Von Wolfgang Braun
Die Wahlen am vergangenen Sonntag haben die Risiken für die Börsen weiter erhöht. In Frankreich kam mit Francois Hollande ein Sozialist an die Macht, der sich für eine Förderung des Wachstums einsetzt und dafür den eingeschlagenen Sparkurs verlassen will. Diese Ansicht dürfte bei Kanzlerin Merkel auf wenig Gegenliebe stoßen. Hierzulande wird auf eine Konsolidierung der staatlichen Haushalte in Europa gedrängt.
Das heißt aber noch lange nicht, daß die Achse Deutschland-Frankreich auseinander bricht. Ein bißchen Wachstumsförderung kann nicht schaden. Statt eiserner Sparbemühungen müßten sich die angeschlagenen Südländer der Euro-Zone auf Strukturreformen einlassen. Die sind nicht unbedingt teuer, aber bei den Bürgern unbeliebt. Am besten wissen das die Deutschen, die dank der Arbeitsmarktreformen unter Kanzler Schröder (übrigens selbst Sozialdemokrat) vom „kranken Mann Europas“ zum Stabilitätsanker der Währungsunion mutiert sind. So richtig sich diese Reformen heute auch herausstellen – die Schröder-Regierung hat sie mit der Abwahl bezahlt. Dennoch bieten sich Chancen auf eine Umsetzung von Einschnitten: Die Krise macht den Bürgern zunehmend klar, daß es so wie bisher nicht weitergehen kann. Die Wahl von Hollande sorgt daher für Unsicherheit, muß aber nicht negativ sein.
Chaotisch ist dagegen die Lage in Griechenland. Nach der Wahl am Sonntag haben die gemäßigten Parteien keine Mehrheit mehr. Der potentielle kommunistische Ministerpräsident hat angekündigt, sämtliche Verträge, die das Sparpaket betreffen, für nichtig zu erklären. Egal, ob sich solche Forderungen am Ende durchsetzen lassen, die Situation in Athen bleibt fragil.
Die Einführung des Euro wurde mit zusätzlichem Wohlstand und politischer Einheit in Europa begründet. Zumindest für Griechenland haben sich diese Vorhersagen nicht erfüllt. Wirtschaftlich liegt das Land am Boden, politisch nehmen die Zerrüttungen nach innen und nach außen zu. Es stellt sich zunehmend die Frage, was das Land in der Gemeinschaftswährung verloren hat. Der Chef der Rating-Agentur Fitch ist der Ansicht, daß ein griechischer Ausstieg aus der Währungsunion verkraftbar wäre. Der chaotische Wahlausgang könnte diesen (langfristig ohnehin unausweichlichen) Schritt beschleunigen. Das könnte die Börsen noch einmal belasten, würde das Problem aber an der Wurzel packen.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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