Von Wolfgang Braun
Als 2008 die Finanzkrise wütete und im darauffolgenden Jahr die Wirtschaft regelrecht absackte, waren sich alle einig: Den Unternehmen muss geholfen werden, wo es geht, sonst droht dem Land eine Pleitewelle von extremem Ausmaß. Und so unterstützte die Politik die Wirtschaft mit Milliardensummen in Form von Steuererleichterungen und Kurzarbeitergeld. Im Nachhinein waren die Mittel wohl halbwegs vernünftig angelegt: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist auf einem überraschend niedrigen Niveau, die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal mit Rekordtempo gewachsen. Und zumindest die Großkonzerne verdienen wieder prächtig und haben die Scharte aus der Finanzkrise fast ausgebügelt.
Zeit der Geschenke vorbei
So erfreulich das für die Firmen selbst ist - der Erfolg wird wohl neue Begehrlichkeiten wecken. Die Gewerkschaften haben ihre Ansprüche bereits angemeldet und wollen nach der krisenbedingten Zurückhaltung in den nächsten Tarifverhandlungen kräftige Lohnaufschläge durchsetzen. Auch von den staatlichen Stellen kommen immer weniger Geschenke. Die Bundeskanzlerin und der Finanzminister haben jüngst noch einmal klargemacht, dass sie am Sparkurs eisern festhalten wollen. In Anbetracht der desolaten Lage der staatlichen Finanzen führt an einer Senkung des Defizits auch kein Weg vorbei.
Übliche Verteilungskämpfe
Nachdem es zwei Jahre lang um die Rettung der Wirtschaft ging, läuft die Schonfrist für die Unternehmen jetzt ab. Stattdessen gelten wieder die normalen Verteilungskämpfe. Von den erwirtschafteten Geldern wollen mehrere Gruppen ihren Teil haben: Der Staat dürfte über höhere Steuern in die Firmenkassen greifen, die Arbeitnehmer über Lohnsteigerungen. Der Verzicht der anderen Interessengruppen hat es den Firmen zuletzt leicht gemacht, hohe Margen zu erreichen. So schafften die Dax-Konzerne im zweiten Quartal im Schnitt wieder eine operative Rendite von mehr als 10 Prozent. Bislang war das überhaupt nur in einem Jahr (nämlich 2007) gelungen. In Zukunft wird es wohl schwer werden, noch mehr Rendite aus den Unternehmen herauszupressen, zumal weitere Effizienzgewinne kaum möglich sind. Auch wenn die jüngsten Quartalsberichte zu Euphorie verleiten, sollten die Anleger für die Zukunft keine überdurchschnittlichen Gewinnsteigerungen bei den deutschen Großkonzernen mehr einplanen.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
Der obige Text spiegelt die Meinung der jeweiligen Autoren wider. Instock übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche rechtliche oder sonstige Ansprüche aus.









