Von Wolfgang Braun
In den vergangenen Tagen liefen einige Nachrichten über den Ticker, die für die langfristige Entwicklung der Aktienmärkte von erheblicher Bedeutung sein können. So haben sich die Versicherer zu Wort gemeldet und eine Erhöhung ihrer Aktienquote angekündigt. Zuletzt waren die Versicherer in ihrer Anlagepolitik extrem risikoscheu, was nach zwei großen Crashs innerhalb von zehn Jahren verständlich ist. Dass die Zurückhaltung jetzt aufgegeben werden soll, ist ebenfalls wenig verwunderlich.
Versicherungsunternehmen legen das Geld ihrer Kunden in diversen Anlageklassen an. Den Schwerpunkt haben die Konzerne dabei in den vergangenen Jahren bei Anleihen gesetzt. Doch dieses Segment büßt zunehmend an Attraktivität ein. Zum einen hat die Griechenland-Krise gezeigt, dass Rentenpapiere keinesfalls so sicher sind, wie oft behauptet. Dazu sind die Renditen auf Rekordtiefs gefallen: Die bislang noch als sicher geltenden Bundesanleihen werfen bei 10-jähriger Laufzeit nur noch rund 2,2 Prozent Zins ab. Damit können Lebensversicherungen noch nicht einmal den Garantiezins von 2,25 Prozent erwirtschaften. Unter diesen Bedingungen bleibt kaum etwas anderes übrig, als auf andere Anlageklassen auszuweichen. Dieser Anlagenotstand soll jetzt den Aktienmärkten zugute kommen. Bei der Hannover Rück will man vorsichtig beginnen, in Dividendentitel zu investieren, und kann sich eine Aktienquote von 3 bis 5 Prozent vorstellen. Bislang haben die Niedersachsen um Aktien einen Bogen gemacht. Auch bei der Münchener Rück steigt der Risikoappetit: Der Finanzvorstand stellt eine „behutsame“ Anpassung der Aktienquote von zuletzt 2,5 Prozent in Aussicht. Die Schwelle nach oben sieht er bei 5 Prozent. Nur bei der Allianz gibt es keine Aktienpläne. Der Konzern war zuletzt bereits mit 7 Prozent in diesem Segment investiert.
In früheren Zeiten hatten Versicherer oft den Ruf als Kontraindikator. Waren sie stark in Aktien investiert, war das ein Hinweis für bald fallende Kurse. Aktuell liegen die Quoten sehr niedrig - ein gutes Zeichen. Die geplanten Käufe stellen zudem eine Stütze für die Börsen dar, weil dabei Milliardenbeträge investiert werden. In Anbetracht der günstigen Bewertung sind die langfristigen Aussichten für Aktien ohnehin nicht übel.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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