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Kasperle-Theater

Donnerstag, 21. Februar 2013 um 13:34

Von Wolfgang Braun
Mitte Juni 2012 schien der Untergang des Euro besiegelt. Im Vergleich zum Dollar gab die Gemeinschaftswährung kontinuierlich nach, einige Experten spekulierten bereits über das Erreichen der Parität. Doch es kam anders. Seit gut sechs Monaten zieht der Euro wieder an und hat einen großen Teil seiner vorhergehenden Verluste ausgebügelt. Grund zur Freude? Mitnichten! Stattdessen beklagt sich vor allem Frankreich, dass die neue Euro-Stärke die Wachstumschancen dämpft. Immerhin ist diese Position noch halbwegs nachvollziehbar, vor allem wenn man die Probleme bei der Wettbewerbsfähigkeit unseres Nachbarn bedenkt. Komplette Verwirrung richtet dagegen Silvio Berlusconi an. Er wirft in einem aktuellen Interview der Europäischen Notenbank Versagen vor, weil sie nicht zum Gelddrucken bereit sei. Seiner Ansicht nach ist der Euro eine „schwache Währung“. Womöglich war da der eine oder andere Ramazzotti zu viel im Spiel, denn plausibel ist die Argumentation nicht: Hätte die EZB stärker die Geldschleusen geöffnet, dann wäre der Euro schwach. Sie hat sich aber im Vergleich zu anderen Notenbanken (vor allem Japan) deutlich zurückgehalten und damit den Abwärtstrend umkehren können.

Besonnener Draghi

Als Außenstehender fragt man sich, welcher Euro-Kurs denn der passende ist. Einen Hinweis lieferte EZB-Chef Mario Draghi auf der zuletzt abgehaltenen Notenbanksitzung. Er sagte, dass der aktuelle Stand des Euro noch keine Sorgen bereite, betonte aber die konjunkturellen Abwärtsrisiken aus einer zu starken Währung. Das Signal ist klar: Einem zu heftigen Anstieg wird die europäische Zentralbank nicht tatenlos zusehen, weil damit die Sanierungsbemühungen der Peripherieländer konterkariert würden. Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zum Dollar gibt Draghi recht. Seit rund zehn Jahren schwankt das Währungsverhältnis zwischen 1,20 und 1,60 Dollar für einen Euro. Aktuell befinden wir uns noch leicht unter dem Schnitt der vergangenen Dekade.

Der langfristige Trend zeigt also, dass beim Euro nichts Außergewöhnliches passiert ist und kein akuter Handlungsbedarf besteht. Das Kasperle-Theater, dass einige unserer Partnerländer veranstalten, sollte Deutschland aber zu denken geben. Denn für eine nachhaltige Lösung der Euro-Schuldenkrise gibt es nur zwei Wege: Entweder man beendet die gemeinsame Währung oder aber man begibt sich in eine Fiskalunion, die begleitet wird von einer engeren politischen Verzahnung. Die jüngsten Verwirrungen um den Euro schüren die Zweifel an der zweiten Alternative.

Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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