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Ökonomische Lehrstunde

Freitag, 14. Dezember 2012 um 23:18

Von Bernd Niquet

In der Wirtschaftswissenschaft gibt es genauso Dogmen und Paradigmen wie in allen anderen Wissenschaften auch. Ist die Erde eine Scheibe oder eine Kugel? Und dreht sich die Erde um die Sonne oder die Sonne um die Erde? Diese Fragen sind zum Glück mittlerweile geklärt.

Andere hingegen nicht. Wie zum Beispiel: Regiert unser Körper unseren Geist oder vielmehr der Geist den Körper? Bestimmt das Sein das Bewusstsein oder das Bewusstsein das Sein? Und ganz modern, nämlich dort, wo man heute die Gehirnströme misst: Sind neurologische Auffälligkeiten Ursachen für psychische Erkrankungen oder vielmehr nur deren Folgen? Auf diese Fragen hat man bis heute kaum Antworten. Und die letzte Frage wird sogar in der Diskussion nicht einmal gestellt.

Doch kommen wir zur Ökonomie. Was sind eigentlich die Gründe für Arbeitslosigkeit? Die Erklärungen, die die Wissenschaft hierfür gibt, sind bizarr. In der heute herrschenden Neoklassik lässt sich Arbeitslosigkeit nur durch Preisinflexibilitäten erklären: Sinken die Preise, müssen die Löhne auch sinken. Und tun sie das nicht schnell genug, entsteht Arbeitslosigkeit. Keynes hat dem ein alternatives Paradigma entgegengesetzt, in dem Arbeitslosigkeit durch zu geringe Nachfrage aufgrund einer zu hohen Liquiditätshaltung erklärt wird. Sinkende Löhne führen hier zu Nachfrageausfällen aufgrund einer zu hohen Geldhaltung aus Sicherheitsaspekten.

Klingt das alles durchaus etwas akademisch abgehoben, so hat die Politik jedoch aktuell gerade ein Paradebeispiel zur Verdeutlichung dieser unterschiedlichen Weltsichten ans Tageslicht gebracht. Im Armutsbericht der Bundesregierung treffen diese unterschiedlichen Sichtweisen nämlich auf den Punkt bezogen aufeinander.

So schrieb die CDU in bester Keynes-Manier im ersten Entwurf des Armutsberichtes, dass niedrige Löhne das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung verletzten und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden würden. Dieser Satz ist anschließend von der FDP in der Überarbeitung gestrichen und durch den folgenden Satz ersetzt worden: Sinkende Reallöhne zeigen strukturelle Verbesserungen an.

Deutlicher könnte das unterschiedliche Denken nicht zu Tage treten: Im Erklärungssystem von Keynes geht es immer um Nominalgrößen, also auch um Nominallöhne, die anschließend in Geld bewertet werden. Nominallohnsenkungen sind daher stets ein Übel. Bei den Neoklassikern hingegen sind nur die Realgrößen wichtig, also die Reallöhne. Und sinken die Reallöhne, so wird in dieser Theorie die Produktion ausgeweitet, was folglich zu sinkenden Preisen führt, welche die anfangs rückläufige Nachfrage wieder auf das ursprüngliche Niveau bringt.

So sieht es also in der Koalition aus: Eine Partei glaubt, die Erde wäre ein Flummi, wohingegen die andere meint, sie sei eine Auster. Unrecht haben sie beide, doch die Frage, wer mit seiner eigenen Vorstellung dichter an der Realität liegt, bleibt auch weiterhin spannend.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

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Bernd Niquet, "Jenseits des Geldes, Zweiter Teil", Leipzig 2012, 570 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-873-9.

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