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Spiegelbild der Gesellschaft

Freitag, 2. November 2012 um 22:06

Von Bernd Niquet

Nach den ganzen Aufregungen der letzten Zeit möchte ich mich in dieser Woche noch einmal einem harmlosen Thema widmen, das aber dennoch gut geeignet scheint, einen treffenden Einblick in unsere Gesellschaft zu geben. Unsere Fußballprofis sind die Leistungsträger der Nation. Sie verdienen extrem viel Geld, stehen ganz besonders im Licht der Öffentlichkeit und sonnen sich in ihrem Status.

Diese Kolumne wird allerdings von einem Fußballer geschrieben, der über Jahrzehnte hinweg an jedem Samstag so viel gelaufen ist, dass er anschließend schweißgebadet und total erschöpft gewesen ist und sich deshalb schon seit jeher über die Fußballgötter gewundert hat, die nach dem Spiel interviewt werden und niemals auch nur etwas außer Atem sind.

Ein halbes Leben habe ich über dieses Thema und diese Differenz geforscht, und langsam habe ich ein paar stimmige Antworten zusammengetragen. Die Grundfrage ist also: Warum habe ich immer den Eindruck, dass die Fußballer von ihrer Leistung her total überschätzt werden? Man hält sie für Götter, doch letztlich traben sie nur einmal in der Woche 90 Minuten seicht durch die Gegend.

Den ersten Anstoß, diesem Thema nachzuforschen, hat mir vor Jahrzehnten der damalige Top-Schwimmer Michael Groß gegeben, der einmal bei den Profis von Bayern München mittrainiert hatte und danach von der Presse nach seinen Eindrücken gefragt wurde. Daraufhin hat er gesagt, dass das Pensum, was er hier im gesamten Training miterlebt hat, in etwa seinem Aufwärmprogramm entsprochen hätte.

Denken wir also an die Ausdauerleistungen in anderen Sportarten, auch ganz besonders an die Radfahrer, so kann man ganz sicher sagen: Im Fußball wird deswegen nicht gedopt, weil die Anstrengung hier gar nicht so groß ist, dass man das nötig hätte.

Technik und Einsatz am Ball sind natürlich etwas ganz anders. Hier müssen die Fußballer alles geben. Doch wenn es ums Laufen geht, könnte ich wahnsinnig werden, egal welches Spiel ich mir anschaue. Das ist wie bei einem großen Kartell, als ob alle Fußballer in der Gewerkschaft wären und nur nach Vorschrift laufen würden.

Vielleicht liegt das aber auch am Spiel selbst. Das ist meine neueste Idee. Denn wir haben immer ohne Abseits gespielt, weil das im Freizeitfußball nicht anders geht. Und da wird ein Spiel natürlich schnell und weit anstrengender als dieses Hin- und Hergeschiebe zwischen Abseitsfallen und aufgerückten Abwehrriegeln, das wir im Profifußball erleben.

Für diese These habe ich eine Menge Evidenz gefunden. Wer heute Spielberichte in den Zeitungen liest, findet immer wieder Passagen, dass die Mannschaften sehr tief STANDEN. Wie entlarvend hier die Sprache ist! Denn die Spieler stehen ja tatsächlich mehr als sie laufen.

Noch besser brachte es neulich der Fußball-Kommentator Oliver Welke auf den Punkt, als er meinte: „Der Fußball ist heutzutage ein Fehler-Vermeidungs-Spiel.“ Besser kann man es sicher nicht sagen – und besser kann man auch den Bogen zu unserer Gesellschaft nicht schlagen:

Denn wer sich heute in unserem Land noch den Arsch aufreißt und so richtig dabei schwitzt, wird höchstens naserümpfend angeblickt. Wer hingegen gut gegelte Haare hat, weiße Schuhe trägt und mit seiner Mannschaft schön tief steht, so wie der Trainer es befiehlt, besitzt beste Chancen auf eine ganz große Karriere.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

***********************UND VERGESSEN SIE NIE: DIE WIRKLICHE WAHRHEIT LIEGT IMMER JENSEITS DES GELDES !!!

BUCH-NEUERSCHEINUNG: Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes“, Leipzig 2011, 506 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-408-3.

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Das Geld hat den Menschen aus langen historischen Abhängigkeiten befreit. Wer heute etwas haben möchte, bezahlt mit Geld und muss keine anderweitigen Gegenleistungen mehr anbieten. Die meisten Bereiche unseres Lebens liegen allerdings jenseits des Geldes. Wie steht es jedoch jenseits des Geldes mit der Freiheit? Bernd Niquet verfolgt den Lebensweg einer Gruppe von Menschen und stellt fest, dass selbst der Wegfall materieller Restriktionen uns nicht von unseren alten Fesseln befreit. Im Gegenteil, die Vergangenheit bestimmt weit stärker über uns als die gesamte Geldsphäre das je vermag.

 

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