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Mit gestreckter Faust

Samstag, 21. April 2012 um 08:32

Von Bernd Niquet

In der vergangenen Woche habe ich mich an dieser Stelle noch positiv über unser Rechtssystem geäußert, weil es eben auch verhindert, dass der normale Bürger, der nichts getan hat, durch Denunziationen ans Messer geliefert wird. Das war natürlich nur ein Teilaspekt, aber ein wichtiger.

Was wir alle hingegen in der abgelaufenen Woche von unserem westlichen demokratischen Rechtssystem erleben mussten, war schon schwer erträglich. Da steht ein geständiger Massenmörder vor Gericht und darf die gesamte Welt mit seinem Kampfgruß grüßen, der gestreckten Faust.

Beinahe nicht zu glauben, was wir hier für eine Plattform bieten. Wer also wirklich Aufmerksamkeit erzielen will, muss anscheinend nur morden, massenmorden, das könnte die Lektion sein.

Mein Vater hat mir den Satz vererbt: „Die Feinde der Demokratie kann man nicht mit demokratischen Mitteln bekämpfen!“ Diese Sichtweise ist natürlich sehr von der Hitler-Zeit geprägt, aber dennoch.

Wahrscheinlich liegt das wirkliche Problem hier jedoch nicht in unserem Rechtssystem, sondern in den Medien. Ein fairer Prozess sollte auch dem größten Übeltäter zugestanden werden. Doch müssen davon Übertragungen um die Welt gehen?

Erneut habe ich hier den Eindruck, dass die Täter stets umsorgt werden, die Opfer hingegen zurückbleiben. Der Täter genießt die Aufmerksamkeit, und die Opfer leiden darunter.

Doch auch unabhängig von den Medien scheint mir dieser Tatbestand eine wichtige Kennzeichnung unseres Rechtssystems zu sein. Und ich habe dazu heute eine kleine Begebenheit aus meinem eigenen Leben beizubringen, die wirklich klein und beinahe nichtig ist, aber dennoch die Richtung anzeigt:

Einen Tag vor meinem Osterurlaub komme ich aus dem Haus und von meinem Auto sind die Nummernschilder abgeschraubt. Da ich einen dringenden Termin in der Nähe wahrzunehmen habe, den ich ohne Auto nicht machen kann, fahre ich mit schlechtem Gewissen ohne Nummernschilder, und komme mir dabei schon selbst wie ein Straftäter vor.

Anschließend stelle ich das Auto zu Hause ab und fahre mit dem Rad zur Polizei, um den Diebstahl anzuzeigen. Dort und im Gespräch mit der Versicherung, erfahre ich: Ohne Kennzeichen darf ich das Auto nicht auf der Straße stehen lassen. Ich darf es aber auch nicht ohne Nummernschilder von der Straße wegbefördern. Ich müsste dazu also rote Kennzeichen beantragen oder einen Abschleppdienst beauftragen.

Die Diebe sind mittlerweile sicher über alle Berge, und wenn sie geschnappt werden, was wird ihnen passieren? Die gesamte Last der Wiederherstellung des alten Zustandes wird hier ganz klar auf das Opfer gelegt.

Ich entscheide mich, mich nicht um die Vorschriften zu kümmern, beauftrage meine Werkstatt mit der Neuzulassung und bitte, die neuen Schilder an meinem Auto anzuschrauben. Dann fliege ich in Urlaub.

Als ich wiederkomme, ist alles über die Bühne. Doch als ich dann zur Werkstatt fahre, um meine Papiere abzuholen und zu bezahlen, werde ich nur mit Glück bei einer Verkehrskontrolle noch knapp durchgewunken. Was wäre wohl gewesen, wenn man mich da ohne Papiere erwischt hätte? Alles nicht dramatisch, aber es geht um das Prinzip.

Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.

***********************UND VERGESSEN SIE NIE: DIE WIRKLICHE WAHRHEIT LIEGT IMMER JENSEITS DES GELDES !!!

BUCH-NEUERSCHEINUNG: Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes“, Leipzig 2011, 506 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-408-3.

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Das Geld hat den Menschen aus langen historischen Abhängigkeiten befreit. Wer heute etwas haben möchte, bezahlt mit Geld und muss keine anderweitigen Gegenleistungen mehr anbieten. Die meisten Bereiche unseres Lebens liegen allerdings jenseits des Geldes. Wie steht es jedoch jenseits des Geldes mit der Freiheit? Bernd Niquet verfolgt den Lebensweg einer Gruppe von Menschen und stellt fest, dass selbst der Wegfall materieller Restriktionen uns nicht von unseren alten Fesseln befreit. Im Gegenteil, die Vergangenheit bestimmt weit stärker über uns als die gesamte Geldsphäre das je vermag.

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