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Größter Raubzug der Geschichte

Freitag, 15. Februar 2013 um 22:48

Von Bernd Niquet

In diesem Jahr habe ich mir auch einmal einen Vorsatz genommen. Hätte ich das doch nur nicht gemacht. Der Vorsatz hieß: Wieder öfter einmal hinausgehen, mich nicht nur passiv bombardieren zu lassen, sondern aktiv etwas unternehmen. Und nicht nur in eines der üblichen Konzerte gehen, wo man ohnehin nur säuft und dumpf wird.

Also ein Vortrag. Mit Diskussion. Da es jedoch nichts zur Zwischenkriegszeit oder über Schwarze Löcher gab, also noch einmal die Finanzen. „Der größte Raubzug der Geschichte“, klingt nicht schlecht. Vielleicht lerne ich ja noch etwas Neues.

Doch der Abend beginnt bereits extrem skurril. Mein Nebenmann doziert, dass das Finanzsystem sowieso bald zusammenbrechen würde. Und das Parlament? Das Parlament kannste verjessen, heute regieren nur noch die Banken. Anscheinend bin ich auf einer Zeitreise nach Weimar. Ich hätte also bereits hier gewarnt sein sollen.

Und der Glatzkopf vor mir, mit frisch rasiertem Schädel, erzählt allen um ihn herum Sitzenden, das Buch, das die Grundlage des anstehenden Vortrages bilde, sei so brisant, dass man davon ausgehen könne, dass es bald vom Markt genommen werde. Und den Autoren habe man bereits angedroht, sie zu vermöbeln. Jetzt bin ich wirklich vorbereitet. Also eine Mischung aus Kindergarten und Weimarer Republik. Und das Einzige, worauf ich noch nicht gekommen war, war „Mein Kampf“.

Dann kommen zwei junge Schwaben in Turnschuhen auf die Bühne und erklären bereits in ihrer Vorrede fünf Mal, dass leider nichts daran vorbeiführe, dass unser Finanzsystem unweigerlich zusammenbrechen müsse, dass sie das zwar nicht wollten, aber dass kein Weg daran vorbei führe. Es sei denn, man würde die Mathematik außer Kraft setzen, doch das gehe ja wohl leider nicht.

Sofort muss ich an den Paul C. Martin auf dem 1986er Jahr denken und seine Formel zur wissenschaftlichen Berechnung des Staatsbankrotts. Als die beiden Referenten schließlich erzählen, im Neuen Markt groß geworden zu sein, fällt mir plötzlich die Ähnlichkeit des einen Referenten zum Ich-mache-Sie-reich!-Markus-Frick auf. Jetzt geht es aber nicht ums Reichwerden, sondern ums Armwerden. Ich bin anscheinend wirklich in einem Laienvortrag über Schwarze Löcher gelandet.

Und dann geht es los. Da stehen also vorne zwei Bürschchen auf der Bühne der altehrwürdigen Urania und haben den Stein der Weisen gefunden. Jetzt muss alles zusammenbrechen, weil wir alle nichts aus der Geschichte gelernt haben – außer ihnen. Denn sie haben entdeckt, dass es gedecktes und ungedecktes Geld gibt, und alles ungedeckte Geld in der Geschichte sei zusammengebrochen. Ich überlege, ob ich fragen sollte, ob bekannt ist, dass auch alles gedeckte Geld geschichtlich zusammengebrochen sei, doch ich bin ja kein Abendverderber.

Und dann wird es richtig komisch, denn Geld sei ein Anspruch auf Leistung, erklären sie, doch wenn die Zentralbanken Geld schaffen, entstehe keine Leistung. Und das sei das Problem. Das klingt nach Hohlweltheorie: Weil unsere Schuhsohlen stets nach oben und nicht nach unten gebogen sind, leben wir nicht außen auf einer Kugel, sondern in deren Inneren.

Um zwanzig vor acht hat der Vortrag angefangen, um zehn vor acht verlasse ich die Vorstellung. Ich kann es schlicht nicht mehr aushalten. Und ich weiß, dass der Vergleich unfair ist, doch ich mache ihn dennoch, weil er so treffend ist. Was hier, wie in so vielen anderen Untergangsprognosen, zusammengeschustert ist, ist von der Machart her das Gleiche wie in „Mein Kampf“.

Das ist ja unsere große Tragik, dass dieses Buch und seine Machart den Deutschen vorenthalten wird. Denn nirgendwo anders kann man treffender erleben, wie ein Mensch viel Literatur wälzt, jedoch die Dinge nie gegeneinander abwägt, sondern stets nur das herauspickt, was die eigene vorgefasste Weltsicht stützt – und den Rest unberücksichtigt lässt.

Ich würde „Mein Kampf“ daher zum Pflichtprogramm an jeder Schule machen. Doch ob uns das den geistigen Extremismus jeglicher Provenienz ersparen würde? Ich glaube nicht. Auch in anderen Ländern gibt es genug verbohrte Theorien. Doch ich habe das Gefühl, wir Deutschen sind weit anfälliger dafür als alle anderen Völker dieser Erde.

*********************** UND IMMER NOCH NEU: DER ZWEITE TEIL! WIE ES JENSEITS DES GELDES WEITER GEHT!

Bernd Niquet, "Jenseits des Geldes, Zweiter Teil", Leipzig 2012, 570 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-873-9.

Am besten portofrei direkt beim Verlag bestellen: http://www.engelsdorfer-verlag.de/db/shop/details.php?autor_id=1067&werk_id=3144&suchart=kategorie&k_nr=K03

 

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