Von Bernd Niquet
Hilfe, wir sind umzingelt. Die Südländer wollen uns allesamt an die Gurgel und auch im Norden, Osten und Westen sieht es nicht unbedingt gut aus.
Griechenland wird uns in den Abgrund reißen und Spanien und Portugal uns dort noch den Rest geben. Unser ganzes schönes Geld wird bald weg sein mit diesem Scheiß-Euro. Aber wir sind auch manchmal Idioten und finanzieren diesen Ländern ihren Müßiggang und ihre Ferienhäuschen.
Und jetzt wollen uns die Spanier auch noch mit ihren Salatgurken umbringen. Haben wir es bei den Griechen noch nicht geschafft, sie aus dem Euro rauszuschmeißen, so sollten wir es jetzt bei den Spaniern machen. Es wird höchste Zeit. Es geht doch um unser Geld und um unser Leben.
Nicht ganz so schlimm, aber keineswegs gut, sieht es auch ansonsten rund um uns aus. Im Norden will man unsere EU nicht mehr, will uns freie Bürger wieder kontrollieren. Und dann die Franzosen mit ihrem eitlen kleinen Präsidenten, und wenn erst die Polen den Euro haben, dann gute Nacht.
Doch was hält uns Deutsche eigentlich zusammen? Was macht das Gemeinsame von uns aus? Wie sieht der Klebstoff aus, der uns zusammen hält?
Auf den ersten Blick könnte man meinen, es wären die mehr als 4,6 Billionen Euro Geldvermögen der Deutschen, die uns verbinden. Doch wie würde das unsere Gemeinschaft erklären, in der 10 Prozent der Bevölkerung mehr als 60 Prozent des Vermögens besitzen – und mehr als ein Viertel überhaupt nichts?
Sind die Reichen vielleicht so etwas wie ein Super-Klebstoff, der die Armen gleich mit bindet? Nein, so läuft das nicht. Das Vermögen trennt eher als dass es vereint. Es muss etwas anderes geben. Vielleicht Goethe und Schiller? Aber nein, denn mit diesen Grufties haben heute nur noch Oma und Opa zu tun. Außerdem schreiben die viel zu lange Sätze.
In meinen Reisen in diesem Jahr quer durch das Land habe ich jetzt endlich den wahren Klebstoff gefunden, der uns alle zusammen heftet. Ich habe ihn sogar gar nicht suchen müssen, er hat sich mir regelrecht angeheftet. Sinnbildlich gesprochen, könnte man sagen: Er ist mir ins Auge gesprungen. Und faktisch: Er hat sich an meiner Zunge festgepappt.
Wenn man das Land von Norden nach Süden und von Osten nach Westen durchreist, braucht man viele Stopps für die schnelle Verpflegung in Tankstellen, Imbissen, Backstuben, Bäckereien. Und da können Sie hinfahren und landen, wo Sie wollen, überall gibt es lecker aussehende Brötchen, belegt mit Schinken, Käse, Tomaten, Ei und Salat, die jedoch allesamt mit ein und derselben fiesen ekligen klebrigen Salatsaucenmayonnaise bestrichen sind.
Als mir neulich davon beinahe schlecht geworden ist, wusste ich endlich, warum das restliche Europa uns nicht mag, abgesehen von unserem Geld, und was uns Deutsche letztlich verbindet, außerhalb des Geldes, und warum wir uns genau dabei selbst nicht mögen und am liebsten speien würden, und dass es genau das ist.
Anregungen oder Kritik bitte an Bernd Niquet.
… AUCH 2011 IMMER NOCH AKTUELL: DIE FINANZKRISE!
Bernd Niquet, "Wie ich die Finanzkrise erfolgreich verdrängte", Leipzig 2010, 465 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86901-830-0.
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