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Unsere Mütter, unsere Väter

Freitag, 22. Mrz 2013 um 22:19

Von Bernd Niquet

Ich bin begeistert vom ZDF. Es war großartig zu erleben, dass meine Fernsehgebühren einmal nicht nur für die Vierschanzentournee, Fußballerhonorare und Klatsch und Tratsch ausgegeben werden, sondern jetzt so ein Dreiteiler wie „Unsere Mütter, unsere Väter“ produziert worden ist.

Doch war dieser Film nun etwas ganz Neues? Ich glaube nicht. Mir war er auch immer noch zu künstlich, doch ich habe es sehr genossen, über die lange Distanz von 270 Minuten gehen zu dürfen, aber auch zu müssen. Auch hat die Darstellung sicherlich die Realität durchaus besser widergespiegelt, als das bei vielen anderen ähnlichen Filmen der Fall war.

Ich erinnere mich noch gut, was mein Vater, Jahrgang 1922, immer gesagt hat. Bei allen Kriegsfilmen fehlt das Schreien der Verletzten. Denn das sei das Schlimmste gewesen. In diesem Film habe ich es zum ersten Mal erlebt. Gerade die Lazarett-Szenen sind von einem permanenten Schreien durchzogen. Auch wird viel Blut und Elend gezeigt. Obwohl ich mich sonst eigentlich stets über ein Zuviel an Brutalitäten aufrege, die im Fernsehen gezeigt werden, habe ich das hier sehr angebracht gefunden und fast schon genossen. Denn gerade an dem Schicksal der Verwundeten konnte ich die Hoffnungslosigkeit dieses ganzen Krieges fast am eigenen Leib erspüren.

Mich mit den Protagonisten, diesen fünf Jugendlichen, zu identifizieren, wovon die Werbung für den Film vorher gesprochen hat, gelang mir allerdings nicht. Für mich liegt der Grund darin, dass deren Geschichte zu gekünstelt ist. Dass sich diese fünf in den Kriegswirren immer wieder begegnen und sich einmal sogar als Gegner Gewehr an Gewehr gegenüberstehen, ist so unrealistisch, dass der vorher sehr gute Film spätestens dort zu kippen drohte. Viel besser wäre es gewesen, wenn man gezeigt hätte, dass sie sich nicht begegnen und vielleicht nur knapp verfehlen oder sich zu unterschiedlichen Zeiten am selben Ort befanden.

Noch mehr als der Film selbst, haben mich allerdings die Dokumentationen dazu begeistert. Dass den Sterbenden aus Munitionsmangel der Gnadenschuss nicht mehr gegeben werden konnte, sondern sie mit dem Spaten erschlagen werden mussten, bildet tatsächlich den Endpunkt des menschlichen Denkens. Und auch das spätere Schicksal der Verweigerer wird in dem Film ja nicht einmal gestreift.

Den größten Nutzen habe ich jedoch aus einem Kommentar des Historikers Götz Aly gezogen, der mir plötzlich in anderer Hinsicht die Augen öffnete. Denn Aly sagt, die Kriegsgeneration hätte nach dem Krieg gar nicht über die Kriegsgreuel sprechen können. Denn dann hätte es kein Weiter und keinen Wiederaufbau gegeben.

Dieses Argument kannte ich natürlich schon, doch ich begreife es erst jetzt richtig. Manche Dinge sind so schrecklich, dass man sie einfach wegschließen muss, wenn man weiterleben will. Und jeder Mensch will weiterleben. Deshalb beginnen Aufarbeitungen auch immer so spät, individuell wie kollektiv. Der Protest der 68er-Generation war also in gewisser Weise unfair, auf der anderen Seite aber natürlich auch gerechtfertigt. Genutzt hat es freilich nichts.

Erst heute, fast siebzig Jahre nach Kriegsende, begreifen wir richtig. Und wer heute selbst, so wie ich, langsam „in die Jahre kommt“, erlebt es am eigenen Leib, wie spät manche Auseinandersetzungen und Aufarbeitungen im eigenen Leben beginnen. Auch hier stellen dreißig, vierzig oder noch mehr Jahre durchaus normale Distanzen dar. Manche Dinge zu begreifen, die mit zwanzig passiert sind, hat man erst mit siebzig das Glück. Wenn überhaupt.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

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Bernd Niquet, "Jenseits des Geldes, Zweiter Teil", Leipzig 2012, 570 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-873-9.

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