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Grenzwert null und Grenzwert unendlich

Freitag, 10. August 2012 um 22:40

Von Bernd Niquet

Manche Dinge fügen sie auf gespenstische Weise ineinander. Sie stammen aus völlig verschiedenen Kontexten, weisen aber dennoch ganz plötzlich auf etwas Gemeinsames hin.

Neulich lese ich den Bericht einer Frau, die bei den Unruhen in London vor einem Jahr all ihr Hab und Gut verloren hat. Das Haus, in dem sie wohnte, ist abgebrannt, die Hypothek musste sie dennoch weiterzahlen, jetzt zusätzlich auch noch die Miete in einer anderen Wohnung.

Was mir jedoch noch weit mehr ins Auge stach, war, dass alle Hilfsangebote der Stadt die Frau erst jetzt erreicht haben, da sie immer noch an die alte Adresse des abgebrannten Hauses geschickt wurden. In ihrem Resümee sagt die Frau, die sehr bedacht, reflektiert und intelligent wirkte, dann auch, dass sie im Verlauf des vergangenen Jahres gemerkt habe, dass das System mit solchen Unfällen nicht klarkommt und nicht funktioniert.

Genau das ist ein Gedanke, der auch mich stets umtreibt: Wenn ich an Gerichtsprozesse mit hunderten von Aktenordnern denke – oder auch nur an meine kleine bescheidene Steuererklärung oder eine Anfrage bei einem Amt. Überall stapeln sich die Akten, so dass es kaum mehr ein Durchkommen gibt.

In einem Monty-Python-Sketch fällt der wunderbare Satz: „Please try to unterstand, before one of us dies. Bitte versuchen Sie, zu verstehen, bevor einer von uns beiden stirbt.“ Wenn ich heute versuchen würde, mein Recht irgendwo einzuklagen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ich bis zur Entscheidung an Altersschwäche gestorben bin als dass ich sie erlebe.

Auf der anderen Seite erweist sich das, was aus der großen Mühle der öffentlichen Verwaltung kommt, oft genug als so lauwarm, dass ich erschrecke. In Berlin darf ein jugendlicher Straftäter, der auf einem Bahnhof einen Menschen mit Absicht beinahe tot getreten hat, jetzt wieder zur Schule gehen. Ich habe den Artikel in der Zeitung nicht begriffen, doch irgendwie hat dieser Jugendliche gar nicht eingesessen, weil das so das Beste für ihn sei, so war das zu verstehen.

Oder nehmen wir den letzten RAF-Prozess: Ob Verena Becker tatsächlich noch einmal in das Gefängnis muss, lese ich in meiner Zeitung, klärt die Strafvollstreckungskammer. Doch Beckers Anwälte haben gerechnet. Da sie ohnehin nur zwei Drittel ihrer Strafe absitzen müsste, erledige sich der Rest von selbst.

Entweder alles dauert Jahrzehnte, oder es erledigt sich eben von selbst – das ist der Eindruck, den ich heute von unserem öffentlichen Leben habe. Und das schafft nicht allzu viel Vertrauen. Ich denke vielmehr: Wieviel sind eigentlich zwei Drittel von zwei Dritteln von Zwei Dritteln? Die Dinge scheinen sich heute entweder dem Grenzwert null oder dem Grenzwert unendlich anzugleichen. Wir sind zu einer sehr extremen Gesellschaft geworden.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

***********************UND VERGESSEN SIE NIE: DIE WIRKLICHE WAHRHEIT LIEGT IMMER JENSEITS DES GELDES !!!

BUCH-NEUERSCHEINUNG: Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes“, Leipzig 2011, 506 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-408-3.

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Das Geld hat den Menschen aus langen historischen Abhängigkeiten befreit. Wer heute etwas haben möchte, bezahlt mit Geld und muss keine anderweitigen Gegenleistungen mehr anbieten. Die meisten Bereiche unseres Lebens liegen allerdings jenseits des Geldes. Wie steht es jedoch jenseits des Geldes mit der Freiheit? Bernd Niquet verfolgt den Lebensweg einer Gruppe von Menschen und stellt fest, dass selbst der Wegfall materieller Restriktionen uns nicht von unseren alten Fesseln befreit. Im Gegenteil, die Vergangenheit bestimmt weit stärker über uns als die gesamte Geldsphäre das je vermag.

 

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