Von Bernd Niquet
Es sieht nicht gut aus in den Weltfinanzen, doch auf vielen anderen Ebenen gibt es für mich einigen Grund zum Optimismus. Und zum Glück regieren die Finanzen noch nicht alles. Da ist immer noch ein kleines gallisches Dorf in Gedanken, das Widerstand leistet.
Je älter ich werde, umso besser gefällt mir der schöne alte Spruch aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Und gibt nicht gerade dieser Vielvölkerstaat ein gutes Beispiel für das Heute ab. Wenn man denn das dumme Ende vermeiden würde. Zumindest an den Finanzen ist Österreich-Ungarn nicht kaputt gegangen.
Es ist schon ein paar Wochen her, da hatten wir in Berlin wieder den Karneval der Kulturen. Für mich war es das erste Mal, dass ich richtig auf der Straße dabei war. Vorher habe ich mich um diese Massenveranstaltung immer herumgedrückt. Doch was ich gesehen habe, hat mich tief beeindruckt.
Wie das möglich ist, dass Menschen völlig unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe und sozialem Stand so friedlich miteinander umgehen, ist für mich wie ein Weltwunder. Stundenlang bin ich durch die Straßen gelaufen, habe Bier aus aller Herren Länder getrunken, doch nicht einmal ist selbst im schlimmsten Gedränge auch nur ein Schubser zu merken oder ein böses Wort zu hören. Und selbst als abends fast alle betrunken waren, änderte sich daran nichts.
Was sind Märkte dagegen für feindselige Veranstaltungen, denke ich. Auf den Marktplätzen, die unsere Welt ansonsten bestimmen, könnte niemals Frieden herrschen. Doch wenn die Menschen sich einig sind? Was soll dann eigentlich passieren?
Natürlich werden wir mit unseren öffentlichen und privaten Finanzen nicht auf ewig so weitermachen können. Doch na und? Wir haben doch Frieden und keinen Krieg! Und man sollte niemals verkennen, dass der Großteil unseres Vermögens gar kein Nettovermögen darstellt. All die Sparguthaben und Festverzinslichen, die die Deutschen halten, sind doch alles nur die Schulden von anderen.
Doch irgendwann nivelliert sich das. Dann kommt die Krise und dann geht es wieder anders los. Doch wir haben Frieden und die Menschen kommen miteinander aus, zumindest in Europa. Es ist zwar nicht alles perfekt, doch wahrscheinlich werden wir auch in einigermaßen geordneter Form durch die schwierigen Phasen marschieren.
Wer hätte sich getraut, vor fünfzig oder sechzig Jahren so ein Glück auszumalen?
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… AUCH 2011 IMMER NOCH AKTUELL: DIE FINANZKRISE!
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
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