Von Bernd Niquet
Es ist komisch, bisher hatte ich zu fast allen Wirtschaftsthemen eine klare Meinung. Da wusste ich, wofür und wogegen ich war und was ich tun würde, wenn ich darüber zu entscheiden hätte. Bei den jetzt anstehenden Fragen zur Rettung der Euro-Mitgliedsländer ist das jedoch nicht der Fall.
Woran mag das liegen? Ich denke, weil es für die gegenwärtige Situation historisch kein Referenzbeispiel gibt. Wir betreten hier momentan generelles Neuland.
Was macht man, wenn man merkt, dass der Ehepartner einen erstens angelogen hat und zweitens plötzlich eine Schwäche aufzeigt, die er vorher nicht gehabt hat. Verlässt man ihn dann gleich? Schmeißt man ihn aus dem Haus? Würde man nicht eher versuchen, selbst mehr zu investieren, damit der andere wieder auf die Beine kommt?
Wenn man nach den heutigen Ehestatistiken geht, müsste man Griechenland also am besten schon gestern gefeuert haben. Doch ob es denn besser läuft? Man denke an die Schweiz. Und wenn eine Ehefrau die Grippe hat, ob sich dann nicht vielleicht auch der ganze Harem infiziert hat? Zum Glück sind wir jedoch nicht im Orient – jedenfalls nicht ganz.
Vielleicht sollte man auch gerade in Deutschland daran denken, dass wir im vergangenen Jahrhundert Europa gleich zwei Mal in Schutt und Asche gelegt haben. Aber wer will schon an so etwas denken.
Wird möglicherweise die Berlin-Wahl am Wochenende über Europa entscheiden? Geht die FDP aus reinem Stimmenfang jetzt so aus sich heraus? Oder ist es vielmehr die pure ökonomische Logik, die sie jetzt zu ihren Positionen bringt? Doch schickt sich denn so etwas? Wenn alle anderen nicht an das Ökonomische denken?
Vor allem: Was ist, wenn man den Ehepartner so weit diszipliniert, dass man fortan mit einer Leiche verheiratet bleibt? So richtig schön ist das doch sicherlich nicht.
Ich habe für die Eurokrise leider keine Lösung anzubieten. Ich kann ja nicht einmal die richtigen Fragen stellen.
Einerseits denke ich, so langsam müssten wir mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren. Doch andererseits: Wenn man so hoch in den Lüften schwebt wie wir, ist das vielleicht die gefährlichste aller möglichen Optionen.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… AUCH 2011 IMMER NOCH AKTUELL: DIE FINANZKRISE!
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
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