem Bereich innerhalb einer Woche komplett geändert hat. Nichts ist mehr wie vorher und man weiß gar nicht mehr, was man noch glauben soll.

Über den Fall Hoeneß wissen wir ja auch noch nicht allzu viel. Was mich jedoch massiv nervt und bestürzt, ist, dass hier überall nur Allgemeinplätze verblasen werden. Überall hört man Äußerungen von Enttäuschung und Betrug und dass man sich das alles niemals hat vorstellen können. Das ist ja auch sicherlich durchaus richtig, doch niemand versucht überhaupt einmal, sich in das Szenario hineinzudenken. Wie immer in solchen Fällen haben wir auch hier ein vollkommenes Versagen der Presse zu beobachten, finde ich.

Ich werde daher einmal versuchen, das Fehlende nachzuliefern. Denn ich glaube, ich kann verstehen, wie es Hoeneß gegangen ist. Wenn es so ist, wie es sich abzeichnet, nämlich dass Hoeneß in der Blütezeit des Neuen Marktes um die Jahrtausendwende mit viel Geld spekuliert und große Gewinne eingefahren hat, dann habe ich ganz Ähnliches erlebt. Ich werde mich jetzt also einmal in Uli Hoeneß hineinversetzen:

Nehmen wir an, Hoeneß hat in der Schweiz mit 10 Millionen Euro spekuliert und darauf Gewinne von 100 Prozent erzielt, was für die damalige Zeit durchaus konservativ kalkuliert ist. Er hat diese Kurgewinne als Zocker kurzfristig realisiert und damit Gewinne von 10 Millionen Euro gemacht. Anschließend führte er seinen zu diesem Zweck aufgenommenen Kredit zurück und lässt die Gewinne dort liegen.

Hätte Hoeneß diese Gewinne erst nach Ablauf der Spekulationsfrist erzielt, wären sie nach damaligem deutschem Steuerrecht steuerfrei gewesen – und alles wäre gut. Doch da das nicht der Fall ist, sind sie in Deutschland zu versteuern. Und das hieße bei der entsprechenden Progression: Hoeneß hätte davon 50 Prozent an den deutschen Fiskus abführen müssen. Und nicht nur das: Man hätte ihm sofort die Steuervorauszahlungen auf dieses Niveau angehoben, so dass er im nächsten Jahr noch einmal derartige Vorauszahlungen hätte leisten müssen.

Und da hat er dann sicher gedacht: Dieses Geld hat doch mit meinem Einkommen in Deutschland nichts zu tun. Dieses Geld steht ja dort einfach nur. Und er wird ja an dieses Geld auch nicht herangegangen sein. Das ist doch Schweizer Geld. Und wer weiß, was überhaupt wird damit. Er wird also dieses Vermögen regelrecht von sich abgespalten haben.

Ich bin überzeugt, dass der Fall so oder so ähnlich verlaufen ist. Das heißt natürlich nicht, dass ich es richtig finde, was Hoeneß gemacht hat. Doch ich kann es sehr gut verstehen. Und wenn ich in seiner Situation gewesen wäre, hätte ich mich möglicherweise auch so verhalten.

Betrachtet man die Dinge aus dieser Sicht, wird natürlich klar, dass Hoeneß zwar rechtlich und formal ein Steuerhinterzieher ist, dass die übergroße Entrüstung jedoch fehl am Platze ist. Da ist ihm im Ausland etwas zugewachsen, wie ein großer Brillant, der jedoch fest verschnürt in einem Schweizer Schließfach liegt und den er nicht einmal berührt hat.

Wäre Hoeneß nicht ein einheimischer Wurstfabrikant, sondern Michael Schumacher oder Volkswagen, die Deutsche Bank oder die Deutsche Lufthansa mit Sitz auf den Cayman-Inseln, könnte er heute völlig legal ebenso wie diese mit ihrem in Deutschland erwirtschafteten Einkommen lächelnden Gesichtes herumwerfen. Doch so wird er wohl ins Gefängnis gehen. Die Gesetze und die Moral laufen nicht immer auf den gleichen Wegen.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

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