Von Bernd Niquet
Wir leben im Jahr der Eurokrise. Die Eurokrise trägt viele rationale, aber auch viele skurrile Züge. Erstaunlich ist bereits der Sprachgebrauch: Wir wollen die Banken an den Kosten der Krise beteiligen.
Das muss man sich einmal vorstellen. Da sind die langlaufenden Griechenlandanleihen, die die Banken in ihren Beständen halten, auf unter 50 Prozent ihres Nominalwertes gesunken, und selbst die Kurzläufer haben ein gutes Viertel eingebüßt. Und jetzt hat man eine Lösung gefunden, nach der die Banken diese Papiere zum Teil zurückgeben werden und dafür neue erhalten, mit einem besseren Schuldner, nämlich der EU, einer längeren Laufzeit und folglich einem höheren Wert.
Und das nennt man dann: Die Beteiligung der Banken.
Wenn Sie also, lieber Leser, ins Casino gehen, die Hälfte ihres Geldes verspielen, anschließend jedoch die Hälfte der verlorenen Hälfte vom Steuerzahler zurückbekommen, dann haben Sie sich an den Verlusten beteiligt. Ja, haben Sie ja strenggenommen auch, weil Sie nicht alles vom Steuerzahler zurückbekommen haben.
Wie verrückt sind wir eigentlich geworden?
Wir leben in einer Vollkaskogesellschaft ohne Selbstbeteiligung. Und wenn dann doch einmal jemand eine kleine Selbstbeteiligung leisten muss, dann wird das bereits als Grenze zur Unzumutbarkeit gesehen.
Der Euro-Krisenfonds EFSF hat aber natürlich auch irgendwie seinen Charme. Er ist beinahe wieder so ein Perpetuum mobile, wie wir schon öfter welche hatten. Ausgestattet mit Mitteln aus den bonitätsmäßigen guten Euroländern kauft er die Schulden der Sorgenkinder auf – zum halben Preis.
Das ist dann die wirkliche Beteiligung des privaten Sektors inklusive der Banken!
Der Markt spielt verrückt, die Zittrigen stoßen die Papiere ab, doch dann kommt der hartgesottene Fonds und kauft sie zum halben Preis auf. Um Griechenlands Schulden in Höhe von 350 Milliarden Euro vollständig aufzunehmen, brauchte man so nur schlappe 175 Milliarden Euro. Ist das nicht ein fairer Deal?
Unsere Zukunft steht also weit offen und an Grenzen der Kreativität ist keinesfalls zu denken.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… AUCH 2011 IMMER NOCH AKTUELL: DIE FINANZKRISE!
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
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