Von Bernd Niquet
Ich sehe sie erst, als ich bereits in den Park hineingejoggt bin. Und ich sehe auch zuerst ihren Hund, der wie bei einem Windhundrennen mit voller Geschwindigkeit loslegt. Ich habe mich mächtig erschrocken, als er wie der Blitz an mir vorbeifegt.
Ich frage die Frau, ob sie nicht wisse, dass es in diesem Park Pflicht sei, Hunde anzuleinen. Ja, das wisse sie, sagt sie. Und warum sie es dann nicht mache, will ich wissen. Weil dieses Verbot Unsinn sei, sagt sie.
Zuerst versuche ich es mit Verständnis. Ob sie sich denn nicht vorstellen könne, dass kleine Kinder Angst bekämen, wenn so ein großer Hund in voller Geschwindigkeit auf sie zukäme. Aber es wären doch keine kleinen Kinder da, sagt sie. Doch der Park ist groß, sie kann das gar nicht sehen.
Jetzt interessiert mich das rein Formale.
„Sie wissen also, dass das, was sie machen, nicht gestattet ist, und machen es trotzdem?“
„Ja!“
„Und was würden Sie machen, wenn ich Ihnen jetzt mit der Faust ins Gesicht schlagen würde?“
„Dann würde ich die Polizei holen.“
Mehr brauche ich sicherlich nicht zu schildern. Das Gespräch wurde auch noch ziemlich unangenehm. Ich finde zudem das Hundethema unerbaulich. Mir geht es keinesfalls um die Hunde. Mir geht es um diese Frau. Sie war eine elegante Erscheinung, wie sie mir da damals im Dezember des vergangenen Jahres gegenüberstand. Gebildet, sicherlich nicht arm, mit einer ausgeprägten eigenen Meinung. Eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Eine moderne Frau von heute.
Ich neige dazu, diesem Erlebnis Allgemeincharakter zu geben. Wir sind in unserer Gesellschaft an einem Punkt angekommen, den ich für gefährlich halte. Wir haben uns Gesetze gegeben, doch bedingungslos daran halten möchte sich eigentlich niemand mehr.
Wenn die Gesetze uns nicht passen, dann setzen wir uns einfach darüber hinweg. Dann erklären wir sie als unvernünftig. Dann sind wir plötzlich die mündigen Bürger mit eigener Meinung, die selbst entscheiden wollen, was im Einzelfall als richtig und falsch zu gelten hat.
Sind wir dann jedoch einmal in Not, rufen alle immer sofort nach Pappi. Komm Pappi, hilf mir, der Böse da hat mich gehauen! Der hat mir meine Sachen weggenommen, der hat mir wehgetan! Dann weinen wir wie die kleinen Kinder und wollen, dass der große Pappi alles für uns richtet.
Und was das Allerschlimmste ist: Meistens lässt der Pappi sie alle mit ihrem Gejammer durchkommen und bedient sie auch noch freundlich.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
***********************UND VERGESSEN SIE NIE: DIE WIRKLICHE WAHRHEIT LIEGT IMMER JENSEITS DES GELDES !!!
BUCH-NEUERSCHEINUNG: Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes“, Leipzig 2011, 506 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-408-3.
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Das Geld hat den Menschen aus langen historischen Abhängigkeiten befreit. Wer heute etwas haben möchte, bezahlt mit Geld und muss keine anderweitigen Gegenleistungen mehr anbieten. Die meisten Bereiche unseres Lebens liegen allerdings jenseits des Geldes. Wie steht es jedoch jenseits des Geldes mit der Freiheit? Bernd Niquet verfolgt den Lebensweg einer Gruppe von Menschen und stellt fest, dass selbst der Wegfall materieller Restriktionen uns nicht von unseren alten Fesseln befreit. Im Gegenteil, die Vergangenheit bestimmt weit stärker über uns als die gesamte Geldsphäre das je vermag.









