Von Bernd Niquet
Wer kann das eigentlich noch verstehen, was sich derzeit um Griechenland abspielt? Da gibt es einen vereinbarten Schuldenschnitt, der aber wohl weder ausreicht noch überhaupt richtig beschlossen ist. Dann muss das alles freiwillig erfolgen, weil es ansonsten als „Kreditereignis“ gewertet wird und Griechenland zum Pleitefall werden lassen würde. Und schließlich geht der Streit noch um die Kreditausfallversicherungen und die Zinssätze.
Es ist kompliziert und obendrein noch verrückt. Man muss gleichsam das Recht austricksen, weil man das Recht nicht verändern will oder kann.
Das Problem des Schuldenschnitts ist das Folgende: Bisher hat nur der globale Bankenverband einem Schuldenschnitt von 50 Prozent der griechischen Anleihen zugestimmt. Jetzt müssen noch die Mitglieder zustimmen. Niemand weiß jedoch, wie hoch die Zustimmung liegen wird und wie die Interessenlage dort aussieht?
Ist ein nennenswerter Anteil der Griechenland-Anleihen bereits in die Hände von Privateigentümern geflossen, die diesem Verband gar nicht angehören? Und wie werden sich diejenigen verhalten, die ihre Anleihen versichert haben? Was ist zudem mit denjenigen, die als Versicherer dieser Anleihen auftreten?
Das größte Problem hängt wohl an den Zinsen der neuen Anleihen. Gäbe es einen Kapitalschnitt und damit neue für alte Anleihen, hängt viel am neuen Zinssatz. Schuld ist wieder das unsägliche „Modell des abdiskontierten Cash-Flows“. In meinem Buch über die Finanzkrise hatte ich bereits die These aufgestellt, dass dieses Modell der wahre Katalysator der Krise war:
Nimmt man in einer Krise nämlich eine gesteigerte Unsicherheit an, so erhöht sich der Diskontierungsfaktor, und plötzlich ist das, was eben noch den Nennwert wert war, nur noch 80 Prozent des Nennwertes wert.
Umgekehrt läuft es jetzt bei den Zinsen: Werden plötzlich von Griechenland nicht mehr die ursprünglichen 8 Prozent Zinsen gezahlt, sondern nur noch 5 Prozent, oder, wie die Bundesregierung es will, gar nur 2 oder 3 Prozent, reduziert sich der abdiskontierte Cash-Flow der Griechenlandanleihen dramatisch. Der Schuldenschnitt kann dann vielleicht gerade verkraftet werden, doch hinterher erfordert es die Buchführung von Gläubigern, sich final pleite zu rechnen.
So sieht es aus.
Dem Privatanleger kann das alles egal sein, denn 3 Prozent sind viel in der heutigen Zinslandschaft, doch der Privatanleger entscheidet ja nicht mit. Entscheiden tun nur diejenigen, die wiederum dem Harakiri-Modell der zeitgemäßen Abdiskontierung unterliegen.
Es wird spannend, wie man diesen modernen Gordischen Knoten lösen wird. Und erneut ist Griechenland der Ort. Ein Alexander der Große ist jedoch dieses Mal weit und breit nicht in Sicht.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
***********************UND VERGESSEN SIE NIE: DIE WIRKLICHE WAHRHEIT LIEGT IMMER JENSEITS DES GELDES !!!
BUCH-NEUERSCHEINUNG: Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes“, Leipzig 2011, 506 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-408-3.
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Das Geld hat den Menschen aus langen historischen Abhängigkeiten befreit. Wer heute etwas haben möchte, bezahlt mit Geld und muss keine anderweitigen Gegenleistungen mehr anbieten. Die meisten Bereiche unseres Lebens liegen allerdings jenseits des Geldes. Wie steht es jedoch jenseits des Geldes mit der Freiheit? Bernd Niquet verfolgt den Lebensweg einer Gruppe von Menschen und stellt fest, dass selbst der Wegfall materieller Restriktionen uns nicht von unseren alten Fesseln befreit. Im Gegenteil, die Vergangenheit bestimmt weit stärker über uns als die gesamte Geldsphäre das je vermag.










