Von Wolfgang Braun
Die Lage in Griechenland spitzt sich zu. Nachdem die Verhandlungen zu einer Regierungsbildung kein Ergebnis brachten, sind für den 17. Juni Neuwahlen vorgesehen. Nach aktuellen Umfragen werden die radikalen Parteien aus dem linken und rechten Spektrum weiter zulegen. Es dürfte anschließend noch schwieriger werden, zu einer Regierung zu kommen, die den Kurs der EU unterstützt. Am Ende bleiben zwei Wege: Entweder die Geldgeber fallen um und erleichtern die Bedingungen für Athen deutlich. Das wäre der falsche Weg, weil er anderen Wackelkandidaten zeigen würde, dass man bei erhöhtem Druck zusätzliche Hilfen erpressen kann. Konsequent wäre dagegen der Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion verbunden mit einer Staatspleite. Dieser Schritt wird von der Aktien-Strategie seit Monaten als ohnehin unausweichlich angesehen. Kurzfristig müssten Anleger dann noch einmal mit Verwerfungen an den Finanzmärkten rechnen. Das Problem wäre aber gelöst und Griechenland könnte sich über eine Abwertung der neuen Währung sanieren.
Negative Ausstrahlung
Das Drama um Athen wirkt sich zunehmend auch auf die anderen Problemländer aus. In Spanien sind die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen wieder deutlich über die Marke von 6 Prozent geklettert und nähern sich dem Hoch vom November 2011. Auch in Italien ist die als kritisch angesehene Marke von 6 Prozent wieder fast erreicht. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass der neue französische Staatspräsident Francois Hollande bei seinem Antrittsbesuch in Berlin erneut die Einführung von Euro-Bonds auf den Tisch gebracht hat. Auch in diesem Fall bleibt zu hoffen, dass Kanzlerin Merkel hart bleibt und dem Drängen der Südländer nicht nachgibt. Euro-Bonds könnten die Lage allenfalls vorübergehend stabilisieren. Dass Deutschland mittel- und langfristig für die Schulden der gesamten Euro-Zone gerade stehen kann, ist völlig utopisch. Am Ende würde auch die Bundesrepublik in den Abwärtssog geraten.
Die Politik entscheidet wieder maßgeblich über die Börsenentwicklung, was eine Einschätzung erschwert. Die Unsicherheit dürfte die nächsten Wochen auf jeden Fall anhalten. Dem steht die gute Konjunktur in Deutschland, Rekordzahlen der Dax-Unternehmen sowie eine günstige Bewertung gegenüber. Dazu sind weitere Stützungsmaßnahmen der EZB wahrscheinlich.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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