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Vorteil Europa

Donnerstag, 29. November 2012 um 13:46

Von Wolfgang Braun
In den vergangenen Wochen haben die deutschen Börsen die Wall Street deutlich abgehängt. Während der Dax nur rund 2 Prozent unter seinem Jahreshoch notiert, sind es beim Dow Jones fast 7 Prozent. Auch seit Jahresbeginn lassen die deutschen Blue Chips mit einem Zuwachs von mehr als 20 Prozent ihre US-Pendants, die nur ein Plus von 5 Prozent schafften, weit hinter sich. Diese Entwicklung hat einen guten Grund.

Probleme gibt es dies- und jenseits des Atlantiks. Man hat jahrelang über die Verhältnisse gelebt. Jetzt laufen die Staatsfinanzen aus dem Ruder, die Wirtschaft neigt zur Schwäche. Die Lösungsansätze weisen aber erhebliche Differenzen auf. In den USA wird seit einigen Jahren monetär Vollgas gegeben. Seit 2007 beläuft sich das staatliche Defizit auf mehr als 1 Billion Dollar (nicht insgesamt, sondern jedes Jahr). Für 2012 sehen die aktuellen Planungen eine Defizitquote von 7,0 Prozent vom BIP vor. Gleichzeitig pumpt die Federal Reserve massiv Gelder in den Markt.

Durch den Aufkauf von Schulden versucht die Notenbank, die Zinsen zu drücken und damit die Anleger in die Kaufhäuser zu bringen. In Europa dagegen wird – unter dem Druck von Deutschland und wenigen anderen soliden Ländern – ein harter Konsolidierungskurs gefahren. Fast im Wochentakt werden neue Sparprogramme aufgelegt, der Gürtel enger geschnallt. Die EZB hat die Märkte zwar auch gestützt und Anleihen gekauft beziehungsweise den Finanzinstituten mit Liquidität beigestanden. Die Eingriffe waren (zumindest bislang) aber weit geringer als die der Federal Reserve.

Kein Land kann dauerhaft über seine Verhältnisse leben. Auch die USA werden mittelfristig auf einen Konsolidierungskurs einschwenken müssen.

Die Entwicklung in Europa zeigt, daß hier schmerzhafte Einschnitte drohen. Ob die bereits zum Jahreswechsel umgesetzt oder noch etwas nach hinten verschoben werden, müssen die anstehenden Budgetverhandlungen (Stichwort: Fiscal Cliff) zeigen. Europa hat hier bereits einen Teil des Weges zurückgelegt. Erste Erfolge zeigen sich: Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft haben Krisenländer wie Griechenland und Spanien zuletzt deutlich an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Obwohl Europa also besser dasteht als die USA, sind die Aktien-Bewertungen in Übersee deutlich höher. Die Outperformance des Dax sollte sich also fortsetzen.

Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.

Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.

 

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