Von Bernd Niquet
Es drängt mich sehr, doch noch ein vorletztes Wort zum Thema „Griechenland, und die Banken“ loszuwerden. Auf Italien lässt sich das dann ebenfalls übertragen. Es geht ja in der öffentlichen Diskussion alles komplett durcheinander. Auch bei Günter Jauchs Talkshow herrscht ein großes Tohuwabohu.
Wer ist denn nun eigentlich schuld? Und wenn, dann an was? Die Banken? Oder Griechenland? Oder die EU?
Mehrere Dinge muss man ganz klar auseinanderhalten:
(1) Dass Griechenland so hoch verschuldet ist, liegt an Griechenland selbst und ist ein Aufsichts-Versäumnis der EU. Die Banken tragen hieran jedoch keine Schuld.
(2) Die Tatsache, dass ein so hoher Teil der Griechenland-Schulden bei den Banken liegt, dafür sind die Banken verantwortlich. Und dass das zum Systemrisiko wird, ist ein Versäumnis der Banken und erneut der EU-Überwachung. Doch hierfür kann Griechenland nichts.
Ebenso muss man bei den Marktreaktionen Folgendes klar auseinanderhalten:
(1) Dass die Griechenland-Anleihen so viel an Wert verloren haben und dass das die Banken in Schwierigkeiten bringt, liegt nicht an den bösen Spekulanten, sondern an der Tatsache, dass Griechenland kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht.
(2) Sehr wohl in der Verantwortung der Märkte steht, dass spekulative Attacken auch gegen eigentlich solvente Länder gefahren werden. Das geschieht, weil es einfach profitabel ist, Anleihen leer zu verkaufen (oder Versicherungen zu kaufen) und dann negative Stimmung zu machen.
Man kann die Investoren also nicht dafür schelten, dass sie dort, wo sie einen Ausfall der Rückzahlung erwarten, kein Geld mehr geben. Man müsste sie jedoch eigentlich bestrafen, wenn aus rein spekulativem Interesse andere Staaten verunglimpft werden. Ich weiß, dass das eine Gratwanderung ist, doch man muss versuchen, zu trennen.
Deswegen sind nicht nur bei Günter Jauch die meisten Statements einäugig und nicht haltbar. Wenn die ARD-Börsenfrau Anja Kohl nur aus Finanzmarktsicht argumentiert, man müsse sich doch nicht wundern, wenn überhaupt niemand mehr Staatsanleihen kaufe, ist das genauso Blödsinn als wenn Gregor Gysi verlangt, man müsse die Staatsfinanzierung unbedingt von den Finanzmärkten abkoppeln.
Und nicht zuletzt sollte man auch strikt auseinanderhalten:
(1) Will man nun die Banken anklagen, die zu hohe Positionen griechischer und anderer Staatsanleihen halten?
(2) Oder will man diejenigen anklagen, die keine Staatsanleihen besitzen und vielmehr gegen diese Anleihen spekulieren?
Natürlich kann (und sollte man wohl auch) beide anklagen, doch es ist unerlässlich, auch hier scharf zu unterscheiden.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
Ich darf bereits auf mein neues Buch hinweisen, das allerdings noch nicht vollständig ausgeliefert ist:
Bernd Niquet, „Jenseits des Geldes“, Leipzig 2011, 506 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86268-408-3.
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