Von Wolfgang Braun
In den vergangenen Wochen haben sich die Börsen wieder an ihre Jahreshochs herangetastet. Der Dax steht nur noch rund 50 Punkte von dieser Widerstandsmarke entfernt. Gelingt ein Ausbruch, winken kurzfristig weitere Gewinne. Charttechniker halten dann sogar einen Durchmarsch auf 7.000 Punkte und mehr für möglich.
Getragen werden die jüngsten Kurszuwächse von den herausragenden Unternehmensdaten. Die Konzerne aus dem Dow dürften bei den Nettogewinnen nahe an den bisherigen Rekordwert aus dem zweiten Quartal 2007 (also vor der Krise) herankommen. Aus dem Dax fehlen noch die Daten von acht Unternehmen. Aber auch hier lässt sich schon ein exzellentes Ergebnis voraussagen. Die Erlöse werden im Vergleich zum Vorjahr wohl um einen zweistelligen Prozentsatz klettern, der Nettogewinn bei kumulierter Betrachtung sich möglicherweise sogar verdoppeln. Das Vorjahresniveau war zwar nicht besonders hoch, aber auch bei den deutschen Großkonzernen sind die Rekordwerte von vor der Finanzkrise nicht mehr weit entfernt. Die hohen Gewinne sorgen für eine günstige Bewertung. Ein kumulierter Jahresüberschuss von 60 Milliarden Euro für die Dax-Konzerne im laufenden Jahr ist nicht mehr unrealistisch. Daraus ergibt sich aktuell ein Index-KGV von weniger als 12. Im langjährigen Schnitt lagen die Bewertungen für den deutschen Leitindex bei rund 15.
Zur Vorsicht mahnt allerdings die Entwicklung an den Anleihemärkten. So sind die Renditen für US-Staatsanleihen zuletzt auf Rekordtiefs gepurzelt. Führende Rentenfondsmanager stellen sich auf eine deflationäre Phase ein und begründen dies mit den zuletzt schwachen Konjunkturdaten aus den USA sowie der Abneigung der Politiker gegen weitere staatliche Stützungsmaßnahmen. Bei einer Deflation fallen die Preise, was zu einer Kaufzurückhaltung von Unternehmen und Bürgern führt. Im Endeffekt ergibt sich eine Spirale aus sinkenden Unternehmensgewinnen und schrumpfender Wirtschaft. Sollte es in den kommenden Wochen weitere Hinweise auf ein solches Szenario geben, dürfte das die Börsen zunehmend belasten. Zwar sahen die Konjunkturdaten aus Europa zuletzt weit besser aus als in den USA. Ob sich die europäischen Aktienmärkte einer schwachen Wall Street aber entgegen stemmen können, bleibt abzuwarten.
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Aktien-Strategie“. Weitere Informationen zum Börsenbrief finden sie hier.
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